Stimmungsbild zum Baden-Badener OB-Wahlforum

Baden-Baden (nie/sga) – Vor der OB-Wahl in Baden-Baden hatten BT und BNN zu einer Gesprächsrunde mit den Bewerbern geladen und wir wollten wissen: Wie haben die Bürger das OB-Forum wahrgenommen?

Die erste gemeinsame Veranstaltung: BNN und BT haben zum OB-Forum geladen. Foto: Andrea Fabry

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Die erste gemeinsame Veranstaltung: BNN und BT haben zum OB-Forum geladen. Foto: Andrea Fabry

Wer soll sie lenken, die Geschicke der Kurstadt in den nächsten acht Jahren? Fünf Bewerber hatten am Freitag beim OB-Forum von BT und BNN einmal mehr die Chance, um die Gunst der Wähler zu buhlen. Wer ist wie angekommen? Wer hat überzeugt? Wer war blass? Welches Thema kam zu kurz? Das wollten wir von ausgewählten Zuschauern erfahren.

Sehr aufschlussreich fand Volker Maier das OB-Forum. Der Bio-Winzer aus Haueneberstein saß am Freitagabend mit der gesamten Familie vor dem Bildschirm: „Die Runde zwischen den fünf Anwärtern fand ich sehr interessant“, lautet Maiers erstes Fazit. Trotzdem: „Es hat Themen gegeben, die mir schlichtweg zu kurz gekommen sind.“

Die Kameras sind positioniert: Rund 1,5 Stunden stellen sich die OB-Kandidaten den Fragen von Sarah Reith und Michael Rudolphi. Foto: Andrea Fabry

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Die Kameras sind positioniert: Rund 1,5 Stunden stellen sich die OB-Kandidaten den Fragen von Sarah Reith und Michael Rudolphi. Foto: Andrea Fabry

So sei zwar über Ortsteile, jedoch nicht über das Rebland gesprochen worden; über die Leerstände in Baden-Baden, aber nicht über die Nahversorgung in den Außenstadtteilen. „Es gab keine Haltung zur Kulturlandschaft“ und „Tourismus wurde angesprochen, aber kein Kandidat hat etwas von Ökotourismus gesagt“. Der 46-Jährige wisse jedoch auch, dass die Zeit nur begrenzt war – und habe sich dennoch ein gutes Bild machen können: „Ich hatte im Vorfeld gewisse Tendenzen, die sich nun gefestigt haben. Mein Fokus lag ursprünglich auf drei Personen, doch ein Kandidat hat sich nun einen kleinen Vorsprung verschafft.“ Die letzte Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Auch Christoph Müller (55) hat seinen Beschluss, wen er wählt, noch nicht ganz getroffen. Für ihn sei die Veranstaltung aber eine gute Möglichkeit gewesen, seine „Vor-Wahl“ zu überprüfen. Denn: „Für mich wäre es durchaus okay, wenn es bei den bisherigen Aufgabenverteilungen bliebe“, sagt der Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde Baden-Baden-Oos im Hinblick auf seine bisher guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Stadt. Überrascht sei er davon gewesen, dass sich das „Schreckgespenst, dass man nicht miteinander arbeiten kann“, nicht gezeigt habe, spricht der Familienvater die oftmals als schlecht beschriebene Stimmung im Rathaus an. Dieses Thema habe zwar viel Platz eingenommen, sei aber wichtig gewesen. Zu den Bereichen Kulturelles, Vereine, Ehrenamt und Kirche sei ihm dagegen zu wenig gesagt worden.

„Das war eine gute, interessante Mischung“

Auf diese Schiene springt auch Arnold Manz aus Steinbach auf. „Viel über Jugendliche, Kinder oder Vereinsarbeit habe ich nicht gehört“, fasst der Handballtrainer und ehemalige Lehrer sein Fazit. „Das hätte unbedingt mit reingehört.“ Und trotzdem habe den 66-Jährigen die Qualität aller Kandidaten beeindruckt, selbst wenn für ihn am Ende drei zur Wahl übrig blieben: Späth bringe Frische von außen rein, mit Kaiser sei die Zusammenarbeit in Sachen Vereine immer angenehm und mit der jetzigen OB habe er auch gute Erfahrungen gemacht.

