Strefferverkauf unter Corona-Bedingungen

Au am Rhein (HH) – Warteschlange vor der Rheinauhalle: Am Wochenende wurden dort die beliebten Auer Streffer verkauft. Die Hausschuhe gibt es sonst nur auf dem Weihnachtsmarkt.

•Schmeichelt Füßen und Augen: Beim Streffer-Sonderverkauf gibt es die ganze Palette der Farben, Mustern und Größen zu bewundern. Über mangelnden Absatz gibt es keine Klagen. Foto: Helmut Heck

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•Schmeichelt Füßen und Augen: Beim Streffer-Sonderverkauf gibt es die ganze Palette der Farben, Mustern und Größen zu bewundern. Über mangelnden Absatz gibt es keine Klagen. Foto: Helmut Heck

Strefferverkauf in Au am Rhein: Ungefähr 40 Personen standen am Sonntagnachmittag vor einem Seiteneingang der Rheinauhalle seelenruhig Schlange, geduldig auf Einlass wartend. Peu à peu ging es vorwärts, mehr als eine Handvoll Besucher sollte sich nicht im kleinen Saal des Nebentrakts aufhalten. Ein Türsteher mit unerschütterlicher Ruhe wachte darüber. Sobald jemand den Raum auf der anderen Seite verließ, durfte die Nächste rein.
„Es ist super gelaufen“, die Menschen hätten sich „sehr diszipliniert“ verhalten, freute sich Dorothea Stögbauer über den in jeder Hinsicht erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung. Weil dieses Jahr kein Weihnachtsmarkt stattfinden konnte, wurden die als „Streffer“ bekannten handgefertigten Auer Hausschuhe mit einer Verkaufsaktion unter Corona-Bedingungen unters Volk gebracht. Vom fehlenden Trubel vor Holzbuden abgesehen, bescherte das den Besuchern noch ein anderes ungewohntes Bild. Beim Weihnachtsmarkt mussten die Streffer bisher immer in einer der Hütten in Regale gezwängt werden. Was dort keinen Platz hatte, wurde in Kisten verwahrt. Dagegen konnte die bunte Modellpalette dieses Mal auf Tischen ausgebreitet werden.

Neue Präsentationsform kommt gut an

Die aus der Not geborene Präsentationsform fand nicht nur bei den Kunden großen Gefallen, auch die Schuhmacherinnen waren angetan. Wenn im nächsten Jahr die Weihnachtsmarkt-Tradition hoffentlich wieder fortgesetzt werden könne, sollte man versuchen, die Auslage ähnlich zu gestalten, münzte Leiterin Stögbauer die Erkenntnis in einen Wunsch um. Die Vielfalt der Muster und Farben sei viel stärker zur Geltung kommen, als man es bisher gekannt habe. Wenn man 170 Paar vor sich ausgebreitet sehe, ergebe dies einen völlig anderen Eindruck als der Blick in ein enges Verkaufshäuschen.

Mit dem Erfolg der Veranstaltung sei man „sehr zufrieden“, der Nachmittag sei „super gelaufen“, freute sich die oberste Streffer-Frau, deren Club 23 Damen zählt, sieben davon waren am Sonntag im Einsatz. In der ersten von vier Stunden hielt sich die Warteschlange durchgehend bei etwa 40 Personen. Den Posten am Eingang hatte Winfried Westermann übernommen, der als Vorsitzender des Fördervereins Auer Dorfleben auch Mitorganisator war. Westermann habe von Anfang bis zum Schluss „ohne Murren durchgehalten“, zollte Stögbauer seinem Stehvermögen Respekt. Die Verkaufsmenge habe ungefähr den gleichen Umfang wie bei den Weihnachtsmärkten erreicht, berichtete Stögbauer mit großer Zufriedenheit. Zu verdanken habe man das wohl dem gezielten Interesse, das zum Besuch veranlasste.

Die gängigsten Größen von 37 bis 43 seien am Ende so gut wie ausverkauft gewesen. Man habe „reichlich Bestellungen“ angenommen. Im Januar gehe man wieder an die Arbeit. Insgesamt habe man dieses Jahr sogar mehr Streffer produziert als in anderen Jahren, rund 500 Paar, viele auf konkrete Nachfrage. Grund für die Steigerung sei die Umstellung auf Heimarbeit gewesen. Normalerweise wäre man einmal in der Woche zum Arbeiten zusammengekommen, so aber habe jede nach Lust und Laune zu Hause gewerkelt. Im Zeichen von Corona blieb offenbar viel Zeit.

Erlös für Förderverein Dorfleben

Der Verkaufserlös geht an den Förderverein Dorfleben, der ihn wiederum ortsgebunden für soziale Verwendungen verteilen wird. Außer Absatz hat es am Sonntag auch Material-Nachschub gegeben. „Wir sind reichlich eingedeckt worden“, nahm Stögbauer ausrangierte Mäntel dankbar entgegen, sie liefern den Rohstoff für das wollene Schuhwerk. Neben dem Streffer-Club bot der Förderverein Loseno kleine Weihnachtsgeschenke an, deren Ertrag karitativen Zwecken im Kongo zugutekommt.

Nebenan am Hallenfoyer war zudem eine Abholstelle für die Weinpakete eingerichtet, die am kommenden Wochenende Teil der Kochaktion sein werden, die von der Initiative „Au feiert daheim“ unter Schirmherrschaft der Gemeinde am kommenden Samstag stattfindet.

Wie Bürgermeisterin Veronika Laukart berichtete, kamen bei der Warenausgabe am Sonntag zu 70 Voranmeldungen einige Spontankäufer dazu. Die feinen Tropfen sollen ein dreigängiges Menü begleiten, bei dessen Zubereitung die Teilnehmer am Samstag ab 17.30 Uhr per Internet angeleitet werden.

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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