Sulzbach: Funkstille beim Modellprojekt

Gaggenau (uj) – Gut ein Jahr ist es her, dass an der Kreisstraße zwischen Ottenau und Sulzbach ein Modellprojekt startete.

Eine gestrichelte Linie trennt in Richtung Sulzbach den „Schutzbereich“ ab. Dem Radfahrer bleibt die Hoffnung auf vorsichtige Autofahrer – oder der verbotene Gehweg für Fußgänger. Foto: Sarah Gallenberger/Archiv

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Eine gestrichelte Linie trennt in Richtung Sulzbach den „Schutzbereich“ ab. Dem Radfahrer bleibt die Hoffnung auf vorsichtige Autofahrer – oder der verbotene Gehweg für Fußgänger. Foto: Sarah Gallenberger/Archiv

Mittels eines sogenannten Schutzstreifens soll es für Radfahrer für bessere Sicherheit entlang der K3705 sorgen. Ein Jahr könnte Anlass sein für eine Zwischenbilanz. Aber: Still ruht der See.

„Ich würde auch gerne was wissen“, sagt Thomas Marx, Leiter des Straßenbauamts Rastatt. Aber auch ein Jahr nach Start des Projekts hat er nichts Konkretes erfahren, räumt Marx auf BT-Anfrage ein. Allerdings hat er zumindest eine positive Nachricht: „Wir haben nichts festgestellt. Keinen Unfall in diesem Jahr.“ Eine Aussage, die Sulzbachs Ortsvorsteherin Josefa Hofmann bestätigt.

Zuständig für den Test ist die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW). Federführend wird das Modellprojekt vom grünen Verkehrsministerium Baden-Württemberg durchgeführt. Anfang des Jahres habe dieses eine Art Zwischenprotokoll geschrieben, aber explizit betont, dass dessen Aussagen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien, berichtet Marx. Bis es offizielle Aussagen zu dem Modellprojekt gibt, könnte es nach seiner Vermutung noch einige Zeit dauern. Hintergrund ist, dass sich jetzt auch Baden-Baden daran beteiligt. Ausgewählt wurde der Abschnitt der K9617 und L67 von Sandweier nach Baden-Oos. Dort gibt es jetzt ähnliche Markierungen wie jene zwischen Ottenau und Sulzbach. Wegen dieses weiteren Projekts vermutet Thomas Marx, dass dieses auch Bestandteil der Untersuchungen sein wird und es deshalb noch längere Zeit dauern dürfte, bis von der AGFK-BW konkrete Details veröffentlicht werden.

Bislang kein Unfall

Und wie sehen die Sulzbacher das Projekt? Laut Ortsvorsteherin Hofmann seien die Meinungen im Dorf weiter 50:50. Auch wenn der Schutzstreifen nicht mehr „das“ Thema im Ort sei. Einige bezeichnen die markierte Spur auf der Fahrbahn als „super“ (meist Radfahrer), andere wiederum meinten „weg mit dem Dreck“. Fakt sei, dass es seit einem Jahr keinen Unfall gegeben habe. Während der Bau- und Markierungszeit sei ein Radfahrer an einer Absperrung hängen geblieben. Positiv hebt sie hervor, dass sich die meisten Autofahrer an die Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h halten würden (zuvor war Tempo 100 erlaubt).

Sie würden langsam machen und gegebenenfalls, zum Beispiel in Kurven, hinter einem Radfahrer bleiben und erst später überholen. „Die Pilotstrecke ist eigentlich ganz gut angenommen worden, es ist ein Kompromiss“, lautet ihr Fazit. Andererseits würden immer noch Radfahrer den bergaufwärts an der Seite befindlichen Gehweg nutzen.

Das Straßenbauamt des Landkreises ist Planer und Bauherr für das Projekt in Gaggenau. Der Kreis beteiligt sich somit an dem Modellprojekt des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Dabei wird an der K3705 zwischen Ottenau und Sulzbach ein sogenannter Schutzstreifen in Form einer weißen, gestrichelten Linie für den Radverkehr angelegt. Dafür wurde die alte Mittelmarkierung komplett entfernt. „Dies ist aufgrund der geringen Fahrbahnbreite geboten“, so das Landratsamt.

Grundsätzlich wird erprobt, ob diese neue Art des Schutzstreifens das Radfahren außerorts sicherer macht. In den letzten Jahren haben sich Pedelecs und E-Bikes, mit denen man auch weite Strecken oder auch Steigungen wie Richtung Sulzbach komfortabel zurücklegen kann, als feste Größe im Straßenverkehr etabliert. Dadurch werden Landstraßen interessanter für den Radverkehr. Die Gaggenauer Stadtverwaltung begrüßt nach eigenem Bekunden den Test, weil er die Verkehrssicherheit für den Radfahrer erhöhen soll.

Hier geht es zur Leserumfrage zum Thema Schutzstreifen vom Juli 2020.

Artikel zum Schutzstreifen zwischen Baden-Baden-Sandweier und Baden-Oos.

Talabwärts in Richtung Ottenau gibt es eine Markierung, die den Bereich für Radfahrer hervorhebt. Foto: Ulrich Jahn

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Talabwärts in Richtung Ottenau gibt es eine Markierung, die den Bereich für Radfahrer hervorhebt. Foto: Ulrich Jahn

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BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
12. Juli 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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