TVS Baden-Baden bleibt Topteam in der Oberliga

Baden-Baden (moe) – Mit einer Mischung aus Talent und Erfahrung gehören die Sandweierer zu den Topteams in der Oberliga. Nicht wenige trauen den Handballern den Aufstieg in die dritte Bundesliga zu.

„Eine sehr starke Mannschaft“, findet Sportdirektor Simon Riedinger: Der TVS-Kader für die Saison 2021/22. Foto: Raymund Kunz

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„Eine sehr starke Mannschaft“, findet Sportdirektor Simon Riedinger: Der TVS-Kader für die Saison 2021/22. Foto: Raymund Kunz

Es gibt nicht wenige Experten, die es für ziemlich wahrscheinlich halten, dass der TVS Baden-Baden nächste Saison nicht mehr in der Handball-Oberliga an den Start geht – sondern eine Spielklasse höher, also in der dritten Bundesliga. Und in der Tat: Es gibt eine Reihe von Indizien, die diese These stützen: eine über Jahre eingespielte Mannschaft, extrem vielversprechende Neuzugänge und – vor allem das hat in der Vorbereitung aufhorchen lassen – bemerkenswerte Testspielergebnisse.

Unter anderem haben die Sandweierer den Drittligisten SG Leutershausen kurz vor dessen Saisonstart geschlagen und obendrein den HG Oftersheim/Schwetzingen – ebenfalls ein Vertreter aus Liga drei – mit einem dezimierten Kader nach allen Regeln der Handballkunst mit 35:26 zerlegt. Sandro Catak tritt allerdings auf die oft bemühte Euphoriebremse, die Ergebnisse in der Vorbereitung seinen „kein Maßstab für den Saisonauftakt“ Freitagabend im Derby beim TuS Schutterwald (20 Uhr), findet der Trainer der Sandweierer. Und auch mit der vermeintlichen Favoritenrolle „haben wir uns wenig befasst“, so Catak.

Catak: „Die Liga ist eine Wundertüte“

Das wiederum hat viele Gründe. Zum einen ist man beim TVS schlichtweg vorsichtig, zu sehr vorauszuplanen, was nicht weiter verwundert, schließlich konnten die vergangenen zwei Spielzeiten nicht auf sportlichem Weg beendet werden. Insofern lautet die primäre Zielsetzung des Trainers und auch seinen Schützlingen: „Gesund bleiben, Woche für Woche neu fokussieren und die Runde sportlich zu Ende spielen“. Andere, große Parolen auszugeben, mache für ihn keinen Sinn. Denn auch die am Freitag startende Runde hält Catak unter pandemischen Gesichtspunkten und mit Blick auf den Ausgang „für ein unsicheres Ding. Keiner von uns weiß, was in zwei Wochen passiert“.

Ganz ähnlich äußert sich Catak – ein Handballverrückter und dank seines großen Netzwerks stets bestens informiert – zur Stärke der Konkurrenz. „Die Liga ist eine Wundertüte“, versichert der TVS-Coach. Ein, zwei ganz klare Favoriten gebe es im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht, vielmehr biete die aktuelle Lage noch mehr Raum für Überraschungen. „Konstanz II, Köndringen, Neuenbürg, vielleicht auch Weinsberg“ hat Catak auf der Rechnung für die vorderen Platzierungen. Und natürlich seinen TVS. Denn: Zu viel Understatement muss es dann doch nicht sein.

Zurückhaltung beim Thema Aufstieg

Dazu passt die Aussage von Simon Riedinger: „Ich glaube, dass wir eine sehr starke Mannschaft haben“, sagt der sportliche Leiter der Grün-Weißen. Mehr kann man dem Funktionär zu diesem Thema kaum entlocken, außer, dass die sportliche Führung jede Form von Aufstiegsdruck von der Mannschaft fernhalten will. Daher wurde dieser Aspekt auch auf dieser Ebene nicht wirklich thematisiert. Und so lautet die Marschroute für die Saison: „Laufen lassen und schauen, was passiert.“

Durchaus euphorisch reagiert Riedinger hingegen, wenn er auf die Neuverpflichtungen zu sprechen kommt. „Schön ist, dass sich die Neuzugänge wahnsinnig gut akklimatisiert haben.“ Dieser frische Wind habe auch den etablierten Kräften zusätzlichen Rückenwind verliehen. Gegenseitig würden sich die jungen Wilden und die alten Hasen regelrecht „hochschaukeln“, hat Riedinger beobachtet, der angesichts der „guten Mischung aus Talent und Erfahrung“ frohlockt.

