Südwest-CDU will alle Direktmandate

Stuttgart (bjhw) – Christdemokraten im Land geben sich vor Bundestagswahl optimistisch, die Grünen zurückhaltend, aber selbstbewusst.

Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg und Bundes-Vize der CDU. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg und Bundes-Vize der CDU. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Winfried Kretschmann (Grüne) und Thomas Strobl (CDU) gehen in ihrem Ausblick auf die Bundestagswahl getrennte Wege. Während der Ministerpräsident sich nicht festlegen will auf eine Koalition mit SPD und FDP auf der einen oder CDU und FDP auf der anderen Seite, favorisiert sein Stellvertreter unmissverständlich eine nach den Flaggenfarben Jamaikas benannte Koalition mit Grünen und FDP.
Dafür habe man sich 2017 nach der vergangenen Bundestagswahl „bis zur körperlichen Erschöpfung“ eingesetzt. „Ich könnte mir das dieses Mal auch wieder vorstellen“, sagt Strobl und legt die Latte für den eigenen Landesverband auffallend hoch: „Klar wollen wir alle Direktmandate holen.“

2013 war der Jubel groß in der CDU: Nur zwei Jahre nach dem Abschied von der Regierungsmacht fuhr die Partei mit fast 46 Prozent ein sattes Plus von elf Punkten ein. Noch am Wahlabend bescheinigten Demoskopen Strobl und seinem Führungsteam, dass Angela Merkel die Fortsetzung ihrer Kanzlerschaft ohne den Triumph im Südwesten kaum gelungen wäre.

Kleinere Brötchen backen

Inzwischen muss die Union deutlich kleinere Brötchen backen, aber der Innenminister und Stellvertreter von Bundesparteichef Armin Laschet will dennoch einen „bedeutenden Beitrag zu einem ordentlichen Ergebnis“ am kommenden Sonntag liefern.

Weil es keine Umfragen auf Landesebene gibt, haben jene Trendforscher Hochkonjunktur, die sich mit der Verteilung der Direktmandate befassen. Etwa 20 von insgesamt 38 werden auf den einschlägigen Portalen gegenwärtig als erreichbar für die CDU angesehen, also nur halb so viel wie von Strobl erhofft.

Ein Schlaglicht darauf, wie eng es zugehen könnte am kommenden Sonntag im Kampf um Platz eins im Land, wirft www.wahlkreisprognose.de. Vorstellbar sei, dass CDU, Grüne und SPD nur ganz wenige Zehntel auseinander liegen, sodass für Erstere ein sattes Minus herauskäme und für die beiden Letzteren jeweils ein sattes Plus und jeweils knapp ein halbes Dutzend Direktmandate dazu.

Er beschäftige sich nicht jeden Tag stundenlang mit Umfragen, habe aber in der Zeitung gelesen, dass der Vorsprung von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schmelze, bekannte Strobl auf entsprechende Frage auf der gemeinsamen Regierungspressekonferenz mit Kretschmann. „Das hat mich an den Schulz-Zug erinnert“, sagte er mit Blick auf das Scheitern von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor vier Jahren.

Strobl: „Wimpernschlagfinale“ möglich

Für möglich hält Strobl diesmal „ein Wimpernschlagfinale“ und eine lange Nacht, ehe ein Ergebnis feststeht. Die Entscheidung sei klar: „Entweder gibt es eine bürgerliche Regierung, wie wir sie erfolgreich in Baden-Württemberg haben, oder eine Linksverschiebung bis hin zur Linkspartei.“

Der Ministerpräsident lässt die Einordnung unkommentiert, macht aber klar, dass – so oder so – Baden-Württemberg mit seinen sechs Stimmen in der Länderkammer weiterhin eine gewichtige Rolle einnehmen werde. „Wir sind da immer mit im Spiel, da machen Sie sich keine Sorgen.“

Spekulationen über mögliche Koalitionen zum jetzigen Zeitpunkt sind dem Regierungschef jetzt „zu platt“ – dass seine Partei aber zunächst an Sondierungs- und dann an Koalitionsgesprächen beteiligt sein wird, daran hat er ganz offensichtlich keine Zweifel.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
21. September 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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