Steuern und steigende Mobilität treiben Spritpreise

Baden-Baden (fk) – Die Kosten für Sprit liegen mehr als zehn Cent über dem Vor-Corona-Niveau: Woher kommt das? Und wie setzt sich der Spritpreis überhaupt zusammen? Das BT gibt einen Überblick:

Teures Tankvergnügen: Nicht selten müssen Autofahrer derzeit – wie auf unserem Bild am Freitagnachmittag in Rastatt – mehr als 1,60 Euro für den Liter Super-E-5 bezahlen. Foto: Frank Vetter/BT

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Teures Tankvergnügen: Nicht selten müssen Autofahrer derzeit – wie auf unserem Bild am Freitagnachmittag in Rastatt – mehr als 1,60 Euro für den Liter Super-E-5 bezahlen. Foto: Frank Vetter/BT

13 Cent sind für die meisten Menschen nicht viel Geld. Zumindest in den westlichen Industriestaaten. Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn diese 13 Cent im Tank des Autos verschwinden, und zwar pro Liter. Denn exakt diese 13 Cent mehr für den Liter Super-E10-Benzin müssen Autofahrer heute berappen als Anfang 2020, vor der Coronakrise. Im Vergleich zum Beginn dieses Jahres sind es sogar 24 Cent pro Liter mehr.

Noch mieser für die Autofahrer sieht die Bilanz aus, wenn man die heutigen Preise in Relation zu den zugegebenermaßen historisch niedrigen Preisen während des ersten Lockdowns setzt. Der Ölpreis war damals zeitweise auf 20 Dollar pro Barrel (159 Liter) abgestürzt und mit ihm die Kraftstoffpreise. So kostete der Liter E10 in Baden-Baden am Abend des 18. März 2020 gerade mal noch 1,08 Euro, Diesel sogar nur knapp einen Euro pro Liter.

Seit der ersten Coronawelle ziehen die Preise an

Seitdem zogen die Preise jedoch quasi kontinuierlich wieder an. Gründe gibt es viele. Zum einen schockte die zweite Corona-Welle die internationalen Märkte nicht mehr so stark, wie noch die erste Hochphase der Pandemie. Im März 2020 sei nicht abzusehen gewesen, „wie lange der Zustand dauern wird oder wie sich die Lage entwickelt. Die Nachfrage nach Kraftstoff war stark rückläufig. Flug- und Reiseverkehr, öffentlicher Verkehr und die private Mobilität waren im März 2020 stärker betroffen als in den späteren Lockdowns“, erklärt Alexa Sinz, Pressechefin des ADAC-Nordbaden gegenüber dem BT. Gleichzeitig lieferte sie damit auch eine Erklärung für den stetigen Anstieg in den vergangenen Monaten: „Grund dafür ist, dass die Menschen nach den starken Einschränkungen im Frühjahr wieder mobiler wurden, die Wirtschaft zog wieder an und damit stieg die Nachfrage nach Kraftstoffen und damit auch nach Rohöl deutlich an“, so Sinz. So kostete Rohöl der Sorte Brent am Freitagmorgen 71 Dollar je Barrel. Noch am 8. Januar wurden für die gleiche Menge nur 55 Dollar fällig. Benzin (Super E10) wurde den Erhebungen des ADAC zufolge in diesem Zeitraum um 24 Cent teurer, Diesel um 15 Cent.

Vor Corona, in der letzten Januarwoche 2020, war Benzin in Baden-Baden und Umgebung im Schnitt um die besagten 13 Cent günstiger als am vergangenen Freitag, Diesel um fünf Cent. Damals, so schränkt der ADAC ein, gab es aber die CO2-Abgabe noch nicht, die seit Anfang 2021 den Liter Super-Benzin um mindestens sieben Cent teurer gemacht hat und Diesel um acht Cent. Der Ölpreis war damals aufgrund des politischen Konfliktes samt gegenseitiger Drohungen zwischen dem Iran und den USA ähnlich hoch wie heute: Er lag bei 69 Dollar je Barrel, sank allerdings schon infolge hoher US-Lagerbestände vor dem Beginn der Coronakrise wieder ab, ehe er dann mit der umsichgreifenden Pandemie ins Bodenlose fiel. Der ADAC bilanziert deshalb: „Schlägt man auf den 2020er Preis die CO2-Abgabe auf, hat Diesel heute das gleiche Niveau wie vor Corona, Benzin ist rund fünf Cent teurer.“ Das ist zumindest ein Lichtblick für Berufspendler, die die gestiegene Steuer durch eine höhere Fahrtkostenpauschale beim Finanzamt geltend machen können – sofern sie mehr als 21 Kilometer Strecke zurücklegen.