Einer der Neuen ist Jeremias Seebacher. Wobei ganz so neu ist der 22-Jährige nicht, schließlich hat der ehemalige Spielmacher der SG Steinbach/Kappelwindeck schon etwas mehr als ein Jahr beim TVS mittrainiert. Folglich war der Mittelmann „sofort integriert“. Prinzipiell hat Seebacher das Potenzial, dem TVS ad hoc weiterzuhelfen, weil er „neue Elemente“ auf der Schlüsselposition einbringt: „Im Eins-gegen-eins, mit seiner Torgefahr – das hat uns gefehlt“, berichtet Catak. Alle Last wird Seebacher diesbezüglich aber nicht auf seinen Schultern tragen müssen, schließlich steht mit Maximilian Vollmer ein erfahrener Spielgestalter parat. Insofern sagt der Trainer: „Er hat sehr gute Ansätze, wird aber in Sachen Taktik und Tempo noch etwas Zeit brauchen.“

Catak: „Sehr, sehr schwerer Auftakt

Mit allen Haftmitteln gewaschen ist hingegen der zweite vielversprechende Neuzugang: Jascha Lehnkering. Und auch beim 31-Jährigen „wussten wir genau, was wir bekommen“, so sein Coach. Das liegt wiederum daran, dass Catak den Kreisläufer zwei Jahre lang in seiner Zeit bei der SG Heidelsheim/Helmsheim trainiert hat. Lehnkering, der Kennern der mittelbadischen Szene auch noch aus seiner Zeit bei der SG Muggensturm/Kuppenheim bekannt ist, könne auf jeder Position verteidigen, sei wechselschonend in Angriff und Abwehr einsetzbar und obendrein die perfekte Ergänzung zu Matthias Seiter, dem anderen, deutlich wuchtigeren Kreisläufer des TVS. Catak: „Das macht uns viel variabler.“

Verpflichtungstechnisch ein echter Nachzügler ist derweil Tim Krauth. Der Kappelwindecker kommt aus der Bundesliga-A-Jugend der SG Pforzheim/Eutingen nach Sandweier und stieß erst Mitte Juli zum Team. „Er hat aber schon einen guten Eindruck hinterlassen“, lobt Catak. Der Übungsleiter will den 19-jährigen Beachhandball-Nationalspieler „behutsam aufbauen“, freut sich aber prinzipiell, mit dem Linkshänder über eine weitere Option im halbrechten Rückraum zu verfügen. „Jede Position ist jetzt doppelt besetzt, das wünscht man sich als Trainer.“

Spielplan ist kein Wunschkonzert

Alles andere als ein Wunschkonzert ist hingegen der Spielplan. Und das Derby beim TuS aus Schutterwald bezeichnet Catak als „sehr, sehr schweren Auftakt“. Gegen die „Roten Teufel“ von Trainer Nico Baumann schließt sich im Übrigen ein Kreis: Das letzte Pflichtspiel vor dem Saisonabbruch im vergangenen Jahr war der 27:23-Auswärtssieg in der Mörburghalle. Dort wartet am Freitag laut Catak ein „sehr eingespieltes Team“, ähnlich wie in Sandweier gibt es auch in der Ortenau verhältnismäßig Fluktuation, das Gros der Neuzugänge bilden Youngster aus der eigenen Jugend. Nach auskurierter Verletzung ist obendrein Rene Wöhrle wieder zurück im Team und kann bewährte Kräfte – Felix Zipf, Tim Heuberger, Christoph Baumann – tatkräftig unterstützen.

Doch auch bei den Grün-Weißen mangelt es an der Seite der beiden Anführer Christian Fritz und Franz Henke nicht an klangvollen, an prominenten Namen. Und wenn bei den Protagonisten ein Rädchen ins anderen greift, dann könnte es freilich doch etwas werden mit dem Abschied aus der Handball-Oberliga.

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

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Erstellt:
16. September 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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