Die unterschiedlichen Blicke der Kandidaten auf das Geschehen und die Kommunalpolitik vor Ort stellt Julie Janson heraus: „Das war eine gute, interessante Mischung“, sagt die 45-jährige Hebamme, die mit ihren drei Kindern in der Cité lebt. Auf der einen Seite hätte sie sich zwar von ihrem Favoriten Roland Kaiser mehr Biss bei Grünen-Themen gewünscht. Auf der anderen Seite sei es aber eben positiv zu bewerten, dass der Grünen-Kandidat „unaufgeregt und ausgeglichen“ aufgetreten sei. Zu kurz sei ihr bei den Antworten das „normale Baden-Baden“ gekommen, zu sehr werde die Kurstadt doch teilweise als „Upper-Class“ wahrgenommen.

Werner Bartenbach (70) aus Sandweier zeigte sich angenehm überrascht von der „sachlichen und harmonischen“ Runde. Alle fünf hätten ihre Kompetenzen eingebracht, inhaltliche Unterschiede seien deutlich geworden. Den Wahlkampf habe der Schriftführer des FV Sandweier vom ersten Tag an verfolgt, im Forum habe keiner eine schlechte Figur abgegeben – auch wenn er seinen Favoritenkreis nun auf zwei Kandidaten beschränken könne. Etwas beschränkt fand er die Erwähnungen zum Klimaschutz. Das sei das einzige Thema gewesen, das ihm gefehlt habe.

Auch Barbara Helder-Ramin hat während des OB-Forums Gefallen an einzelnen Anwärtern gefunden: „Dietmar Späth fand ich ganz toll“, erzählt die 64-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings sei da auch noch Bettina Morlok, „die habe ich vorher ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm gehabt, jetzt bin ich sehr positiv überrascht“. Die Betriebswirtin habe sie vor allem mit ihren „innovativen Ideen und Beispielen aus anderen Städten“ begeistert. „Es muss ein neuer Wind in das Rathaus“, betont Helder-Ramin. Als Inhaberin des Wohlfühlladens am Augustaplatz habe ihr jedoch etwas beim Thema Einzelhandel gefehlt: „Es geht doch auch um die Frage: Was tun wir für junge Menschen? Wir haben kein Bekleidungsgeschäft für Babys.“ Und der einzige Kandidat, der die Kinder und Jugendlichen angesprochen habe, sei Späth gewesen.

Abschließende Worte: Verleger Klaus Michael Baur bedankt sich bei seinen Gästen. Foto: Andrea Fabry

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Abschließende Worte: Verleger Klaus Michael Baur bedankt sich bei seinen Gästen. Foto: Andrea Fabry

Für die Studentin Marisa Stolz ist die junge Generation ebenfalls zu kurz gekommen. Viel mehr gefehlt habe es ihrer Meinung nach allerdings an der Authentizität von Margret Mergen: „Ich fand es irgendwie befremdlich.“ Überzeugt habe sie vielmehr Dietmar Späth, „der ist so richtig dabei gewesen“, genauso Roland Kaiser. Von Rolf Pilarski ist die 19-Jährige ein bisschen enttäuscht: „Dafür, dass das Thema Finanzen sein Steckenpferd ist, fand ich seine Argumente nicht aussagekräftig genug.“

Einig waren sich alle Leserinnen und Leser, dass das Forum gelungen, abwechslungsreich und informativ gestaltet war, und es auf jeden Fall zur Meinungsfindung beigetragen habe.

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„Gerade bei knappem Budget braucht es einen Kümmerer für die Bürger, Vereine und Unternehmen“: Dietmar Späth (parteilos). Foto: Andrea Fabry

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„Wenn die Verwaltungsspitze nicht entscheidet, hängen die Mitarbeiter in der Luft“: Bettina Morlok (parteilos). Foto: Andrea Fabry

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„Ich stelle immer die Fragen: Tun wir die richtigen Dinge, und tun wir die Dinge richtig?“: Margret Mergen (CDU). Foto: Andrea Fabry

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„Vernetzte Mobilität ist mir wichtig, da stecken wir in Baden-Baden noch in den Kinderschuhen“: Roland Kaiser (Grüne). Foto: Andrea Fabry

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„Auch die kleinen Fraktionen sind wichtig“: Rolf Pilarski (FDP). Foto: Andrea Fabry

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Hier können Sie die Aufzeichnung des Forums ansehen (BNN-Homepage)

Ihr Autor

den BT-Redakteurinnen S. Gallenberger und N. Ernst

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Erstellt:
5. März 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 39sec

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„Gerade bei knappem Budget braucht es einen Kümmerer für die Bürger, Vereine und Unternehmen“: Dietmar Späth (parteilos). Foto: Andrea Fabry

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„Wenn die Verwaltungsspitze nicht entscheidet, hängen die Mitarbeiter in der Luft“: Bettina Morlok (parteilos). Foto: Andrea Fabry

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