TSV Loffenau: Gewinner der Corona-Zeit

Loffenau (mi) – Der TSV Loffenau war bei zwei Saisonabbrüchen jeweils Schlusslicht, bleibt aber trotzdem Fußball-Landesligist – dank Corona.

Technikvorsprung, aber Frustergebnisse in Loffenau: Sven Huber installiert die Kamera am Flutlichtmast. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Technikvorsprung, aber Frustergebnisse in Loffenau: Sven Huber installiert die Kamera am Flutlichtmast. Foto: Frank Vetter/Archiv

Mit der Anekdote kann Sven Huber seine Enkel irgendwann in ferner Zukunft garantiert beeindrucken, wenn er dann in etwa so zu erzählen beginnt: „Wir konnten damals noch so schlecht spielen und in der Tabelle ganz schlecht dastehen: Passiert ist uns trotzdem nichts.“ Wenn Verbandsfunktionäre den mittlerweile leicht antiquierten Leitspruch „Hipp, hipp hurra“ zum Besten geben, können sie beim TSV Loffenau frisch-fröhlich im Vereinsheim den Gassenhauer anstimmen: „Hurra, hurra, der Saisonabbruch ist da.“

Gleich zweimal ist der Landesligist dem Abstieg von der Schippe gesprungen, obwohl man zum Saisonende beide Male trauriges Schlusslicht war. Nur, dass die Spielzeiten eben nicht wie gewöhnlich Anfang Juni beendet wurden, sondern im Vorjahr zunächst im März und beim nächsten Anlauf Ende Oktober. Corona lässt sich den Spielplan und die Termine nicht von Verbandsfunktionären vorschreiben, die nach monatelangem Hoffen und Bangen letztlich vor dem Virentreiben kapitulieren mussten und per Beschluss die Annullierung verkündeten.

Bezüglich der Saison 2019/2020 profitierte der TSV von der Quotientenregel, die keinen Absteiger in der Landesliga – wie auch in allen anderen Bezirksklassen – vorsah. Und in der kürzlich gestoppten Spielzeit 2020/21 kam dem Stamminhaber der Roten Laterne zupass, dass gerade einmal zehn Punktspiele absolviert werden konnten und damit die Mindestanzahl zur Wertung – eine komplette Hinrunde – verfehlt wurde. Erste, zweite Corona-Welle – der TSV sah sich trotz bisweilen schlimmer Ergebnisse am Ende stets auf der Erfolgswelle.

Huber: „Wirklich spezielle Situation“

„Das ist wirklich eine spezielle Situation, dass wir zweimal am grünen Tisch nicht abgestiegen sind. Ich bin eben auch ein außergewöhnlicher Trainer“, sagt Sven Huber und lacht los. Dabei denkt er zunächst an seinen langjährigen Herzensverein Rot-Weiß Elchesheim, wo er nach dem freiwilligen Ausstieg von Christian Hofmeier im Vorjahr einmal als Trainer fungierte – und siegte, ehe er den Wechsel nach Loffenau vollzog. Danach wütete das Virus. Sein Vater Joachim wirkte beim TSV nach der Trennung von Patrick Ebner auch nur kurzzeitig. Man könnte nach zwei vermaledeiten Spielzeiten auch sagen: Familie Huber kam – doch Corona ließ sich nicht vertreiben.

Und genau deshalb ist der TSV trotz neun Niederlagen in zehn Punktspielen und einem wenig schmeichelhaften Torverhältnis von 6:36 Stand Ende Oktober 2020 weiter Landesligist. „Gerade in den Auswärtsspielen traf es uns bisweilen brutal“, erinnert sich Huber junior an einige Stimmungskiller.

Er gibt auch offen zu, dass vereinsintern darüber nachgedacht und diskutiert wurde, ob man angesichts der Niederlagenserien dem Beispiel des 1. SV Mörsch folgen solle, der in der Vorsaison angesichts von Chancen- und Perspektivlosigkeit sich freiwillig von der Verbands- in die Landesliga herabstufen ließ. „Wir haben das Pro und Contra abgewogen, aber der Großteil meiner Spieler war dafür, in der Landesliga zu bleiben. Der Ausstieg war ein Thema, aber wir wollen es trotzdem nochmals versuchen.“ Auch der persönliche Ehrgeiz verbietet es ihm, die weiße Fahne zu hissen, da er zumindest als Spielertrainer noch gar nicht richtig in Erscheinung treten konnte. „Ich war in den Punktspielen nie richtig fit, es war vielmehr eine Rumquälerei, es hat bei mir im Knie immer wieder gezuckelt.“ Im Dezember ließ er sich folglich am Meniskus operieren.

Schlusslicht-Hattrick durchaus möglich

Auch andere als Leistungsträger eingeplante Akteure wie sein routinierter Assistent Robin Seeger (Knie) oder die als Sturm-Hünen geholten Neuzugänge Marius Ganz (Achillessehnenriss) und Renato Vrbaslija (beruflich ausgesetzt) waren bislang keine Verstärkung.

„Gerade für unser Ziel Klassenerhalt braucht man Kämpfertypen. Es ist aber sehr schwer, solche zu kriegen. Viele, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir auch offen, dass sie lieber unterklassig spielen als in der Landesliga. Da hat sich viel verändert in der Einstellung seit meinen Anfangszeiten“, sagt Sven Huber, der in Elchesheim auch im Schatten seines Bruders Florian zum Führungsspieler reifte. Zwei Neue sollen auf alle Fälle vor dem Neustart kommen.

Trotz aller Frusterlebnisse fühlt sich der „Leader of the Pack“ beim TSV wohl. Deshalb verlängerte er auch seinen Vertrag. „Es geht für uns nur über den Teamgeist. Der ist definitiv vorhanden, wir sind eine geschlossene Einheit.“ Wenn schon verlieren, dann mit Würde und in vom Kampf verschmierten Trikots.

Wenn Corona im Spätsommer hoffentlich endlich in die Defensive gedrängt sein wird, kämpft man erneut als David gegen jede Menge Goliaths. Der Hattrick als Schlusslicht ist keine kühne Prophezeiung, sondern realistische Einschätzung nach zwei bitteren Erfahrungen. Auch die modernste Technik im Stadion, also das Coaching Eye für die Taktik- und Spieleranalyse, ändert daran wenig. Sven Huber weiß das: „Es macht Spaß, damit zu arbeiten, da fühlt man sich fast schon als Profitrainer. Das Schwierige ist nur die Umsetzung auf dem Rasen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
26. April 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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