Störche kämpfen um Nest in Bad Rotenfels

Gaggenau (ama) – Sie sind wieder da. In Bad Rotenfels paaren sich derzeit zwei Störche. Doch davor hatte es einen heftigen Kampf um das Nest gegeben.

Nachwuchs in Sicht: Schon bald könnte das Storchenpaar in Bad Rotenfels Junge bekommen. Der Vogelexperte Stefan Eisenbarth rechnet in etwa drei Wochen mit ersten Eiern im Nest. Foto: Annette Jung

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Nachwuchs in Sicht: Schon bald könnte das Storchenpaar in Bad Rotenfels Junge bekommen. Der Vogelexperte Stefan Eisenbarth rechnet in etwa drei Wochen mit ersten Eiern im Nest. Foto: Annette Jung

Ein lautes Klappern macht Susanne Merkel auf den heftigen Kampf aufmerksam. Drei Störche streiten um den Horst auf ihrem Privatgrundstück in Bad Rotenfels. Zwei der Vögel bewegen sich „wie Ringkämpfer“ im Nest. Und versuchen, sich gegenseitig hinauszustoßen. „Der Mast hat gewackelt wie bei einem Sturm“, sagt Merkel.

Plötzlich fällt ein Storch aus dem Nest und stürzt Richtung Boden. Der andere Vogel geht im Sturzflug hinterher und pickt seinen Konkurrenten mehrmals mit seinem Schnabel. Doch der lässt sich nicht beirren und setzt seine Eroberungsversuche fort. Kurz darauf kämpfen die Streithähne wieder im Nest.

„Es ging rund eine halbe Stunde richtig zur Sache“, sagt Merkel, nachdem sie den Kampf am 11. März geschildert hat. Dann seien die Kräfteverhältnisse – vermutlich zwischen den kämpfenden Männchen – geklärt gewesen. Der unberingte Storch, der seit dem 5. März im Nest ist, konnte sein Domizil verteidigen. Der beringte und ein unberingte Vogel hätten das Weite gesucht.

Eindringlinge könnten alte Bekannte sein

Bei den Eindringlingen könnte es sich um alte Bekannte handeln, vermutet Merkel. Und zwar um das Storchenpaar, das bereits 2021 im Nest brütete. Hat dem registrierten Storch A1F30 und dessen unberingtem Partner also ein Artgenosse das Nest weggeschnappt? Storchenbetreuerin Annette Jung hält das für wahrscheinlich. Die Bischweierin unterstützt Eisenbarth bei der Betreuung von rund 60 Horsten – und ist regelmäßig in Bad Rotenfels.

Seit dem Kampf sehe sie fast täglich ein unberingtes und ein beringtes Tier in der Nähe des Nestes in Bad Rotenfels. „Die beiden sitzen sehr harmonisch nebeneinander – auf engem Raum. Ich habe das Gefühl, es ist das gleiche Paar wie 2021.“ Laufend hielten sie Ausschau, ob das Nest doch noch frei wird, sagt Jung. „Die Störche geben nicht so schnell auf.“

Nach einem Happy End für die beiden sieht es aktuell aber nicht aus. Seit vergangener Woche hat der unberingte Storch Gesellschaft: Ein weiteres unberingtes Tier sitzt nun im Nest. Gemeinsam verteidigen sie den Horst und verscheuchen immer wieder die unliebsamen „Zaungäste“ auf den umliegenden Dächern, indem sie auf diese zufliegen. „Die Fronten scheinen geklärt zu sein“, betont Jung.

Stefan Eisenbarth schließt aber nicht aus, dass es in Zukunft erneut turbulent werden könnte: „Störche kämpfen manchmal bis in den Tod um ein Nest.“ Zu den Spekulationen um die Rückkehr des Bad Rotenfelser Storchenpaars sagt der Gernsbacher: „Die Lage ist schwer einzuschätzen, weil die meisten Tiere unberingt sind.“

Zudem hat es Jung nach eigener Aussage bisher nicht geschafft, den einzigen gekennzeichneten Vogel zu identifizieren. Laut Eisenbarth ist es demnach auch möglich, dass es sich um ganz andere Vögel als 2021 handelt. Oder, dass sich einer der Bad Rotenfelser Störche einen neuen Partner gesucht hat, weil der andere möglicherweise nicht aus dem Süden zurückgekehrt ist.

„Die Vögel sind nesttreu, nicht partnertreu“, betont Eisenbarth. Auch wenn die Lage in Bad Rotenfels undurchsichtig ist: Er und Jung freuen sich, dass Gaggenau derzeit bei Störchen sehr gefragt sei. Nach Jungs Angaben wurden in Ottenau zuletzt drei und am Amalienberg sechs Störche – möglicherweise auf der Durchreise – gesehen. Auch der mit einem GPS-Tracker ausgestattete Storch Mario aus Baden-Baden sei kurze Zeit in Gaggenau gewesen. Mittlerweile befinde er sich aber im Elsass.

Storchenpaar turtelt im „Liebesnest“

Derweil turtelt das Storchenpaar im Bad Rotenfelser „Liebesnest“. „Sie sind schon dabei, sich zu paaren und das Nest herzurichten“, sagt Susanne Merkel. „Erneuter Nachwuchs wäre toll!“ 2021 waren auf ihrem Grundstück die ersten Storchenküken im Murgtal seit 60 Jahren geschlüpft. Bis sich auf Merkels Grundstück die ersten hungrigen Hälse nach oben recken, könnte laut Eisenbarth noch mehr als ein Monat vergehen. In zwei bis drei Wochen rechnet er mit den ersten Eiern. „32 Tage später könnten dann die ersten Küken schlüpfen. Ich bin gespannt.“

Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Adrian Mahler

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Erstellt:
24. März 2022, 22:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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