Szenische Krippe als lebendiges Evangelium

Von Winfried Förderer

Gernsbach (red) – In der evangelischen St. Jakobskirche in Gernsbach wird viel mehr als nur die Menschwerdung Christi dargestellt.

Szenische Krippe als lebendiges Evangelium

Die Weisen beten das Kind an und bringen ihre Gaben. Im Vordergrund erzählen die Hirten „allem Volk“, was sie erlebt haben. Foto: Winfried Förderer

Seit über 40 Jahren ist es der pensionierten evangelischen Pfarrerin Margarethe Schmid aus Gernsbach ein Herzensanliegen, durch Weihnachtskrippen mit figürlichen Inszenierung das Wort Gottes anschaulich zu verkünden. Mehr als 20 Jahre lang baut sie jedes Jahr mit Helfern aus der St. Jakobs-Gemeinde eine besondere Krippe auf. Zuvor hatte sie die biblischen Erzählfiguren zusammen mit Gemeindemitgliedern geschaffen, so wie sie es vor vielen Jahren im evangelischen Stift Urach gelernt hatte. Dieses Mal wurde die Krippe aber coronabedingt nicht aufgebaut.

Bis in das vergangene Jahrhundert hinein waren im pietistischen Württemberg figürliche Weihnachtskrippen eine Seltenheit und galten als katholisches Andachtsobjekt. Einem evangelischen Christenmenschen hatten Bibel, Predigt und Gesangbuch zu genügen, um an die Menschwerdung Gottes zu glauben. Mittlerweile ist die evangelische Weihnachtskrippe wie selbstverständlich heimisch geworden.

Wer den Chorraum der evangelischen St. Jakobskirche in Gernsbach betritt, findet eine raumgreifende „Krippenschau“ mit Erzählfiguren, die über die Geburt Christi im Stall von Bethlehem hinausgeht. Unter dem Leitspruch „Menschenwege – Gottes Weg“ werden Figuren in 24 Szenen gezeigt. Die schlicht gehaltenen Figuren drücken sich durch ihre bedeutungsvolle Gestik aus. Die Kleidung soll der Zeit Jesu entsprechen. „Alle Figuren haben schwere Wege durchzustehen, doch Gott geht diese Wege mit“, wie es Margarethe Schmid bei einer meditativen Krippenführung erläuterte.

Bäume markieren Anfang und Ende

Den Anfang und das Ende der wiedergegebenen biblischen Ereignisse markieren Bäume: der Apfelbaum des Paradieses und eine Palme in der Einöde auf der Flucht nach Ägypten. Nach einer Legende rettete diese Palme die Heilige Familie in der Wüste vor dem Verhungern und Verdursten.

Die Hauptszene zeigt im schlichten Stall von Bethlehem die Heilige Familie mit Ochs und Esel und die anbetenden drei Könige. Im Vordergrund erzählen die Hirten, die bereits auf dem Rückweg sind, „allem Volk“, was sie gesehen haben.

Die Weihnachtskrippe von St. Jakob ist ein lebendiges Evangelium, das dazu einlädt, uns geistlich auf den Weg zu machen.

Die schönsten Krippen im Tal

In einer BT-Serie stellt Winfried Förderer aus Gaggenau die schönsten Krippen von Baiersbronn bis Rastatt vor. Die Krippen stammen durchweg aus dem 20. Jahrhundert. Bislang haben wir die mechanische Krippe in St. Valentin in Langenbrand vorgestellt, die Teigfigurenkrippe Mitteltal, die Tonfigurenkrippe Schönmünzach, die fast lebensgroße Krippe in St. Johannes Baptista in Forbach, die Krippe im Schwarzwaldstil in Bermersbach und die Stall- und Landschaftskrippe in St. Wendelin in Weisenbach als älteste Kirchenkrippe im Murgtal. In der Montagausgabe präsentierten wir die Wurzelkrippe in der Herz-Jesu-Kirche in Obertsrot.