Strenges Limit bei gelber Tonne

Rastatt/Ötigheim (as) – Die Zunahme beim Verpackungsmüll bringt manche Haushalte im Landkreis Rastatt in die Bredouille: Die gelbe Tonne quillt über, aber eine größere gibt es nicht.

Aus Sicht des Landkreises ist das aktuelle System bei der gelben Tonne ausreichend. Im Notfall muss man sich mit einem Kunststoffsack behelfen. Foto: Archiv

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Aus Sicht des Landkreises ist das aktuelle System bei der gelben Tonne ausreichend. Im Notfall muss man sich mit einem Kunststoffsack behelfen. Foto: Archiv

Ein Problem, mit dem sich wohl schon mancher im Landkreis Rastatt rumgeschlagen hat, kam jetzt in der Ötigheimer Ratssitzung durch eine Bürgeranfrage aufs Tapet: Es ist quasi unmöglich, eine größere gelbe Tonne zu bekommen.

Frage nach größerer Mülltonne abgelehnt

Hintergrund der Anfrage: Beim Mieter des Fragestellers in einem Drei-Personen-Haushalt falle stets überdurchschnittlich viel Verpackungsmüll an, für den die 120-Liter-Tonne nicht ausreiche. Seine Anfrage beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises nach einer größeren gelben Tonne sei aber strikt abgelehnt worden – mit Verweis darauf, dass man pro Leerung zusätzlich einen befüllten Kunststoffsack dazustellen kann, erläuterte er in der Bürgerfragestunde.

Da das Problem des hohen Verpackungsmülls bei seinem Mieter aber regelmäßig auftrete, sei ihm damit nicht geholfen, zeigte sich der Mann einigermaßen ratlos. Zumal der Mieter mit dem übrigen Müll meist die Restmülltonne verstopfe, die ja nur dem Namen nach für „Restmüll“ gedacht ist – aber eben nicht für restlichen Müll, der nicht mehr in die anderen Tonnen passt. Einen Rat wusste Bürgermeister Frank Kiefer auf die Schnelle auch nicht, versprach aber Hilfe.

Licht in die Müllfrage brachte auf BT-Anfrage Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landkreises. Demnach entsteht bei der gelben Tonne keine vom Landkreis berechnete Abfallgebühr. Die Kosten für die Erfassung und Verwertung der Verpackungsmaterialien werden vielmehr zu 100 Prozent von den jeweils zugelassenen dualen Systemen den Herstellern berechnet und somit auf den Kaufpreis der verpackten Ware umgelegt. Wobei in die gelbe Tonne nur Folgendes gehört: Verpackungen aus Kunststoff und Metall sowie Verbundverpackungen.

Hintergrund ist das Verpackungsgesetz, das Hersteller und Händler verpflichtet, Verpackungsmüll vorrangig zu vermeiden beziehungsweise dem Recycling zuzuführen. Wenn doch welcher anfällt, müssen sie diesen kostenlos zurücknehmen. So entstand in Deutschland das sogenannte duale System. Gegen Gebühr erwerben die „Verpacker“ eine Lizenz und geben an, welche Menge an Verpackungen schätzungsweise im Zeitraum von einem Jahr in Umlauf gebracht wird. Die Höhe der Lizenzgebühren hängt von Art und Menge des zu lizenzierenden Abfalls ab (Glas, Kunststoffe etc.). Mit der Entsorgung wird wiederum ein Unternehmen beauftragt, in Landkreis die Mittelbadische Entsorgungs- und Recyclingbetriebe GmbH (MERB).

Leerung häufiger als in anderen Kreisen

Die hat laut Wedewart für die gelben Tonnen folgende Kriterien festgelegt: Mit bis zu vier mit Erstwohnsitz am Ort gemeldeten Personen im Haushalt gibt es die 120-Liter-Tonne, mit fünf bis acht Personen die 240-Liter-Tonne und bei größeren Wohnanlagen Container. Es ist keine Möglichkeit vorgesehen, auf einen größeren Abfallbehälter umzustellen. Allerdings leert die MERB 14-tägig die gelben Tonnen (in anderen Landkreisen alle vier Wochen), also sei die Taktung schon höher, sagt Wedewart. Zudem gebe es die Möglichkeit, einen Kunststoffsack pro Leerung kostenlos dazuzustellen. Sollte das auch nicht reichen, könne der Verpackungsmüll auch in der Entsorgungsanlage abgegeben werden.

Eigentlich sollte es natürlich im Interesse jedes Einzelnen liegen, dass in seinem Haushalt möglichst wenig Verpackungsmüll anfällt. Die Zahlen sprechen allerdings in Zeiten von Onlineversand und Essenslieferungen eine andere Sprache, räumt auch Wedewart ein: Der Gelbe-Tonne-Müll nimmt zu. Weil aber auch rund 30 bis 40 Prozent Restabfall fälschlicherweise in der gelben Tonne landen, hält man beim Abfallwirtschaftsbetrieb das aktuelle System im Landkreis für „ausreichend, wenn man den Müll richtig trennt“, tut der Pressesprecher kund. Und: Überschüssigen Gelbe-Tonne-Müll per Restabfall zu entsorgen, werde richtig teuer, denn dabei richten sich die Müllgebühren mittlerweile nach Anzahl der Leerungen.

Bürgermeister Kiefer für mehr Flexibilität

Der Ötigheimer Bürgermeister Frank Kiefer allerdings findet, in Sonderfällen müsse mehr Flexibilität möglich sein und versteht das Problem nicht. So oder so werde doch das recyclingfähige Material dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt. Wenn das Thema so streng gehandhabt werde, müsse man das mal hinterfragen, befindet er als Kreisrat. Abgehakt ist die Sache für ihn jedenfalls noch nicht. „Bisher haben wir immer Lösungen gefunden“, betont Kiefer.

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Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
26. September 2021, 15:46 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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