Streit um Kloster Neusatzeck geht vor Gericht

Bühl (hol) – Der Streit ums Mutterhaus des Klosters Neusatzeck in Bühl geht vor Gericht. Unterdessen hat der Projektentwickler einen neuen Betreiber fürs von ihm geplante Seniorenzentrum an der Hand.

Für das Seniorenzentrum, das anstelle des alten Mutterhauses geplant ist, gibt es einen neuen Betreiber. Foto: Willi Walter

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Für das Seniorenzentrum, das anstelle des alten Mutterhauses geplant ist, gibt es einen neuen Betreiber. Foto: Willi Walter

Im Gebäudekomplex von Kloster Neusatzeck ist endgültig Stille eingekehrt: Die Schwestern sind alle nach Freiburg gezogen. Keine Ruhe gibt es aber um die Frage, wie es mit dem Josef-Bäder-Haus und dem gegenüber gelegenen alten Mutterhaus weitergeht. Im Oktober steht ein Gerichtstermin an, der vielleicht ein wenig Klarheit bringt.

Derweil heißt es vom Baden-Badener Projektentwickler Aurelia Concept, man habe einen neuen Betreiber für das Pflegeheim an der Hand, das im ehemaligen Mutterhaus entstehen soll.

Noch im September, betont Bernd Matthias, Sprecher von Aurelia Concept, soll bekannt gegeben werden, wer das Pflegeheim betreiben soll. „Der künftige Betreiber hat bereits eine Absichtserklärung unterschrieben“, sagt Matthias. Über Mietbedingungen und Laufzeit seien sich Aurelia Concept und der künftige Betreiber einig. Beim neuen Partner handele es sich um ein „bonitätssicheres“ Unternehmen, betont der Projektentwickler. Bernd Matthias ist ein gebranntes Kind: Er hatte schon einmal einen Betreiber für das Pflegeheim an der Hand, der dann im Januar in Insolvenz ging.

Pflegeheim soll kleiner werden

Die Planung für den Neubau an der Schwarzwaldstraße in Neusatz werde man nun an die Vorstellungen des neuen Betreibers anpassen. 90 Pflegebetten in Einzelzimmern seien vorgesehen, so Matthias weiter. „Das Objekt wird dadurch deutlich kleiner als ursprünglich geplant.“ Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr werde nach Ende seines Urlaubs im September verkünden, um wen es sich handele und wie es bei dem Thema weitergehe.

Der ungeklärte Rechtsstreit zwischen ihm und den Schwestern, denen der ehemalige Klosterkomplex noch gehört, spielt für Bernd Matthias keine Rolle. Wie berichtet, waren die Schwestern im März, nach der Insolvenz des ersten möglichen Betreibers, vom ursprünglichen Verkaufsvertrag zurückgetreten, der die Übergabe der Immobilien an Aurelia Concept regelte. Der Grund: Sie hatten bis dahin noch keinen Cent des mit Bernd Matthias vereinbarten Kaufpreises in Höhe von einer Million Euro gesehen. Stattdessen beauftragten die Nonnen die auf die Vermarktung kirchlicher Immobilien spezialisierte Vermögensverwaltungsfirma Prosecur aus Köln, nach ihrem Auszug einen neuen Nutzer für das gesamte Klosterensemble mit Mutterhaus und dem denkmalgeschützten Josef-Bäder-Haus zu finden.

Bernd Matthias freilich hält den Rücktritt der Schwestern vom Kaufvertrag für nicht rechtens. Er erhebt weiterhin Ansprüche auf die Immobilie. Dass er nun einen neuen Betreiber gefunden habe, bedeute, dass „der Rechtsstreit mit den Schwestern sich damit erledigt haben müsste“, sagt er. Das Geld für die Schwestern liege bereit und werde bezahlt, sobald Baurecht bestehe.

Beide Seiten hoffen auf den Gütetermin

Das sieht die Firma Prosecur naturgemäß anders. Es gebe mehrere Interessenten, die den gesamten Komplex – das Josef-Bäder-Haus und das ehemalige Mutterhaus – kaufen wollten, lässt Geschäftsführer Ralf Olbrück wissen. Der Einfachheit halber wolle man jetzt aber abwarten – bis 5. Oktober. An diesem Termin beschäftigt sich erstmals ein Richter mit dem Rechtsstreit zwischen den Schwestern und Aurelia Concept. Bei einem Gütetermin vor der Zivilkammer des Baden-Badener Landgerichts soll eine von beiden Seiten akzeptierte Lösung für den Konflikt gefunden werden. Danach könnte der Weg frei sein für einen gemeinsamen Verkauf beider Immobilien, meint Olbrück und betont, er glaube nicht, dass Aurelia Concept vor Gericht eine Chance habe: „Der Rücktritt der Schwestern vom Vertrag war einwandfrei.“

Bernd Matthias ist und bleibt vom Gegenteil überzeugt. Auch er hofft auf den 5. Oktober – und darauf, danach wieder vollen Zugriff auf das alte Mutterhaus zu haben.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
24. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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