Karlsruhe: Sven Weigt will Oberbürgermeister werden

Karlsruhe (kli) – Sven Weigt ist seit 2007 Bürgermeister in Karlsdorf-Neuthard, jetzt will er Oberbürgermeister von Karlsruhe werden. Wer ist der Kandidat und was hat er vor?

Tritt als unabhängiger Kandidat an und will den städtischen Haushalt in Ordnung bringen: Der CDU-Kommunalpolitiker Sven Weigt. Foto: Dieter Klink

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Tritt als unabhängiger Kandidat an und will den städtischen Haushalt in Ordnung bringen: Der CDU-Kommunalpolitiker Sven Weigt. Foto: Dieter Klink

Am 6. Dezember sind die Karlsruher aufgerufen, einen neuen Oberbürgermeister zu wählen. Amtsinhaber Frank Mentrup (SPD), der auch von den Grünen unterstützt wird, möchte das Mandat für eine zweite Amtszeit. Sein Hauptkontrahent ist der bisherige Bürgermeister von Karlsdorf-Neuthard: Sven Weigt. Der Kommunalpolitiker ist CDU-Mitglied, wird von der FDP unterstützt, tritt aber als unabhängiger Kandidat an. Er sagt: „Ich möchte die Wahl gewinnen. Im zweiten Wahlgang am 20. Dezember.“ Wer ist dieser Mann und was hat er vor?

Die CDU hat lange gebraucht, um ihren Kandidaten in Karlsruhe vorzustellen. Erst Mitte September war es so weit. Im Sommer liefen erste Vorfühlgespräche. Die örtliche CDU, die bei der letzten OB-Wahl mit ihrem Kandidaten Ingo Wellenreuther schon im ersten Wahlgang Schiffbruch erlitten hat, nahm Kontakt zu Weigt auf. Er ist seit 2007 Bürgermeister in Karlsdorf-Neuthard, mit knapp 10.000 Einwohnern im nördlichen Landkreis Karlsruhe gelegen.

Familienurlaub, um durchzutanken

Weigt, der ursprünglich aus der Nähe von Halle stammt und seit 1990 in Baden lebt, spricht von einem Reifungsprozess, was die Kandidatur in Karlsruhe angeht. Zuerst hat er es mit seiner Familie besprochen, seiner Frau und den drei schulpflichtigen Kindern, denn Familienleben sei ihm wichtig. „Ende August haben wir als Familie eine Woche Urlaub gemacht, um nochmal durchzutanken, denn uns war allen klar: Bis mindestens 6. Dezember habe ich andere Aufgaben“, erzählt er. Dann habe er entschieden, anzutreten.

Seitdem führt Weigt Gespräche in der Stadt, versucht herauszufinden, was die Karlsruher und Karlsruherinnen bewegt, führt Wahlkampf. Als unabhängiger Kandidat, das ist ihm wichtig. Denn das habe er auch in Karlsdorf-Neuthard bisher so gehalten: Er sei im Herzen Christdemokrat, aber er sieht seine Aufgabe als überparteilich an – denn als Vorsitzender des Stadtrats wolle er sich immer für die beste Lösung einsetzen. Er halte das auch so als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag. „In meiner Fraktion gibt es keinen Fraktionszwang. Jeder darf und so soll es auch sein, nach bestem Wissen und Gewissen abstimmen“, versichert er.

Welche Schwachstellen sieht er in Karlsruhe, die er als Oberbürgermeister anpacken würde? Weigt fällt als erstes der städtische Haushalt ein. Solide Finanzen seien das wichtigste, und da sieht er in Karlsruhe große Defizite, die nicht nur coronabedingt seien. „Da braucht es einen Krisenmanager, der die Dinge mal wieder ordnet und die Finanzen in Ordnung bringt, damit wir die Souveränität über die Haushaltszahlen behalten“, fordert er und meint damit sich selbst.

Im Umgang mit Zahlen kennt er sich aus, er bringt das Handwerkszeug dafür mit, hat an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl studiert. Man müsse zunächst die Ärmel hochkrempeln und den Haushalt in Ordnung bringen.

Der Diplom-Verwaltungswirt verweist auf das Defizit im Karlsruher Haushalt: Für 2021 werde inzwischen von einem Minus von mehr als 100 Millionen Euro ausgegangen. „Dass da etwas nicht richtig funktioniert, ist, glaube ich, jedem klar.“ Dennoch verspricht er, in Zukunft zu investieren: ÖPNV, Infrastruktur, Schulen und Kindergärten. Das kostet alles Geld. Wie das zusammenpasst? Weigt setzt auf „Werkzeuge“, die er in Karlsdorf-Neuthard und im Landkreis anwendet: Ziele definieren, festlegen, wie viel Mittel man dafür braucht und die Finanzplanung danach ausrichten. Was ausgegeben werde, müsse erwirtschaftet werden.

