TV Bühl: Neuer Trainer Simtion im Interview

Bühl (ket) – Flavius Simtion tritt in große Fußstapfen – und zwar in die von Turnlegende Gerd Lugauer: Der Rumäne ist ab September neuer Cheftrainer des TV Bühl.

Gibt bei den Bühler Turnern ab Dienstag den Ton an: Der neue TVB-Cheftrainer Flavius Simtion. Foto: Frank Seiter

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Gibt bei den Bühler Turnern ab Dienstag den Ton an: Der neue TVB-Cheftrainer Flavius Simtion. Foto: Frank Seiter

Dienstag wird zweifelsohne ein besonderer Tag für die Turner des TV Bühl. Zum einen endet dann zumindest offiziell die über 40-jährige Cheftrainer-Ära von Bühls Turnvater Gerd Lugauer, zum anderen übernimmt ab sofort Flavius Simtion das Kommando in der Turnstube der Bühler Großsporthalle. Der 43-jährige Rumäne war zuletzt Trainer am Turn-Leistungszentrum in Ulm. Was ihn und seine Familie nun nach Bühl geführt hat und wie er sich die Arbeit mit den Turnern aus der Zwetschgenstadt vorstellt, verriet Simtion im Interview mit BT-Redakteur Frank Ketterer.

BT: Herr Simtion, Sie und Ihre Familie wohnen mittlerweile seit ziemlich genau einem Monat in Bühl. Wie gefällt es Ihnen in der Zwetschgenstadt?

Flavius Simtion: Gut. Sehr gut sogar. Bühl ist ein nettes, kleines Städtchen, das gut zu uns passt. Man hat hier seine Ruhe und eine wunderbare Landschaft drumherum. Vor allem für meine Tochter Ariadna ist mir ein solches Umfeld sehr wichtig.

BT: Was wussten Sie vor Ihrer Bewerbung auf die Cheftrainerstelle beim TVB über Bühl?

Simtion: Also wenn ich ehrlich bin, nicht so viel. Außer dass es hier gute Turner gibt.

Jugendmeister in Rumänien

BT: Der TV Bühl hat lange nach einem Nachfolger für Cheftrainer Gerd Lugauer gesucht. Wie kam nun der Kontakt zu Ihnen zustande?

Simtion: Ich war seit rund einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld und bin dabei auch auf die Stellenanzeige, die der TVB aufgegeben hatte, gestoßen. Am Ende hatte ich zwar noch drei andere Angebote, unter anderem in Frankfurt und in der Schweiz, aber Bühl hat mir und meiner Familie von Anfang an am besten gefallen.

BT: Sie waren zuletzt als Trainer am Turn-Leistungszentrum in Ulm tätig. Was hat Sie dazu bewogen, sich beim TVB zu bewerben?

Simtion: Das Leistungszentrum hat vor rund einem Jahr einen neuen Cheftrainer bekommen – und zwischen ihm und mir hat es einfach nicht so gepasst. Ich fand es deshalb besser, mich nach etwas Neuem umzusehen und schließlich zu gehen.

BT: Wie unterscheidet sich die Arbeit an einem Leistungszentrum von jener im Verein?

Simtion: In einem Leistungszentrum steht die rein turnerische Leistung deutlich mehr im Vordergrund als im Verein, wo man sich als Trainer auch um die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen über den Sport hinaus kümmern kann und das auch tun sollte. In Ulm ging es in erster Linie um bestmögliche Platzierungen bei Wettkämpfen und die damit verbundene Kaderzugehörigkeit. Ich denke, in Bühl ist das anders, auf jeden Fall familiärer – und gerade für Kinder, die mit dem Turnen erst beginnen, auch besser.

BT: Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Gerd Lugauer waren Sie in Ihrer Heimat Rumänien selbst als Turner aktiv. Was waren Ihre größten Erfolge?

Simtion: Ich war mehrfach rumänischer Jugendmeister und Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft. Allerdings habe ich dann mit 18 Jahren verletzungsbedingt mit dem Turnen aufhören müssen. Danach habe ich erstmal zwei Jahre Pause gemacht, bevor ich als Übungsleiter begonnen habe. Zuerst nebenbei, später hauptberuflich. Nach einem Jahr in England bin ich dann 2016 in Ulm gelandet.

