Stühlerücken im Gemeinderat Gernsbach

Gernsbach (stj) – Nach 31 Jahren hat sich Buchhändlerin Sabine Katz aus dem Gemeinderat verabschiedet. Für die Freien Bürger rückte Dr. Alexander Hoff nach.

Bürgermeister Julian Christ überreicht Sabine Katz zum Abschied aus dem Gemeinderat Präsente der Stadt. Foto: Stephan Juch

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Bürgermeister Julian Christ überreicht Sabine Katz zum Abschied aus dem Gemeinderat Präsente der Stadt. Foto: Stephan Juch

Mit stehenden Ovationen ist Sabine Katz am Montagabend vom Gemeinderat verabschiedet worden. Ziemlich genau 31 Jahre gehörte sie dem Gremium für die Freie Bürgervereinigung (FBVG) an. „Deine Meinung hatte immer Gewicht“, betonte Fraktionschef Uwe Meyer und drückte im Namen aller Gernsbacher Kommunalpolitiker seine Hochachtung für die Leistung der selbstständigen Buchhändlerin und Verlegerin aus: „Du lebst Gernsbach, deine Heimatstadt – das passt bei keinem besser als bei Dir!“

Seit Oktober 1989, als Katz erstmals in den Gemeinderat eingezogen war, habe sie insgesamt rund 2.000 Sitzungsstunden im Gremium verbracht – „hochgerechnet sind das 250 Arbeitstage oder anders ausgedrückt: mehr als ein Jahr Arbeitszeit“, rechnete Bürgermeister Julian Christ zusammen. Der Vorbereitungsaufwand mit dem Wälzen von circa 4.400 Sitzungsvorlagen sei dabei nicht einmal berücksichtigt. Ihr lebhaftes Interesse an allen Vorgängen in ihrer Heimatstadt, ihre durchaus kritische, aber immer offene Haltung zu den Sachthemen und ihr dauerhaftes Bestreben, Diskussionen auf Sachebene zu führen, kam laut Christ so gut an, dass Katz 2009 und 2019 als Stimmenkönigin aus der Gemeinderatswahl hervorging; 2014 vereinte sie die zweitmeisten Stimmen auf sich.

Während ihrer Amtszeit arbeitete Katz mit drei Bürgermeistern zusammen. Von 2009 bis 2019 war sie als zweite Bürgermeisterstellvertreterin im Einsatz, seit dem vergangenen Jahr war sie die erste Stellvertreterin des Rathauschefs. „Ich war immer sehr froh, auf die kompetente Vertretung von Frau Katz zurückgreifen zu können“, dankte Christ für dieses zusätzliche ehrenamtliche Engagement. Als erster Bürgermeisterstellvertreter tritt Fraktionskollege Michael Chemelli ihre Nachfolge an. Diesem Vorschlag stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Herausragendes kommunalpolitisches Engagement ohne Parteipolitik

Sabine Katz erzählte, sie habe sich 1982 bewusst für die Freien Bürger entschieden, „weil ich mich für die Stadt einbringen wollte, ohne Parteipolitik zu betreiben“. Es war ihr ein Anliegen an die Ratskollegen zu appellieren: „Schüttet die Gräben zu, begrabt persönliche Feindschaften.“ Die nächsten Jahren werden in der Gernsbacher Kommunalpolitik nicht einfach, blickte die Kreisrätin voraus und schickte hinterher: „Große Ziele kann man nur gemeinsam erreichen.“ Katz ging auch auf die jungen Kommunalpolitiker zu und riet ihnen, Brücken zu bauen – ganz nach dem Vorbild des Gernsbacher Ehrenbürgers Reiner Sontheimer.

Ihren besonderen Dank richtete die langjährige Kommunalpolitikerin an die Verwaltungsmannschaft und dort besonders an Gülay Karagöz-Döner wegen „ihrer uneingeschränkten Unterstützung bei den Aufgaben als Bürgermeisterstellvertreterin. Ebenso betonte sie ihre dankbare Anerkennung gegenüber Uwe Meyer als Fraktionsvorsitzendem, der viel mit ihrem Mentor Hans Bender gemein habe, der ihr einst als Vorbild den Weg in die Kommunalpolitik geebnet habe. In der „Hoffnung, dass der eine oder andere sein Verhalten überdenkt“, dass wieder mehr Frieden und faires Miteinander in den Gemeinderat einkehren, überreichte Katz dem Bürgermeister einen von einem Künstler kalligraphierten Text, der im Sitzungssaal des Rathauses seinen Platz finden soll.

Am Ende ihrer nachdenklichen Rede erhoben sich alle im Stadthallensaal und spendeten Sabine Katz ausgiebigen, stehenden Beifall für ihr „herausragendes Engagement“, wie Christ und Meyer würdigten.

Für Sabine Katz rückte Dr. Alexander Hoff für die Freien Bürger in den Gemeinderat nach. Nachdem festgestellt worden war, dass keine Hinderungsgründe vorliegen, wurde der Vorsitzende des Ältestenkreises der evangelischen St. Jakobsgemeinde von Bürgermeister Julian Christ vereidigt. Vom Wahlergebnis her hätte Fred Stößer nachrücken müssen. Er hatte aber einen wichtigen Ablehnungsgrund geltend gemacht. Hoff wurde als Mitglied in den Ausschuss für Technik und Umwelt und in die Gesellschafterversammlung der Musikschule Murgtal gewählt.


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