Wohnraum, Verkehr und Wirtschaft

Weigt kennt die Einwände. „Klar sagen jetzt viele: Karlsruhe ist ja viel größer als Karlsdorf-Neuthard.“ Das ficht ihn nicht an. Er glaubt, seinen Ansatz auch auf die Großstadt übertragen zu können.

Wohnraum, Verkehr und Wirtschaft sind weitere Themen, mit denen er punkten will. Natürlich müsse man auf den starken ÖPNV in Stadt und Land setzen, aber man dürfe nicht vergessen, dass viele Mitarbeiter auch mit dem Auto zur Firma kommen.

Auch in der Wirtschaft spüre er Unbehagen mit der aktuellen Situation. „Unternehmer sagen mir, sie bräuchten wieder einen richtigen Ansprechpartner. Und Handwerksbetriebe sagen mir, sie hätten das Gefühl, in der Stadt nicht gewollt zu sein.“ Andere wiederum berichteten ihm, dass Mitarbeiter keine Wohnung finden oder sich das Wohnen in der Stadt nicht leisten können. Er sei sich sicher, dass man in Karlsruhe Flächen finden kann, die bebaut werden können. Aus solchen Bausteinen setzt sich sein Programm zusammen.

Manche kritisieren, er fordere nur das, was es ohnehin schon seit Langem in Karlsruhe gebe. Offenbar sei er schlecht informiert. Weigt hält das für unlautere Kritik. „Ich rede nicht einfach so daher“, meint er. Beispiel Kostenkontrolle für Großprojekte: Wenn es diese bereits gebe, dann funktioniere sie eben nicht richtig. „Ich sage ja nicht, dass alles schlecht ist, aber es geht um Potenzial, das man nutzen kann.“ Weigt ist eher ein Mann der leisen Töne. Draufhauen ist nicht so sein Ding. Als „absolut fairen“ Politiker beschreibt er sich selbst.

Wichtig ist ihm eine „sachorientierte Kommunalpolitik“, das sei so in Karlsdorf-Neuthard: „Das haben wir gemeinsam geschafft, über alle Parteigrenzen hinweg“, bilanziert er. Zum Beispiel habe man die Fusion der Feuerwehren gut hinbekommen. Auch habe er frühzeitig das Thema Kinderbetreuung und flexible Grundschule auf den Weg gebracht, obwohl das in seiner CDU zu seinem Amtsantritt 2007 noch gar kein Thema gewesen sei.

Klar, Wahlkampf ist auch anstrengend. Weigt ist Handballer, bis 2007 aktiv. Früher wollte er sogar Sportprofi werden. Sport hilft ihm, abzuschalten. „Ich habe das Glück, dass mir Sport sehr viel Spaß macht. Das begleitet mich schon mein ganzes Leben.“ Das sei wichtig momentan, bei seinen 90-Stunden-Wochen, weil er das Bürgermeisteramt in seiner Heimatgemeinde und den Wahlkampf in Karlsruhe stemmen muss. „Wenn Sie fit sind, halten Sie das eine Weile durch, aber natürlich kein halbes Jahr.“

Freundschaft mit Brasilien

Der 49-Jährige hat zudem eine intensive Beziehung zu Brasilien, als Präsident der Badisch-Südbrasilianischen Gesellschaft. Das hat sich historisch entwickelt. Vor etwa 160 Jahren sind Badener nach Brasilien ausgewandert. Die Nachfahren haben in die alte Heimat wieder Kontakt aufgenommen, daraus entwickelte sich eine Freundschaft.

Ihm bereitet die Unzufriedenheit vieler Menschen Sorgen. „Wenn Sie bloß mal über die Grenze fahren, sehen Sie, wie privilegiert wir in Deutschland leben“, findet er. Das versucht er auch seinen Kindern zu vermitteln. Im vergangenen Jahr hat er mit seiner Familie eine Tour durch Südafrika gemacht. „Wir haben uns ganz bewusst mit den Kindern die Townships angeschaut, damit sie sehen, wie das normale Leben auf anderen Kontinenten abläuft, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie gut es uns eigentlich geht.“

Nun will er Oberbürgermeister werden, aber sein Bekanntheitsgrad könnte natürlich höher sein. In Corona-Zeiten ist es schwer, ihn zu steigern. Plötzlich ist der klassische Wahlkampf mit Plakaten und Flyern wieder gefragt. Hinzu kommen Videoformate und Online-Podiumsdiskussionen.

Auf Fragen nach seinem Bekanntheitsgrad in der Stadt hat er sich einen Handball-Vergleich zurechtgelegt: „Ich will nicht in der Halbzeitpause vorn liegen, sondern am 20. Dezember in der Stichwahl. Ich will das Spiel gewinnen und brauche dafür ein gutes Gefühl für die zweite Halbzeit, und das habe ich.“

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Erstellt:
23. November 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 35sec

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