Doch wie setzen sich Benzin- und Dieselpreis überhaupt genau zusammen und welche Faktoren spielen eine Rolle? Der ADAC liefert auf BT-Nachfrage die Erklärung: „Bei den Kraftstoffpreisen spielen sowohl Angebot als auch Nachfrage eine Rolle wie auch die Entwicklung des Ölpreises. Dieser wiederum hängt von den aktuellen Förder- und Lagermengen ab und wird durch Naturkatastrophen und Auseinandersetzungen zwischen den ölfördernden Staaten beeinflusst.“

Auch Kurs von Euro und Dollar haben Einfluss

Da Rohöl auf den internationalen Märkten in Dollar gehandelt wird, wirken sich zudem auch Schwankungen des Euro-Dollarkurses auf die Preise in Deutschland aus.

Den weitaus größten Batzen dessen, was Autofahrer an der Zapfsäule berappen müssen, kassiert allerdings der Staat – nämlich aktuell bis zu 64 Prozent der Tankrechnung. Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) beträgt pro Liter Benzin 65,45 Cent, pro Liter Diesel sind es 47,04 Cent. „Diese Beträge sind fix“, sagt Sinz. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf den Warenpreis und die Energiesteuer erhoben wird. Was das konkret bedeutet, zeigt nebenstehende Grafik. Bei einem angenommenen Spritpreis von 1,56 Euro für Super E10 entfallen mehr als 90 Cent auf Steuern. Produktpreis, Gewinn, Vertrieb, Transport oder Tankstellenpacht machen demnach etwa 60 Cent aus; hinzu kommt noch die Abgabe für die CO2-Steuer, die in diesem Fall sechs Cent beträgt.

Und dann ist da noch der örtliche Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern, der ebenfalls zu merklichen Preisschwankungen führt.

Sprit in Italien und der Schweiz noch teurer

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit den besagten Preisen zwar im vorderen Drittel, es geht aber durchaus noch teurer. In Italien und der Schweiz ist Diesel laut ADAC nämlich pro Liter rund 20 Cent teurer als in der Bundesrepublik. Benzin ist in der Schweiz auf ähnlichem Niveau wie in Deutschland, in Italien mehr als zehn Cent teurer. In Frankreich liegt der Durchschnittspreis für Benzin und Diesel demnach rund zehn Cent über den deutschen Preisen. Ganz anders sieht es hingegen in Österreich aus. Dort liegt der Dieseldurchschnittspreis rund zehn Cent unter dem deutschen, Super ist sogar 20 Cent je Liter billiger. Allerdings gibt es dabei Schwankungen. Das niedrigste Preisniveau gibt es den Experten zufolge in den östlichen Ländern Österreichs, in Tirol oder Vorarlberg sind die Preise hingegen deutlich höher.

Belastbare Schätzungen, wie sich die Benzinpreise in Deutschland in den kommenden Wochen entwickeln, will indes selbst der ADAC nicht geben. Eines steht aber den Experten zufolge fest: „Auf lange Sicht werden die geplanten Erhöhungen der CO2-Bepreisung in den nächsten Jahren den Preis für Benzin und Diesel in jedem Fall verteuern.“

In diesem Zusammenhang haben die Fachleute deshalb einige Spartipps für Autofahrer auf Lager: So würden viele Autofahrer nach wie vor Super E5 tanken, obwohl ihr Fahrzeug vom Hersteller für E10 freigegeben wurde. Mit E10 spare man pro Liter aber sechs Cent und trage gleichzeitig dazu bei, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. „Letzteres würde viel zum Klimaschutz beitragen. Drei Millionen Tonnen CO2 könnten jährlich eingespart werden, wenn alle Pkw, die E10 technisch vertragen, damit betankt würden“, sagen die Fachleute des Automobilklubs. Mit einer vorausschauenden und optimierten Fahrweise lasse sich außerdem der Verbrauch um bis zu 25 Prozent senken – beispielsweise durch rechtzeitig hochschalten, bei niedrigen Drehzahlen fahren und frühzeitig vom Gas gehen, statt abrupt abzubremsen.

Dachboxen sind Spritfresser

Auch auf Dachboxen sollte man lieber verzichten. Sie steigerten den Verbrauch bei 130 Kilometern pro Stunde um bis zu zwei Liter pro 100 Kilometer. Außerdem mahnen die Experten: „Wer Räder mitnimmt, muss wissen: Bikes auf dem Dach können den Verbrauch um 40 Prozent steigen lassen, am Heck um 20 Prozent.“ Wichtig ist auch: Zu wenig Luft in den Reifen erhöht den Verbrauch des Autos. Schon ein 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand und sorgt somit für unnötigen Mehrverbrauch. Darüber hinaus Rät der ADAC zu gezieltem Tanken, und zwar indem Autofahrer bewusst an der günstigsten Tankstelle tanken und das am besten zwischen 18 und 22 Uhr. Damit ließen sich im Schnitt bis zu sieben Cent je Liter sparen.

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Erstellt:
8. August 2021, 17:09 Uhr
Lesedauer:
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