TV-Spektakel in Krisenzeiten

Baden-Baden (wyst) – Das Fernsehjahr 2022 ist geprägt von teuren Serien, umstrittenen Sportevents und jeder Menge starker Frauen.

Szene der Serie „Der Herr der Ringe“, die für ihre zweite Staffel von Neuseeland nach Großbritannien verlegt wird. Die Serie soll 2022 bei Amazon Prime starten. Foto: Amazon Studios/PA Media

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Szene der Serie „Der Herr der Ringe“, die für ihre zweite Staffel von Neuseeland nach Großbritannien verlegt wird. Die Serie soll 2022 bei Amazon Prime starten. Foto: Amazon Studios/PA Media

Neue Serien, aufwendige Filme und jede Menge Sport: Das Fernsehprogramm 2022 setzt auf teure Spektakel, die dem Publikum Abwechslung in Krisenzeiten versprechen. So dürfen sich Fans auf neue Folgen von „Babylon Berlin“ und auf eine milliardenschwere „Herr der Ringe“-Adaption freuen – nicht nur die Streamingdienste, sondern auch ARD, ZDF oder RTL mischen mehr denn je beim Serienboom mit. Außerdem füllt die Übertragung teils hochumstrittener Sportspektakel 2022 viele Sendestunden, allen voran die Olympischen Winterspiele in Peking (ab 4. Februar) und die Fußball-WM in Katar (ab 21. November). Beim „Tatort“ dreht sich das Personalkarussell, und einiges deutet darauf hin, dass es 2022 endlich mehr Frauen auf dem Bildschirm geben wird als bisher.

Im Januar buhlen die Sender traditionsgemäß mit großen Events um die Zuschauergunst. Das ZDF startet mit dem deutsch-deutschen Dreiteiler „Der Palast“ (ab 3. Januar) ins Jahr, im Zentrum steht der Berliner „Friedrichstadt-Palast“. Pro Sieben lässt in „The Masked Dancer“ (ab 6. Januar) verkleidete Promis tanzen, das Kult-Duo Thiel und Boerne ist im Münster-„Tatort“ (16. Januar, ARD) zum 40. Mal im Einsatz, und am 31. Januar läuft das Finale der ZDF-Reihe „Neben der Spur“ mit Ulrich Noethen. Ein trauriges Kapitel schlägt der Fernsehfilm „Die Wannseekonferenz“ (24. Januar, ZDF) auf: Er erinnert an die Organisation des systematischen Massenmords an den Juden in der NS-Zeit.

Ein Highlight zum Jahresauftakt ist üblicherweise die RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ aus Australien. Wegen der Pandemie gab es 2021 nur eine in Deutschland produzierte Schmalspurvariante des Ekel-Events, das soll diesmal anders sein: Südafrika ist als Ausweichquartier vorgesehen, ein Plan, an dem RTL bislang trotz der Omikron-Variante des Coronavirus festhält.

Serien-Adaption „Der Herr der Ringe“

2022 wird vor allem das Jahr einer fast schon inflationären Serienschwemme, wegen der Vielzahl können hier nur die aufwendigsten Produktionen erwähnt werden. Dazu zählen neben „House of the Dragon“ (Sky), dem Spin-off von „Game of Thrones“, auch die Serienadaption der Romantrilogie „Der Herr der Ringe“ (ab September, Amazon) mit fünf Staffeln und Produktionskosten von insgesamt einer Milliarde US-Dollar. Sky hat die vierte Staffel von „Babylon Berlin“ angekündigt, die 1930/31 spielt, bei Netflix gibt es mit „The Empress“ eine weitere Sissi-Serie, nachdem zuletzt RTL vorgelegt hat. Das ZDF hat aus Frank Schätzings lange als unverfilmbar geltendem Ökothriller „Der Schwarm“ einen Achtteiler gemacht, bei der ARD feiert die Kultserie „Mord mit Aussicht“ ein Comeback, leider ohne Bjarne Mädel, und in der internationalen Serie „Das Netz“ (ARD) mit Tobias Moretti als Ex-Profikicker geht es um Korruption, Macht und Gier im globalen Fußball. Sinnigerweise startet sie im November zeitgleich zur WM in Katar. Und: Pumuckl, der Kobold mit dem roten Haar, feiert mit einer neuen Serie auf RTL sein Fernsehcomeback.

Neben Serien gibt es natürlich auch Fernsehfilme – im März etwa greift Jan Josef Liefers als Regisseur in „Honecker und der Pastor“ (ZDF) ein Kapitel im Leben von Erich Honecker auf – der Politiker hatte 1990 nach seinem Sturz als SED-Generalsekretär und Vorsitzender des Staatsrates der DDR Unterschlupf bei einem Pfarrer gefunden. Und dann gibt es da ja noch die Sonntagskrimis der ARD: da stehen 2022 einige Personalwechsel an. Charly Hübner ermittelt am 9. Januar zum letzten Mal im Rostocker „Polizeiruf 110“, und Meret Becker steigt beim Berliner „Tatort“ aus – ihr Finale läuft in der zweiten Jahreshälfte, ihre Nachfolgerin Corinna Harfouch hat bald danach Premiere.

Frauenpower und Diversität

Richtig interessant wird es beim Thema Show, denn hier stehen die Zeichen auf Frauenpower und Diversität: Mit Barbara Schöneberger, die ab April als Nachfolgerin von Guido Cantz „Verstehen Sie Spaß?“ moderiert, darf endlich mal wieder eine Frau eine Primetime-Show im Ersten präsentieren. Bei „Germany’s Next Topmodel“ (Frühjahr, Pro Sieben) ist die Altersgrenze aufgehoben, die älteste Teilnehmerin ist diesmal 68 Jahre alt. Im Ersten moderiert Sandra Maischberger ein neues Gesprächsformat, das dienstags und mittwochs läuft, und die Komikerin Tahnee bekommt eine neue Personality-Show.

Apropos erfolgreiche Frauen: 1982, also vor bald 40 Jahren, gewann Sängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den europäischen Schlagerwettbewerb.

Wer dieses Jahr für Deutschland antritt, entscheidet sich im März bei einem nationalen Vorentscheid im Ersten. Viel schlechter als im Vorjahr kann es aus deutscher Sicht nicht laufen: 2021 landete Jendrik aus Hamburg auf dem vorletzten Platz.


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