Suchanfragen zu Mord und Totschlag

Baden-Baden/Bühlertal (wf) – Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin angeklagte 24-jährige Landwirt aus Bühlertal hat am Abend vor der Tat im Internet nach „Mord“ und „Totschlag“ sowie dem zugehörigen Strafmaß gesucht. Auf Antrag seines Verteidigers wird er nun psychiatrisch untersucht.

Mobile Plexiglasscheiben sollen im Gerichtssaal zum Infektionsschutz beitragen.  Foto: Margull

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Mobile Plexiglasscheiben sollen im Gerichtssaal zum Infektionsschutz beitragen. Foto: Margull

Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin angeklagte 24-jährige Landwirt aus Bühlertal wird jetzt einer psychiatrischen Untersuchung unterzogen. Das gab der Vorsitzende Richter der 2. Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch, 27. Mai, zu Beginn des dritten Prozesstags bekannt.
Ein entsprechender Antrag war von Verteidiger Gerhard Bräuer in der vergangenen Woche gestellt worden (wir berichteten). Der Medizinische Direktor der Forensischen Psychiatrie Emmendingen wird das Gutachten erstellen. Er begann mit der medizinischen Exploration gestern unmittelbar im Anschluss an die Verhandlung im Landgericht. Das Ergebnis wird voraussichtlich bis zur Fortsetzung des Prozesses am 12. Juni vorliegen.

Bei der Auswertung der elektronischen Geräte des Angeklagten durch die Kriminalpolizei wurden zahlreiche Internetabfragen zu den Themenkomplexen Mord und Totschlag sowie den dafür im Gesetz vorgesehenen Strafen festgestellt. Die Recherchen erfolgten in einem Zeitraum von mehreren Stunden am Abend vor der Tat. Ob sie möglicherweise durch Fernsehsendungen über Kriminalität, Strafvollzug und „das Leben hinter Gittern“ angeregt worden sein könnten, hat ein Polizeibeamter untersucht und das Angebot öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehsender in der fraglichen Zeit näher unter die Lupe genommen. Seine Analyse, die er gestern vortrug, gab Aufschluss über das Ausmaß der Fernsehsendungen zu den genannten Themen. Insgesamt 428 Sendungen strahlten die 45 gängigen Sender von ARD alpha bis ZDF neo aus. Davon befassten sich 15 Sendungen mit Dokumentationen über Mörder, Polizeiarbeit, Spurensicherung, den Alltag im Strafvollzug und den Ablauf einer Gerichtsverhandlung. Unberücksichtigt blieben bei der Auswertung Fernsehkrimis. Allein 19 davon liefen an jenem Abend über die Bildschirme.

Der Prozess wird am 12. Juni um 9 Uhr fortgesetzt.

Einen Auszug aus der bisherigen BT-Berichterstattung zum Prozess finden Sie hier:

Der Angeklagte schwieg zu Prozessbeginn.

So lief der Prozessauftakt ab.

Ihr Autor

Werner Frasch

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Erstellt:
28. Mai 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 53sec

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