BT: Rumänien war – vor allem bei den Frauen – eine Turngroßmacht. Gibt es so etwas wie eine rumänische Turnschule, einen rumänischen Turnstil?

Simtion: Es wird auf jeden Fall viel Wert auf Eleganz gelegt. Das steht ganz oben. Erst dann kommt die Kraft und alles andere.

BT: Herr Simtion, wie gefallen Ihnen die Trainingsbedingungen in der Bühler Großsporthalle?

Simtion: Es ist wirklich eine sehr schöne Halle, die tolle Trainingsmöglichkeiten bietet. Ein bisschen erinnert sie mich an meine Heim-Trainingshalle in Rumänien, auch wenn die ein bisschen größer war. Wichtig ist, dass wir über eine Schnitzelgrube verfügen. Das ist im Training ein Riesenvorteil. Selbst in Ulm hatten wir keine, zumindest keine so große.

Fünf Wochen Vorbereitung

BT: Als Cheftrainer sind Sie ab sofort für alle Turner im Verein zuständig, vom Nachwuchs bis zur Drittliga-Mannschaft. Das klingt nach Herkulesaufgabe…

Simtion: Ja. Aber das war auch in Ulm so. Dort war ich auch für fünf Gruppen verschiedenster Altersklassen – von fünf Jahren bis hin zur Zweitliga-Mannschaft – verantwortlich. Das ist also nichts Neues für mich – und nichts, was ich nicht schon kenne und kann. Ich bin für alle Turner in der Halle da.

BT: Ein neuer Trainer bringt immer auch Veränderungen mit. Was wollen und werden Sie verändern?

Simtion: Das weiß ich nicht. Dafür muss ich den Verein und die Jungs erstmal besser kennenlernen. Danach werden wir weitersehen und einen Plan für die Zukunft aufstellen.

BT: Die Drittligasaison startet am 10. Oktober. Da bleibt Ihnen nicht viel Zeit, um die Mannschaft kennenzulernen. Wie wollen Sie diese nutzen?

Simtion: Bis zum ersten Wettkampf sind es noch rund fünf Wochen, das sollte ausreichen, um gut vorbereitet in den ersten Wettkampf gehen zu können. Bis Ende August werden wir viel Kraft trainieren, danach werden wir uns auf die wichtigen Übungen an allen Geräten konzentrieren, um sie stabil und sauber turnen zu können.

Zweitliga-Aufstieg gerne wiederholen

BT: Wegen Corona umfasst die Saison zunächst nur drei Wettkämpfe. Ist das für Bühl angesichts des Trainerwechsels ein Vor- oder ein Nachteil?

Simtion: Ich sehe es eher als Vorteil. Zum einen gibt es in diesem Jahr keinen Absteiger, was Druck von uns nimmt. Zum anderen müssen sich die Jungs nur auf drei anstatt auf sechs Wettkämpfe konzentrieren. Das ist einfacher.

BT: Die Turner der Bühler Drittliga-Mannschaft sind zum Großteil das, was man „alte Hasen“ nennt. Was können Sie denen noch beibringen?

Simtion: Um das sagen zu können, muss ich die Jungs noch besser kennenlernen.

BT: Der Aufstieg in die 2. Liga Anfang 2019 war der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Wie sehr ist es Ihr Ziel, diesen zu wiederholen?

Simtion: Natürlich würde ich das gerne wiederholen. Aber ich würde dann auch gerne länger in der 2. Liga drinbleiben als nur eine Saison. Dazu müssen wir das Fundament verbreitern.

BT: Was wünschen Sie sich für Ihre erste Saison in Bühl?

Simtion: Dass alle Jungs gesund und ohne Verletzungen durchkommen. Außerdem wäre es mir ein Anliegen, die Leistungen an den ersten drei Geräten – also Boden, Pferd und Ringe – zu verbessern. Die sind sehr wichtig, weil man den Gegner da mit einer hohen Punktzahl unter Druck setzen und selbst Selbstvertrauen tanken kann.

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Erstellt:
30. August 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 14sec

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