Stolpersteine für sieben Opfer

Gernsbach (vgk) – Die weltweite Aktion mit „Stolpersteinen“, die an Nazi-Opfer erinnert, ist nun auch in Gernsbach angekommen. Am Dienstag verlegte Initiator Gunter Demnig den ersten Erinnerungsstein.

Initiator Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein in Gernsbach. Zum Auftakt der Aktion wird an sieben jüdische Opfer erinnert. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Initiator Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein in Gernsbach. Zum Auftakt der Aktion wird an sieben jüdische Opfer erinnert. Foto: Veronika Gareus-Kugel

„Sie waren Gernsbacher“, sagte Bürgermeister Julian Christ am Dienstag im Rahmen einer Gedenkfeier anlässlich der Verlegung des ersten von insgesamt sieben Stolpersteinen. Das 1992 ins Leben gerufene europaweite Stolpersteinprojekt des Künstlers Gunter Demnig ist in der Zwischenzeit zum größten dezentralen Mahnmal der Welt herangewachsen.

Die glänzenden Messingtafeln, befestigt auf einem 96x96 Millimeter messenden Betonwürfel, sollen an diejenigen jüdischen Bürger erinnern, die während der Naziherrschaft ins französische Konzentrationslager Gurs und später ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Sie werden vor dem letzten Wohnort der Deportierten in den Bürgersteig eingelassen. Dabei gilt der Grundsatz, wie Christ ausführte: „ein Mensch, ein Schicksal, ein Stein“. Mit dem Projekt soll ausnahmslos an alle Opfer der Nazis, auch Sinti und Roma, geistig und körperlich behinderte Personen, Obdachlose oder religiös Verfolgte, gedacht werden.

Beteiligt an der Aktion sind aktuell etwa 2.000 Kommunen mit inzwischen mehr als 75.000 verlegten Steinen. In der Region beteiligen sich die Städte Baden-Baden, Gaggenau, Kuppenheim, Rastatt und seit gestern auch die Stadt Gernsbach am Stolpersteinprojekt. Christ betonte, dass die Verlegung der zunächst sieben Stolpersteine auf einen „einstimmigen Beschluss des Gemeinderats“ im Dezember 2019 zurückgehe.

Bei der Erstverlegung der Steine wird an sieben Personen jüdischen Glaubens erinnert. Die Messingtafeln tragen die Aufschrift „Hier wohnte Hermann Nachmann (Bleichstraße 2, Salmengasse), Hilda Dreyfuss, Artur und Erna Kahn, die Kinder Lieselotte und Margit Kahn (Bleichstraße 4) sowie Berta Marx (Bleichstraße 14)“. Ebenso sind auf den Steinen das Jahr der Geburt sowie die Deportation, Rettung oder Ermordung vermerkt.

Das Schicksal von Lieselotte und Margit Kahn zeichneten die ASG-Schüler Maria-Katharina Seckler, Ben Fugger und Benedikt Ehret gemeinsam mit Michael Wagner, Lehrer für Geschichte und Politik, nach. Das Gymnasium wird auch die Patenschaft für die Steine übernehmen und diese pflegen.

Die Neuntklässler folgten den Spuren der fünf- und neunjährigen Mädchen Lieselotte und Margit. Sie überlebten Gurs und wurden 1946 nach New York zu einem Onkel gebracht. Sie stellten sich die Fragen: Wie mögen sich die Kinder, getrennt von ihren Eltern, in dem unwirtlichen Lager in den Pyrenäen gefühlt haben? Haben sie noch an Gott geglaubt? Hatten sie noch Hoffnung auf Rettung? Was würden sie mir heute sagen wollen?

Zum Schluss betonte Christ, dass man in Gernsbach weiter an der Erinnerungskultur arbeiten werde. Der Schultes kündigte für den Herbst erste Vorschläge zur weiteren Existenz des Kriegerdenkmals am Rumpelstein an, mit dem sich aktuell ein Arbeitskreis um Stadtarchivar Wolfgang Froese beschäftigt. Gleichfalls dankte Christ dem Arbeitskreis für Stadtgeschichte für dessen Arbeit sowie den Gemeinderatsfraktionen CDU, Bündnis 90/ Die Grünen und der Freien Bürger, die jeweils die Kosten für einen Stein übernommen haben. Die SPD will sich in die Erinnerung mit einbringen, sagte der Bürgermeister.


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