Studie zeigt: Mehr Wohnraum schon jetzt möglich

Karlsruhe (sj) – Die Regionalverbände in Baden-Württemberg haben eine Studie zur Flächeneinsparung vorgelegt Fazit: Mit bestehenden Bebauungsplänen könnte schon jetzt mehr Wohnraum geschaffen werden.

Armin Weigel

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Es ist ein scheinbar unauflösbarer Widerspruch – auf der einen Seite die Versiegelung und Inanspruchnahme von Flächen für Siedlung und Verkehr zu minimieren; und der gleichzeitige Wunsch nach mehr (bezahlbarem) Wohnraum. Die Regionalverbände im Südwesten haben zum Thema Flächensparen jetzt eine gemeinsame Studie vorgelegt. Das Ziel dabei: herauszufinden, welche Potenziale an einer wichtigen Stellschraube, den Bebauungsplänen der Gemeinden, dabei bislang brach liegen. Ergebnis: Bei Einhaltung planerischer Vorgaben in den Regionalplänen könnte im Landesschnitt 13 Prozent mehr an Wohnraum geschaffen werden.

Die Regionalverbände, so erläutert der (noch) amtierende Direktor des Verbands Karlsruhe, Gerd Hager, im Gespräch, legen in regelmäßigen Abständen Werte zur Dichte der Wohnbebauung fest. Daran müssen sich Gemeinden in der Regel halten – aber die kommunale Planungshoheit lässt auch Schlupflöcher. Dabei wären, laut den jetzt vorgelegten Ergebnissen der Studie, nicht nur 13 Prozent mehr an Wohnraum möglich – gleichzeitig könnten Hunderte Hektar neue Bauflächen eingespart werden.

Gerd Hager sieht bereits bei den jetzt schon geltenden Vorgaben großes Einsparpotenzial.  Foto: Stefan Jehle

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Gerd Hager sieht bereits bei den jetzt schon geltenden Vorgaben großes Einsparpotenzial. Foto: Stefan Jehle

Erstmals untersuchten die zwölf Planungsverbände, die jeweils mehrere Stadt- und Landkreise repräsentieren, dazu sämtliche Bebauungspläne der vergangenen Jahre in den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden Württemberg. Mit der Studie wolle man „einen breiten Diskurs“ auslösen bei den Trägern der kommunalen Planungshoheit, den Städten und Gemeinden, sagt Hager. Die Idee hinter dem jetzt mit der Studie vorgelegten Siedlungsdichte-Monitoring ist laut Hager, dass künftig möglichst entsprechend den Vorgaben der Regionalplanung zur Siedlungsdichte geplant und gebaut werde.

„Wir wollen Flächen sparen, trotz und teilweise gegenläufig zu dem wachsenden Bedarf an Wohnraum“, sagt er. Deshalb habe man sämtliche Bebauungspläne der Jahre 2018 bis 2020 landesweit durchgesehen, wie sie von den Gemeinden gestaltet werden und welche Vorgaben sie für verdichtetes Bauen enthalten. Man habe damit erfahren wollen, „wie mit dem knappen Gut Fläche umgegangen wird.“ Und auch: welche positiven Effekte für den Markt entstehen, wenn die Gemeinden vor Ort in den Plänen mehr Dichte wagen, also mehr Wohnungen auf gleicher Fläche bauen.

Studie zeigt: Mehr Wohnraum schon jetzt möglich

„Wir können daraus gleichzeitig ablesen, wie viel Hektar Fläche mehr an Freiraum verbleiben. Wir verfolgen zwei Interessen, die sich beißen. Mehr Wohnraum schaffen und gleichzeitig weniger Fläche verbrauchen: Ein echter Zielkonflikt“, sagt Hager, der als Direktor des Regionalverbands in Karlsruhe im März nach 21 Jahren aus dem Amt scheidet. Für ihn steht als wichtigste Botschaft fest: Im Wohnungsbau gebe es noch einiges zu tun, in der Dichte stecke dabei ein beachtliches Potenzial. Wünschenswert sei eine „rationale Diskussion, ob und in welchem Umfang mehr Verbindlichkeit bei den Dichtevorgaben für mehr Wohnraum sorgt.“

Bei den zusätzlich beanspruchten Flächen fallen die Abweichungen sehr unterschiedlich aus. Grafik: BNN

Bei den zusätzlich beanspruchten Flächen fallen die Abweichungen sehr unterschiedlich aus. Grafik: BNN

Es gehe dabei nicht darum, einzelne Planungsträger vorzuführen. Man wolle niemanden „an den Flächenpranger stellen.“ Zwei Verbände im Land agieren hier aber bereits vorbildlich: Die Region um Karlsruhe, mit den Stadt- und Landkreisen Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt, steht bei der Untersuchung mit an der Spitze. So wie auch etwa der Verband Region Stuttgart, als der größte regionale Planungsträger im Land. Gründe dafür sind in beiden Fällen nicht alleine die planerischen Anstrengungen, hinzu kommen der Marktdruck und die große Nachfrage in den dicht bevölkerten Räumen. Hager nennt mehrere beispielhafte Bebauungspläne in der Region Mittlerer Oberrhein, die sich von Bruchsal bis Bühl erstreckt, wo städtebauliche Qualität bei gleichzeitig „angemessener Dichte“ verwirklicht worden seien: Das „Obere Albgrün“ in Ettlingen etwa, auch die „Bahnstadt“ in Bruchsal zähle dazu – und im Oberzentrum Karlsruhe die Flächen „Kirchfeld Nord“ und die Konversion „Smiley West“. Für die Regionalverbände im Südwesten ist das Thema Flächensparen seit jeher eine der originären Aufgaben.

Im überwiegenden Teil liegt die Bruttowohndichte über den Referenzwerten. Grafik: BNN

Im überwiegenden Teil liegt die Bruttowohndichte über den Referenzwerten. Grafik: BNN

Zum Thema:

Das „Obere Albgrün“ in Ettlingen, sind Flächen als Folgenutzung nach der Schließung der Papierfabrik Koehler decor; die „Bahnstadt“ in Bruchsal liegt westlich des Personen- und Güterbahnhofs Bruchsal. Im Oberzentrum Karlsruhe werden im Bereich „Kirchfeld Nord“ Flächen schon seit 2010 entwickelt und die Konversionsfläche „Smiley West“ betrifft das ehemalige Kasernengelände der Karlsruhe-Nordstadt.

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Die Zahl der Personen, die bezogen auf den Referenzwert, nicht mit Wohnraum versorgt sind, variiert je nach Region sehr stark. Grafik: BNN

Die Zahl der Personen, die bezogen auf den Referenzwert, nicht mit Wohnraum versorgt sind, variiert je nach Region sehr stark. Grafik: BNN

Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Stefan Jehle

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Erstellt:
22. Februar 2022, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 11sec

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