Stützungsprozess ohne anhaltenden Erfolg

Von Stephan Juch

Gernsbach (stj) – Trotz der Kritik an den Überlegungen, die Handelslehranstalt Gernsbach zu schließen, wollen der Landkreis Rastatt und das Regierungspräsidium Karlsruhe offenbar daran festhalten.

Stützungsprozess ohne anhaltenden Erfolg

Nach wie vor ungewiss ist die Zukunft der Handelslehranstalt Gernsbach. Foto: Stephan Juch

Das geht aus den Unterlagen hervor, die zur Sitzung des Ausschusses für Schulen und Kultur veröffentlicht wurden. Die Sitzung wurde zwar wegen Corona kurzfristig abgesagt. Sie dürfte trotzdem für große Aufmerksamkeit sorgen, schließlich haben sich erst jüngst 46 Kreisräte in einem interfraktionellen Antrag für den Erhalt der Bildungseinrichtung stark gemacht, über den der Kreistag noch abstimmen muss.

Der Landkreis Rastatt betont in den Sitzungsvorlagen für den Ausschuss für Schulen und Kultur, sich als Schulträger seit Jahren explizit für die HLA Gernsbach eingesetzt zu haben: „In den Schulentwicklungsplänen und -maßnahmen spielten die Standortsicherung und -entwicklung stets eine wesentliche Rolle. Wiederholt wurden in der Vergangenheit durch den erheblichen Einsatz des Schulträgers und mit Unterstützung der Kultusverwaltung Bildungsangebote an der HLA Gernsbach eingerichtet beziehungsweise an diese verlagert.“ Gerade diese, teilweise sehr aufwendigen Entwicklungsmaßnahmen haben den Schülerzahlenrückgang zumindest teilweise abmildern können, betont das Landratsamt.

Die Bemühungen, in den zurückliegenden 20 Jahren durch stärker ausdifferenzierte oder zusätzliche Bildungsangebote die Schülerzahl der HLA Gernsbach nachhaltig zu stabilisieren, „erwiesen sich als mittel- bis langfristig nicht tragfähig“, analysiert das Landratsamt: „Sie waren nur befristet wirksam und konnten den Abwärtstrend lediglich bremsen, nicht aber stoppen. Auch die vom Schulträger gerade im Hinblick auf die Schulentwicklung geplanten und durchgeführten Baumaßnahmen (Schulkiosk, Netzwerkverkabelung, Aufzug und anderes) konnten und können den Entwicklungstrend nicht umkehren. Selbst das große Engagement der Schule um Übungs- und Juniorenfirmen, Teilnahme an Wettbewerben sowie attraktive außerunterrichtliche Veranstaltungen wie die jährliche Studienreise nach New York scheint keinen spürbaren Effekt auf die Gesamtwahrnehmung der Schule, gemessen an der Schülerzahl, zu zeigen.“

Gestaltungsspielraum reduziert sich weiter

Dass sich der Landkreis Rastatt in enger Kooperation mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe seit vielen Jahren „sehr intensiv“ für die HLA Gernsbach als Schulstandort eingesetzt habe (etwa durch das Einrichten neuer Bildungsgänge, die Verlagerung von Bildungsgängen oder Schülerlenkungsmaßnahmen) sei „oftmals zu Lasten anderer Schulstandorte“ erfolgt: „Die zeitweisen Erfolge dieses seit knapp 20 Jahren andauernden Stützungsprozesses für die HLA Gernsbach wurden in den letzten fünf Jahren jedoch zusehends aufgezehrt. Attraktive Bildungsangebote wie die Wirtschaftsoberschule oder das Berufskolleg Wirtschaftsinformatik zeigen rückläufige Schülerzahlen, die einen langfristigen Fortbestand dieser im Landkreis Rastatt einzigartigen Bildungsgänge gefährden. Die selbst im grundständigen Angebot der Schule sinkenden Schülerzahlen erschweren zusehends eine adäquate Lehrerversorgung, die für den Bildungserfolg der Schüler notwendig ist.“

In diesem Kontext erscheine es dem Landratsamt unwahrscheinlich, dass eine nachhaltige Lösung zur Nachbesetzung der im Juni 2020 überraschend vakant gewordenen Position der Schulleitung erreicht werden könnte. Aufgrund der gesunkenen Schülerzahlen dürfte das Regierungspräsidium die Leitungsstelle lediglich noch in der Besoldungsgruppe A15 ausschreiben. Bei den beiden vorangegangenen Ausschreibungen nach A16 gab es jeweils lediglich eine Bewerbung. Der Landkreis Rastatt betont, als Schulträger nicht ausschließlich gegenüber der HLA Gernsbach, sondern allen kreiseigenen Schulen sowie den Schülern des gesamten Landkreises Rastatt in der Verantwortung zu stehen.

„Aufgabe eines Schulträgers ist es, in der Raumschaft ein attraktives, zukunftsorientiertes und bedarfsgerechtes Bildungsangebot anzubieten und aufrechtzuerhalten. Das an Schülerzahlen gemessene, signifikant nachlassende Interesse am Besuch der HLA Gernsbach sowie die schwierige Personalsituation der Schule verpflichten den Landkreis Rastatt und das Regierungspräsidium Karlsruhe, zügig und zielgerichtet zu handeln.“

Verlagerung einzige Chance auf Erhalt?

Die von einem niedrigen Niveau aus weiter sinkenden Schülerzahlen reduzieren den Gestaltungsspielraum mit Blick auf die Sicherung von Schularten wie die Wirtschaftsoberschule und das Berufskolleg Wirtschaftsinformatik schneller als erwartet, betont die Landkreisverwaltung weiter: „Allein durch die Verlagerung der Bildungsgänge an andere Schulen in Trägerschaft des Landkreises Rastatt könnte das Bildungsangebot im Landkreis gesichert und die Schülerzahlen der umliegenden Schulen in Trägerschaft des Landkreises Rastatt gestärkt werden.“