Stillstand beim umstrittenen Hotel in Ottenau

Gaggenau (BNN) – Was ist los beim Hotelneubau in Ottenau? Beim Baustart im Dezember war angekündigt worden, Mitte April zu eröffnen. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede.

Alles andere als glücklich: Klaus Lierheimer schaut von seinem Garten direkt auf den Hotelneubau. Und fürchtet, dass die künftigen Gäste ihm wiederum ständig auf die Terrasse starren werden. Foto: Swantje Huse/BNN

Alles andere als glücklich: Klaus Lierheimer schaut von seinem Garten direkt auf den Hotelneubau. Und fürchtet, dass die künftigen Gäste ihm wiederum ständig auf die Terrasse starren werden. Foto: Swantje Huse/BNN

Was steckt hinter dem Baustopp beim Hotel am Penny-Kreisel in Ottenau? Nachdem im Januar innerhalb kürzester Zeit die 27 Baumodule errichtet wurden, ist seit Wochen kein Arbeiter mehr auf der Baustelle gesichtet worden. Und das, obwohl der Bauherr noch zu Jahresanfang verkündet hatte, das Hotel werde im April eröffnen. Das hat eindeutig nicht geklappt. Doch woran liegt es?

Gerüchteküche auf Facebook brodelt

Auch in einer Gaggenauer Facebook-Gruppe wird wild über die Gründe spekuliert: Von Corona über den Ukraine-Krieg und daraus resultierendem Materialmangel bis hin zu einer Investoren-Pleite ist alles dabei. „War da nicht Baustopp wegen den Anwohnern?“, fragt ein Nutzer.

Das hätte sich Klaus Lierheimer gewünscht. Er war einer jener Anwohner, die gegen das Bauvorhaben protestiert und einen Widerspruch eingelegt haben. Insgesamt waren zu Jahresbeginn zwei Widersprüche beim Regierungspräsidium (RP) in Karlsruhe anhängig. Diese seien aber bereits im Februar zurückgenommen worden und hätten sowieso keine aufschiebende Wirkung gehabt, so die Pressestelle des RP auf Nachfrage.

Das sagt auch Lierheimer: „Das Ding steht ja im Grunde schon.“ Zudem hätte das Verwaltungsgericht ihn kontaktiert und deutlich gemacht, dass die Chancen schlecht stünden. „Die Maße stimmen. Und wenn es zu einem Vor-Ort-Termin kommt, wird es für uns teuer.“ Also zieht er den Widerspruch zurück – begeistert ist er aber nach wie vor nicht von dem Bau, den er nun von seiner Terrasse in voller Pracht genießen kann.

Was er dort sieht, ist tatsächlich schon ziemlich fertig: Noch ziert zwar ein Baugerüst die nackte Fassade, die Zimmer sind aber bereits mit allem ausgestattet. Durch die bodentiefen Fenster sind die Boxspringbetten zu sehen, die auf Gäste warten. Doch wann werden die hier übernachten können?

Bauherr gibt sich ganz entspannt

„Das wird nicht mehr lange dauern“, sagt Tobias Waltl. Er ist Vorstand der Mindelheimer WMM AG, die als Bauherrin fungiert, und Geschäftsführer der WMM Immobilien AG, die das Hotel schließlich betreiben soll. Nicht die Ukraine oder Materialmangel seien das Problem, sondern die Anzahl an Baustellen, die zeitgleich laufen. „Da gehen gewisse Hotels ein bisschen schneller und andere dauern etwas länger“, so Waltl im Gespräch mit der Redaktion.

Gegenüber der Stadt Gaggenau hat die Firma dagegen anders argumentiert. „Der aktuelle Baustopp liegt an der mangelnden Materialverfügbarkeit, vor allem wartet der Bauherr auf Stahlteile, die aktuell sehr schwer zu beschaffen sind“, erklärt die städtische Pressestelle auf Nachfrage. Der Bauherr hoffe, dass die Situation in ein, zwei Monaten wieder besser aussehen werde.

Dass das Hotel noch gar nicht eröffnet ist, bemerkt der Zimmersuchende nicht wirklich: Auf der Homepage der WMM Immobilien AG ist die Unterkunft, bei der alles online und per SMS läuft, bereits in die Reihe der geöffneten Hotels aufgenommen. Erst, wenn man ein Übernachtungsdatum eingibt, kommt die Absage: „Heute ist dieses Hotel leider ausgebucht.“

Ab Juni könnte das dann wirklich daran liegen, dass Gäste die Zimmer belegen: „Am 30. Mai soll die Eröffnung gefeiert werden“, sagt Tobias Waltl von der WMM AG. „Das ist einigermaßen realistisch.“ Anwohner Klaus Lierheimer hofft, dass dann auch die Begrünung auf der Rückseite fertig ist und als Blickschutz dient. „Man sieht ja sonst alles, was in den Zimmern läuft“, fürchtet er. „Und andersrum schauen die mir in den Garten.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Swantje Huse

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Erstellt:
2. Mai 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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