Straußenwirtschaft Maier startet in die Saison

Baden-Baden (BNN) – Beim Weingut Maier in Haueneberstein startet die älteste Straußenwirtschaft Baden-Badens in die Saison. Die Freude über die Rückkehr in den normalen Alltag ist groß.

•Treue Stammgäste: Junior-Chefin Josefa Maier schenkt Ralf Ludwig und Viola Schnee einen Gewürztraminer aus dem eigenen Weingut ein. Foto: Holger Siebnich

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•Treue Stammgäste: Junior-Chefin Josefa Maier schenkt Ralf Ludwig und Viola Schnee einen Gewürztraminer aus dem eigenen Weingut ein. Foto: Holger Siebnich

Ralf Ludwig ist Stammgast. Das erkennt jeder, der hört, wie er seine Bestellung aufgibt. Zwei Worte genügen: „Wie immer.“ Die Straußenwirtschaft des Weinguts Maier in Haueneberstein hat an diesem Samstag erst zum vierten Mal in der Saison auf, Ludwig ist schon zum zweiten Mal da. Ihm gegenüber sitzt seine Frau Viola Schnee. Sie sagt: „Es gibt Zeiten, da sind wir fast jeden Tag hier.“

Josefa Maier weiß, was sich hinter „Wie immer“ verbirgt und bringt den beiden eine Flasche Gewürztraminer und Wasser an den Tisch. Die 20-Jährige ist quasi in den Räumlichkeiten groß geworden. Ihre Eltern haben die Wirtschaft 1995 als Teil des Weinguts aus der Taufe gehoben. Sie ist damit die älteste Strauße in Baden-Baden.

Da ihre Eltern auf einer Messe im Ausland sind, führt die Junior-Chefin am Eröffnungswochenende Regie. 16 Wochen im Jahr darf der Saisonbetrieb geöffnet haben. Die Maiers verteilen das aufs Früh- und Spätjahr.

Der normale Straußen-Alltag kehrt zurück

Die Wiedereröffnung am 20. April war sowohl für Betreiber als auch Gäste etwas Besonderes. Während der Lockdown-Phasen war die Wirtschaft wie andere Gastronomiebetriebe komplett geschlossen. Im vergangenen Herbst galten 3G-, Masken- und Abstandspflicht. Jetzt kehrt erstmals seit Beginn der Pandemie der normale Straußen-Alltag zurück. Der besteht vor allem aus Geselligkeit. „Normalerweise setzt man sich einfach zu anderen an den Tisch“, sagt Josefa Maier. Das entspricht dem Ursprungscharakter der Straußenwirtschaften. Einst bewirteten die Winzer ihre Gäste im eigenen Wohnzimmer. Ein Blumenstrauß vor der Tür signalisierte den Gästen, dass geöffnet ist. Das spiegelt sich bis heute im Namen wider.

•Der Besen als Symbol: Früher bewirteten die Winzer die Gäste im heimischen Wohnzimmer und hängten einen Blumenstrauß oder einen Besen als Zeichen vor die Tür, dass geöffnet ist. Foto: Holger Siebnich

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•Der Besen als Symbol: Früher bewirteten die Winzer die Gäste im heimischen Wohnzimmer und hängten einen Blumenstrauß oder einen Besen als Zeichen vor die Tür, dass geöffnet ist. Foto: Holger Siebnich

Ebenso geläufig ist die Bezeichnung Besenwirtschaft. Auch am Straßenrand vor dem Weingut in Haueneberstein weist ein Besen den Gästen den Weg. Ihm gefolgt sind an diesem Samstag Susanne Köble und ihr Mann. Das Paar ist über eine Anzeige auf den Betrieb aufmerksam geworden. In ihrer Heimatstadt Malsch gibt es nichts Vergleichbares. „Ich finde das gut, und man kann die Weine probieren“, sagt die Frau. Eng mit Fremden zusammenzusitzen, störe sie nicht, im Gegenteil. Sie stamme aus Mannheim, da gehe es gesellig zu.

Genau das schätzen auch Markus Schöneck und Doris Hörmann. Die Beiden kommen aus Heilbronn und sind Übernachtungsgäste im Weingut. Das Straußen-Konzept kennen sie aus ihrer Heimat. „Man darf keine Berührungsängste haben“, sagt Doris Hörmann. Das Paar genießt die lockere und offene Atmosphäre: „Wir mögen die familiäre Art.“

Betriebe unterstützen sich gegenseitig

Josefa Maier findet es wichtig, diese alte Tradition fortzuführen. Sie studiert Weinbau in Geisenheim und kann sich gut vorstellen, später den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Sie weiß, wie viel Arbeit auf sie zukommt. Es sei heutzutage wichtig, einen Betrieb auf mehrere Standbeine zu stellen.

Die Straußenwirtschaft sei eine gute Möglichkeit für lokale Betriebe, sich gegenseitig zu unterstützen. Die Weine und Säfte auf der Karte stammen alle aus dem eigenen Unternehmen. Neun Hektar Reben bewirtschaftet die Familie. Das Fleisch für Wurstsalat oder den Vesperteller liefern Metzger aus der direkten Umgebung.

Josefa Maier ist davon überzeugt, dass dieses Konzept auch in Zukunft trägt. Nachhaltigkeit und Regionalität entsprächen dem Zeitgeist. Und Tradition schließe nicht aus, auch mit der Zeit zu gehen und moderne Akzente zu setzen.

Ihre Familie ist im vergangenen Jahr neue Schritte unter anderem mit der Installation eines Verkaufsautomaten gegangen. Der war auch eine Antwort auf Corona. Die Maiers boten außerdem „Strauße to go“ an, zum Beispiel Wurstsalat im Gläschen. „Aber das war halt nicht dasselbe“, sagt Josefa mit Blick auf den Gastraum. Das kann Stammgast Ralf Ludwig nur unterstreichen. „Irgendjemanden trifft man immer“, sagt er. Und dann geht der Abend auch schon einmal in eine zweite Runde: „Wie immer!“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
25. April 2022, 06:39 Uhr
Lesedauer:
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