Süßes und Salziges zwischen Jazz und Klassik

Rastatt (sl) – Der Rastatter Pianist Frank Dupree und Kollegen präsentieren zwei neue CDs, bei denen der Hörer gedanklich mal im Konzertsaal, mal in der Jazzbar sitzt.

Beschwingt bei der Arbeit: Das Frank-Dupree-Trio mit Frank Dupree am Flügel, Jakob Krupp am Bass und Meinhard „Obi“ Jenn am Schlagzeug bei der Aufnahme von „Blueprint“ im Hans-Rosbaud-Studio in Baden-Baden. Foto: Ralph Steckelbach

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Beschwingt bei der Arbeit: Das Frank-Dupree-Trio mit Frank Dupree am Flügel, Jakob Krupp am Bass und Meinhard „Obi“ Jenn am Schlagzeug bei der Aufnahme von „Blueprint“ im Hans-Rosbaud-Studio in Baden-Baden. Foto: Ralph Steckelbach

Manchmal steht auch dem Klassikliebhaber der Sinn nach ein bisschen mehr Pep oder Easy Listening. Der Rastatter Pianist Frank Dupree und seine Kollegen greifen jetzt zum Salzstreuer und liefern mit ihrer neuen CD „Salted Caramel“ (gesalzenes Karamell) ein süß-pikantes Hörvergnügen zwischen Jazz und Klassik.

Sie erscheint am 4. Februar und folgt damit unmittelbar auf die vor wenigen Wochen herausgebrachte CD „Blueprint“. Das Frank-Dupree-Trio verblüfft hier mit ebenfalls jazziger, neu interpretierter Klaviermusik von Nikolai Kapustin.

Erst im vergangenen Sommer überraschte der international gefragte Pianist und Opus-Klassik-Preisträger aus Rastatt mit einer Einspielung von zwei Konzerten und einer Kammersinfonie des ukrainisch-russischen Komponisten. Nikolai Kapustins Name war in Deutschland bis dahin selbst in Kennerkreisen wenig geläufig. Das Besondere: Seine Musik klingt wie Jazz, ist aber durchkomponiert wie klassische Stücke.

Das heißt zum Beispiel, dass jede der rasanten Noten einer Etüde oder eines Prélude auch wirklich auf dem Papier steht. Für Improvisation – ein Wesensmerkmal des Jazz – ist da gar kein Platz. Eigentlich…

Musik, die Laune macht

In seiner neuen CD, die beim Label Capriccio erschienen ist, geht Dupree mit seinem Trio einen Schritt weiter. Während der 30-jährige Pianist Kapustins teils teuflisch schwierige Klavierparts ganz nach Noten interpretiert, haben Bassist Jakob Krupp und Schlagzeuger Obi Jenne größere Freiheiten. Sie improvisieren und experimentieren etwa mit Rhythmen aus Swing, Bebop oder Latin-Jazz, müssen dafür aber den Klavierpart selbstverständlich aus dem Effeff kennen. So bringen sie Kapustins bis ins Kleinste durchdachte Kompositionen zusätzlichen Groove, der nach Duprees Geschmack bisher ein wenig fehlte.

Heraus kommt Musik, die wirklich Laune macht. Frank Dupree gibt zu, dass er sie selbst sogar beim Autofahren oder beim Kochen hört, oder einfach wenn er zu Hause in Rastatt ein paar Freunde eingeladen hat: Easy Listening eben, allerdings auf allerhöchstem Niveau!

George Gershwin liefert das Karamell

Man muss also nicht andächtig vor den Lautsprechern sitzen und die Ohren spitzen, obwohl auch das natürlich nicht verboten ist und auf jeden Fall ein Gewinn wäre.

Ähnliches gilt für die demnächst erhältliche CD „Salted Caramel“ (erscheint bei Berlin Classics, mit einem Schokoriegel auf dem Cover). Gemeinsam mit Trompeterfreund Simon Höfele, den Triokollegen Jakob Krupp (Bass), Obi Jenne (Schlagzeug) und – oh Wunder! – dem klassischen Goldmund-Streichquartett verneigt sich Frank Dupree hier musikalisch vor genialen Komponisten aus Klassik und Jazz. Die CD vereint Musik von George Gershwin und Leonard Bernstein (die vom Jazz beeinflusst waren und ihn ihrerseits beeinflussten) mit Jazz-Evergreens von Miles Davis, Elvis Costello und Dizzy Gillespie, um nur einige zu nennen. Das hat es so auf dem Plattenmarkt wahrscheinlich auch noch nicht gegeben: Der Hörer sitzt gedanklich mal im Konzertsaal, mal an der Bar eines coolen Jazzclubs.

Aber wie kommt man auf einen CD-Titel wie „Salted Caramel“? Frank Dupree: „Die Musik von George Gershwin ist sozusagen das Karamell, sie zergeht einem wirklich auf der Zunge. Die Jazz-Elemente wären dann das Salz in der Suppe der Klassik.“

Live im Mannheimer Rosengarten

Ähnlich gewagte Gedankenspiele führten übrigens zu dem Titel „Blueprint“, zu Deutsch „Blaupause“, für die Kapustin-CD. Kapustins Musik wäre demnach quasi die Blaupause, also der Entwurf, den die Musiker aus- und weiterführen. Was der Komponist selbst dazu gesagt hätte, wird man leider nie erfahren, denn er ist im Juli 2020 in seiner Heimatstadt Moskau gestorben. Sehr schade, das Frank-Dupree-Trio hätte ihm seine Versionen liebend gerne vorgespielt.

Wer von Kapustin – so wie Frank Dupree – nicht genug bekommt, kann sich sogar schon auf die nächste CD freuen: Dessen fünftes Klavierkonzert hat der Rastatter bereits mit dem Berliner Rundfunk-Symphonieorchester eingespielt. Mit einer Veröffentlichung ist noch in diesem Jahr zu rechnen.

In den während Pandemiezeiten nicht so häufigen Genuss eines Livekonzerts können Musikfreunde, denen das immer noch nicht genug ist, schon am Montag, 31. Januar, kommen. Um 20 Uhr spielt das Frank-Dupree-Trio im „Ella & Louis“, der Jazzbar im Mannheimer Kongresszentrum Rosengarten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
30. Januar 2022, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

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