Stollen 1944 als Schutzbunker angelegt

Baden-Baden (cn) – Ein Eingang zu einer zehn Meter tiefen Höhle am Ortsende von Neuweier zieht die Blicke auf sich. 1944 soll der Stollen als Schutzbunker gesprengt worden sein.

Seit einigen Monaten zieht eine Höhlenöffnung am Ortsende von Neuweier die Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer, aber auch von Wanderern auf sich. Foto: Christina Nickweiler

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Seit einigen Monaten zieht eine Höhlenöffnung am Ortsende von Neuweier die Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer, aber auch von Wanderern auf sich. Foto: Christina Nickweiler

Seit einigen Monaten zieht eine Höhlenöffnung am Ortsende von Neuweier die Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer, aber auch von Wanderern auf sich. Bisher war der Felsenhang mit Bäumen zugewachsen. Seit aber das Forstamt dort aus Gründen der Sicherheit etliche Bäume gefällt hat und der Blick auf das felsige Gelände frei gelegt worden ist, mag sich so manch einer fragen, was es mit der geheimnisvollen Höhle auf sich hat?

Das Neuweierer Urgestein, Museumsleiter Konrad Velten, gilt bei solchen Fragen als äußerst bewandert und weiß über die Vergangenheit von Örtlichkeiten in und rund um Neuweier bestens Bescheid.

Demnach wurde der Stollen 1944 als Schutzbunker ausgesprengt, um bei Bombenangriffen durch Tiefflieger für die dort in der Nähe untergebrachten Soldaten einen Schutz zu bieten. Denn in rund zehn Metern Entfernung standen zwei barackenähnliche Gebäude, die ursprünglich 1940 erbaut wurden und als Unterkünfte für Offiziere und deren Angehörigen dienen sollten. „Die Offiziere selbst waren im größeren, etwa hundert Meter entfernten Befehlsbunker, dem Divisionsgefechtsstand, eingesetzt“, weiß Konrad Velten im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt zu berichten.

Akten der Bunkeranlage

Angeblich sollen die Offiziersbaracken durch Mittel errichtet worden sein, die eigentlich für den größeren Bunker gedacht gewesen seien, habe er vor mehr als 20 Jahren von einem damaligen Bundeswehrangehörigen erfahren, der über die Akten der Bunkeranlage samt Offiziersheime verfügt habe.

Hintergrund zum Bau der Unterkünfte sei die Annahme gewesen, dass der 1940 begonnene „Westfeldzug“ gegen Frankreich länger dauern würde und man sich langfristig am Ortsende von Neuweier niederlassen müsste. „Weil aber Frankreich binnen weniger Wochen besetzt worden war, haben dort nie Offiziersfamilien gewohnt“, erzählt Konrad Velten weiter.

Konrad Velten (hier bei einem Vortrag im Januar 2020) ist in der Geschichte Neuweiers sehr bewandert. Foto: Christina Nickweiler

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Konrad Velten (hier bei einem Vortrag im Januar 2020) ist in der Geschichte Neuweiers sehr bewandert. Foto: Christina Nickweiler

Heute wohnt in einem übrig gebliebenen und inzwischen modernisierten Gebäude unweit des Höhleneingangs Manfred Volz. Er hat vor 25 Jahren das Haus von seinem Onkel Erwin Volz übernommen, dieser hatte es nach Gründung der Bundesrepublik einst vom Bund für Wohnzwecke erworben. Bei einem Gespräch vor Ort berichtet Manfred Volz, dass im Liegenschaftskataster das Gebäude immer noch als Offiziersheim geführt werde. Auch im Volksmund heißt das Gebäude immer noch so. Doch zurück zu der mysteriösen Höhlenöffnung. Diese verläuft laut Konrad Velten nur zirka zehn Meter in den Berg. Der Neuweierer Lokalhistoriker war schon einige Male in dem „Kurzstollen“, zuletzt vor etwa vier Jahren, als ein Mitarbeiter des Bergbauamtes Freiburg (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau) im Stollen ein Messgerät für Erdbebenaktivitäten aufgestellt hat.

Der erste Versuch in der zehn Meter tiefen Höhle ging laut Velten schief, da vorbeifahrende Busse und Autos das Messgerät zu sehr irritiert hatten. Beim zweiten Versuch einige Wochen später, kletterte Velten mit dem Mitarbeiter mehr als 125 Stufen im Felsen hoch. „Alles war dunkel, nur Taschenlampen hatten wir dabei, eine mords Strapaze“, erinnert er sich. Erst nach etwa 30 Metern folgte ein weiterer ausgesprengter Raum, und dort rund zehn Meter unter dem Heiligensteinwald steht das Messgerät und liefert von Neuweier aus wichtige Daten zur Erhebung von Erdbebenaktivitäten nach Freiburg.

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22. April 2021, 14:00 Uhr
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