Stuttgarter Staatstheater nehmen die Krise als Chance

Stuttgart (sr) – Weniger Veranstaltungen, mehr Vorbehalte wegen der Corona-Pandemie und möglicher neuer Anordnungen: So stellt sich das neue Spielzeitprogramm der Stuttgarter Staatstheater dar.

Die vier Sparten-Intendanten des Stuttgarter Staatstheaters stellen ein deutlich abgespecktes Programm vor: Von links Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführung,  Burkhard C. Kosminski, Schauspiel, Tamas Detrich, Ballettchef, und Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper. Foto: Christoph Schmidt/dpa

© dpa

Die vier Sparten-Intendanten des Stuttgarter Staatstheaters stellen ein deutlich abgespecktes Programm vor: Von links Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführung, Burkhard C. Kosminski, Schauspiel, Tamas Detrich, Ballettchef, und Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Wie beziehungsreich: Mit „Die Lage“, „Liebe“ und „Die Durstigen“ startet das Stuttgarter Schauspiel in den Herbst und die erstmalige Vergabe des Europäischen Dramatikerpreises. Die Oper wiederum sucht in allen Premieren Antworten auf die große Frage „Wer ist wir?“ und will „herausfinden, wie aus unterschiedlichen Menschen Gemeinschaft wird“. Und das Ballett begibt sich mit der „Response“-Reihe ebenfalls auf Entdeckungsreise. Die Württembergischen Staatstheater erwartet eine Spielzeit wie keine jemals zuvor.

Natürlich gelten Abstands- und Hygieneregeln, gespielt wird außerhalb der Häuser, im „Stadtraum“, zum Beispiel Musiker um die Mittagszeit an unterschiedlichen Plätzen der Landeshauptstadt, 30-Minuten zum Lunch. „Wenn die Corona-Krise eines gezeigt hat, dann, dass verlässliche Partner sich gegenseitig stützen“, sagt Opernintendant Viktor Schoner, der drei Premieren terminiert hat: Mozarts Evergreen „Zauberflöte“, inszeniert von Barrie Kosky, Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und Massenets „Werther“.

„Krisen sind immer auch Chancen“

Auch das Ballett will drei neue Abende bieten. Krisen seien immer Chancen, sagt sein Chef Tamas Detrich, „in diesem Fall große Chancen“, weil junge Künstler zum Zuge kämen, auf die er schon lange ein Auge geworfen habe. „Response II Young Bloods“ sei „die zweite Antwort auf die zurückliegenden Monate, aber auch ein Ausblick auf die Zeit, die vor uns liegt“. Wenn die Uraufführung (30. Oktober) der kurzen Stücke in kleiner Besetzung über die Bühne geht, wird seit zehn Monaten nicht getanzt worden sein. Wenn, denn die neuen Spielpläne ziert auch corona-halber Verschobenes, „Die Lage“ von Thomas Melle beispielsweise, mit dem ursprünglichen Premierentermin im April, oder „Cavalleria“ im Juni.

Ohnehin rechnen alle Beteiligten mit neuen Unwägbarkeiten, die irgendwie eingepreist sind. Viele Fragezeichen, etwa wenn es um die Zahl zugelassener Besucher geht oder die Programme für Schulklassen. Dazu, wie all die Ambitionen mit 1.400 Beschäftigten in Kurzarbeit in Einklang zu bringen sind, ganz zu schweigen von dem satten Minus von zwölf Millionen Euro. „Nachdem die vergangenen Wochen und Monate außergewöhnliche Maßnahmen und viel Improvisation erforderten“, weiß Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski, „hat die Corona-Pandemie auch ihre Spuren in den Plänen für die kommende Saison hinterlassen.“

Spielplan nur bis Januar terminiert

Geplant und terminiert ist nur bis Ende Januar. Kosminski setzt auf zwei programmatische Schwerpunkte: Internationale Ausrichtung und zeitgenössisches Autorentheater. Dafür exemplarisch steht Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ mit Evgenia Dodina als Claire Zachanassian. Hölderlin zu Ehren und zur Finissage des Jubiläumsjahres finden am 7. November alle drei Sparten zu einer Langen Nacht zusammen, unterstützt vom Literaturarchiv in Marbach und dem Stuttgarter Literaturhaus. Fünf Autoren antworten mit eigenen Texten auf den großen Schwaben. Dargeboten werden choreografische Uraufführungen, das Staatsorchester spielt – jedenfalls wenn die Corona-Zahlen im Herbst das zulassen.

Der Kartenvorverkauf startet Mitte August. Das Interesse ist riesig: Beim Vorverkauf für „Response I“ am 1. Juli gab es 19.000 Anrufe und Anrufversuche in der ersten Stunde.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.