Stuttgarter Antiquariatsmesse geht Mitte Februar online

Stuttgart/Ludwigsburg (cl) – Die Antiquariatsmesse in Stuttgart will am 18. Februar zumindest als Online-Messe live geschaltet werden – bis 22. Februar um Mitternacht.

Egon Schiele als Zeichner: Pandemiebedingt nur im Online-Katalog der Antiquaria Ludwigsburg zu sehen. Foto: Antiquaria

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Egon Schiele als Zeichner: Pandemiebedingt nur im Online-Katalog der Antiquaria Ludwigsburg zu sehen. Foto: Antiquaria

Das Sammeln von wertvollen historischen Büchern und gedruckten Raritäten ist auch im Zeitalter Neuer Medien nicht aus der Mode. Die wahren Buchliebhaber haben in Deutschlands ältester und größter Antiquariatsmesse in Stuttgart stets zum Jahresanfang eine wichtige Anlaufstelle, und gewöhnlich zeitgleich eine kleinere feine Messe, die Antiquaria in Ludwigsburg, nebendran.

In diesen Pandemie-Zeiten wird die fast schon sinnliche Suche nach alten Schätzchen – von Pressendrucken, bis hin zu Zeichnungen und Grafiken – aber erneut vereitelt. Beide Messen können zum wiederholten Mal coronabedingt nicht als Präsenzveranstaltungen stattfinden: Nur Online-Angebote sind möglich.

Als erstes hat die Antiquaria bekannt gegeben, dass sie ihre Ludwigsburger Messe für wertvolle Bücher, alte Handschriften und jahrhundertealte Grafiken ein weiteres Mal absagen muss. Es seien zum einen nach wie vor keine Messen erlaubt. „Und selbst wenn sich die Situation in den nächsten Wochen etwas entspannen sollte, ist mit strengen Hygiene- und Zugangsvorschriften und kurzfristigen Unwägbarkeiten zu rechnen“, teilte Veranstalterin Petra Bewer mit. Herzstück der Antiquaria seien nun mal Kommunikation und Austausch.

Preis für Buchkultur an Patrick Rössler


Die Messe hätte vom 17. bis 19. Februar stattfinden sollen. Die 56 angemeldeten Ausstellerinnen und Aussteller aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Großbritannien können lediglich über den online verfügbaren Messekatalog mit den Bücherfreunden in Kontakt treten. Im Katalog wird als teuerster Titel der sechsbändige Atlas von Willem Jansz und Joan Blaeu „Theatrum orbis terrarum. 1648-1655“ mit mehr als 400 Tafeln, teils in Kupfer, aufgeführt zum Preis von 112.000 Euro. Unter den Online-Angeboten ist auch eine exquisite Zeichnung des Wiener Expressionisten Egon Schiele. Ihren renommierten Antiquaria-Preis für Buchkultur vergibt die Ludwigsburger Messe aber dennoch: Ausgezeichnet wird der Kommunikationswissenschaftler Patrick Rössler, der sich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten seit mehr als 30 Jahren den gedruckten Medien des 20. Jahrhunderts widmet, insbesondere der Geschichte des Taschenbuchs sowie des Bauhauses. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 17. Februar verliehen.

Die Antiquariatsmesse in Stuttgart will am 18.Februar zumindest als Online-Messe live geschaltet werden (bis 22. Februar um Mitternacht), wie sie ebenfalls verlautbart. „Die Antiquariate und Galerien werden darauf Kostbarkeiten des Buchdrucks und der Grafik anbieten“, heißt es vom Verband Deutscher Antiquare. Dieser hatte seine virtuelle Messeplattform bereits im Januar 2021 als Ersatz für die während des damaligen Lockdowns ausgefallene Präsenzveranstaltung entwickelt. Die Möglichkeit, sich wenigstens auf einem virtuellen Rundgang mit einigen Objekten präsentieren zu können, soll laut Verband der Antiquare dazu beigetragen haben, dass sich erneut über 70 Händler aus dem In- und Ausland zur 61. Antiquaritsmesse 2022 angemeldet hätten. Auf der Online-Plattform könnten die Antiquare ihr Angebot aus dem Bereich des Buchdrucks, der Inkunabeln, der Autographen und der Kunst, erneut mit jeweils bis zu 20 Objekten hinterlegen. Auch mit dem Messekatalog, der für Ende Januar angekündigt ist, will man wieder die angestammten Sammler erreichen.

Seit 1962 bildet die Stuttgarter Messe alljährlich einen Rahmen für den Antiquariatsbuchhandel und spiegelt Deutschlands lange Geschichte der Druckkunst und des Verlags- und Buchwesens wider. Ihren angestammten Platz hat die Messe des schönen Buchs im Württembergischen Kunstverein am Schlossplatz. Ab 2023 wollen die Antiquare dort wieder ihre Messe abhalten, so die Pandemie es zulässt.


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