Street-Art-Künstler BUJA will herausfordern und irritieren

Dudenhofen (manu) – Glaube ist seine Reibungsfläche. Street-Art-Künstler René Burjack alias BUJA sammelt bekannte Bilder und Figuren auch aus Kultur und Politik und setzt sie in neue Zusammenhänge.

René Burjack alias BUJA in seiner Atelierwerkstatt in Dudenhofen: Die klassische Madonnenporträtierung verbindet er mit modernen Statussymbolen. Foto: Manuela Behrendt

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René Burjack alias BUJA in seiner Atelierwerkstatt in Dudenhofen: Die klassische Madonnenporträtierung verbindet er mit modernen Statussymbolen. Foto: Manuela Behrendt

Satirisch respektlos, unverschämt, pietätlos oder humorvoll zeitkritisch, kreativ, geistvoll? Assoziationen wie diese stellen sich ein angesichts des Kunstschaffens von René Burjack. In der Street-Art-Szene in Rheinland-Pfalz hat er sich unter dem Pseudonym BUJA einen Namen gemacht, wird von Museen und Galerien umworben.

BUJAs Wiedererkennungswert ist hoch, seine künstlerische Handschrift unverwechselbar. Sein Ziel: „Menschen herausfordern, irritieren“. Handwerklich geht BUJA ins kleinste Detail, führt makellos seine sorgfältig durchdachten Konzepte aus, kombiniert traditionelle Maltechniken mit den Street Art eigenen Cut-Outs und Stencils. Die zentralen Anziehungspunkte entstehen aus ausgeschnittenen Motiven und Schablonen, mittels derer er die Darstellungen auf großformatige Leinwände sprüht.

BUJAs ungewöhnliche Darstellungen transportieren eine unwiderstehliche Attraktivität, setzen Denkprozesse in Gang, die nicht überfordern, aber durchaus überwältigen. „Ich sammle bekannte Bilder und Figuren aus Kultur, Kunst, Religion, Politik, Comics und den Medien, verknüpfe sie zu neuen Zusammenhängen“. An Graffiti erinnernde Hintergründe bilden die Basis, auf der er den Hauptfokus mit den Elementen ausrichtet, die er für seine Botschaften und Aussagen integriert. Dafür bringt er das Gesamtgefüge in eine bizarre Ordnung, richtet im Geist des Betrachters zunächst ein kleines Chaos an, welches in Nachdenklichkeit, Hingerissenheit, Staunen, aber auch schieres Vergnügen mündet.

Dass seine Arbeiten gefallen, erklärt er so: „Man erfasst in den Bildern meine Authentizität, sieht in meinem Schaffen eine konsequente, gesunde, natürliche und nachvollziehbare Entwicklung“.

Seit zehn Jahren verwirklicht sich BUJA hauptberuflich in der Street-Art-Community. „Ideen und deren Umsetzung kommen aus meinem Inneren heraus, spiegeln Themen, die mich wirklich interessieren und mich gedanklich beschäftigen“

Toilettenpapier als Symbol für die Pandemie

Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass sich in BUJAs Atelier „Studio: D“ in Dudenhofen ein Bild findet, das drei vergoldete Klopapierrollen in den Blickpunkt stellt. „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, steht als Satzfragment auf der Arbeit. „Toilettenpapier ist für mich das Symbol für die Corona-Pandemie und die ungewöhnlichen Dinge, die momentan passieren“, erklärt er. Ins Auge sticht „Mehrchenwelt“. Disneys glückliches Schneewittchen in einem vermeintlichen Heile-Welt-Kitsch-Idyll mit niedlichem Häschen ist im Gesamten ein knallhartes Statement gegen den Niedrigpreiskampf in der Fleischindustrie und pro artgerechte Tierhaltung. BUJA setzt sich plakativ und provokativ mit vielfältigen Themen auseinander, kritisiert die zum Nachteil des Einzelhandels global wachsende Monopolstellung des Versandhandelsriesen Amazon, plädiert für die Abschaffung von Rassismus und stellt Frida Kahlo als Fan seiner Kunst heraus, indem er ihr die Worte „Loving BUJA“ aufs T-Shirt schreibt.

BUJA triggert mit dem Dargestellten bei den Betrachtenden eine breite Emotionsfreisetzung, an deren Ende oft genug ein lockeres Lachen stehen darf. Der 42-Jährige stammt aus Heidelberg. Seit seiner Kindheit zeichnet er. „Grafisches Kritzeln“ praktizierte er auf Tischplatten in der Schule. Seine „Schmierereien“ führten zu Ermahnungen und Entrüstung. Später schraubte man die von BUJA „bearbeiteten“ Tischplatten ab und stellte sie als Kunstwerke zur Schau. Dass er Kunst studieren würde, „lag auf der Hand“. Lehrer war das angestrebte Berufsziel, doch fand er im Unterrichten keine volle Erfüllung. Heute arbeitet er als Hochschuldozent für Malerei. In Heidelberg gehört BUJA zur Künstlerkooperation der Breidenbach Studios, in Speyer ist er mit dem Künstlerbund vernetzt.

Sinnbild für Liebe, Fürsorge und Hingabe

Als „Schlüsselwerk“ seiner Street Art bezeichnet der Künstler das 2012 entstandene Bild „MyRia with Bender“. Es zeigt eine Madonna, die eine Figur aus der Animationsserie „Futurama“ im Arm hält. Immer wieder finden sich bei BUJA Darstellungen der Gottesmutter. „Maria ist für mich das Sinnbild für absolute Liebe, Fürsorge und Hingabe“, sagt er. Die klassische Madonnenporträtierung verbindet er mit modernen Statussymbolen, lässt Maria ein Amazon-Paket herzen oder das Kleinkind Jesus auf ihrem Schoss ein Selfie knipsen.

Aber auch das ist BUJA: Für das Musical „Moses“ der Jugendkirche Via in Durmersheim entwarf er das Werbeposter. In Sachen Religiosität bekennt der Künstler: „Ich glaube an das Gute“. Der Glaube per se biete eine „große Reibungsfläche“ mit Blick auf die Institution Kirche, die zunehmend in eine untergeordnete Rolle gedrängt werde.

Freiheit für die „Mona Lisa“ verspricht das Projekt „one hundred Monas“. Foto: Manuela Behrendt

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Freiheit für die „Mona Lisa“ verspricht das Projekt „one hundred Monas“. Foto: Manuela Behrendt

Derartige Werteverschiebungen „verändern die Gesellschaft auch in Bezug auf den Glauben“. Deshalb traut der Maler sich, die vorherrschende Technisierung mit religiösen Elementen zu verbinden. Die Betrachtenden nehmen es locker und leicht. „Spielte sich das irdische Leben Jesu heute ab, würde er sicherlich die medialen Mittel für seine Sache nutzen“, meint BUJA.

Ein weiteres Projekt ist die seit 2014 laufende Initiative „one hundred Monas“. In BUJAs Atelier hängt eine adaptierte Version der berühmten Dame mit dem mysteriösen Lächeln in Originalgröße, verkündet auf einem Schild: „Seit 221 Jahren Gefangene des Louvre“.

In dem Pariser Museum ist für Besucher die Zeit mit der „Mona Lisa“ begrenzt. Nur wenige Minuten Verweilzeit vor da Vincis Original sind erlaubt, denn das Gemälde erfährt enormen Zulauf. BUJA verhalf der Mona Lisa zur Freiheit, malte 100 Monas, die er im öffentlichen Raum aushängte „zum Anschauen und Mitnehmen“.

Street-Art gibt es derzeit auch in Baden-Baden zu sehen.

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Erstellt:
22. November 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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