Tägliche Musik-Kicks für Daheimbleiber

Rastatt (sl) – Musikliebhabern, seinen Kollegen und sich selbst will Pianist Frank Dupree das Daheimbleiben verschönern. In wechselnder Besetzung veröffentlicht er deshalb tägliche Musikvideos.

Mit einer Fotomontage wirbt Frank Dupree (am Flügel) für sein Projekt. In Wirklichkeit spielt er in seiner Rastatter Wohnung und Trompeter Simon Höfele zu Hause in Karlsruhe. Foto: privat

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Mit einer Fotomontage wirbt Frank Dupree (am Flügel) für sein Projekt. In Wirklichkeit spielt er in seiner Rastatter Wohnung und Trompeter Simon Höfele zu Hause in Karlsruhe. Foto: privat

Vor dem Problem der meisten freischaffender Künstler steht auch der Rastatter Pianist Frank Dupree: Wie fast alle Museen, Galerien, Theater und Opernhäuser sind auch die Konzertsäle wegen der Corona-Pandemie geschlossen. „Für mich sind mindestens bis Mitte Mai alle Auftritte abgesagt“, bedauert der 28-Jährige. Neben den fehlenden Einnahmen ist es vor allem das gemeinsame Musizieren mit den Kollegen und fürs Publikum, das der Berufsmusiker vermisst. Doch vergangene Woche kam ihm die zündende Idee.
Unter #StayHomeMusicSessions veröffentlicht der international tätige Pianist auf dem Internet-Portal Youtube kurze Musikstücke auf Video. Er spielt nicht etwa alleine, sondern zusammen mit Musikerkollegen aus nah und fern, teilweise aus anderen Ländern oder sogar Kontinenten. Der Clou: Jeder befindet sich dabei in seiner eigenen Wohnung, denn das Motto „Stay at home“ (Bleib zu Hause) wird in Zeiten der Epidemie wörtlich genommen – es handelt sich um Kammermusik im wahrsten Sinn des Wortes. Jüngst gab er zum Beispiel mit dem Klarinettisten Patrick Hollich – über 600 Kilometer Entfernung hinweg – ein Stück von Joseph Horovitz. Das Prelude Nr. 3 von George Gershwin spielte Dupree zusammen mit dem Trompeter Simon Höfele, mit dem er jüngst noch durch Europa tourte.

Viele fragen sich, was für ein Trick dabei ist

Jeder, der ein Instrument spielt oder Musikliebhaber ist, muss sich nun die Frage stellen, wie das möglich ist. Schließlich kommt es beim Zusammenspielen doch ganz besonders darauf an, dass sich die Musiker gegenseitig genau zuhören, aufeinander reagieren können. Wenn man Frank Dupree glaubt, ist das „total einfach“. Manche hätten schon gefragt, was für ein Trick dabei ist. „Aber es gibt keinen Trick.“ Allenfalls in der Auswahl des Musikstücks wäre er zu suchen. Denn Dupree sucht gezielt Musik aus, in der das Klavier die führende Rolle einnimmt.

Den Pianopart nimmt er alleine auf, sendet die Audiospur per E-Mail an seinen jeweiligen Kollegen, der dazu seine Stimme – ob nun auf Cello, Viola, Flöte Trompete oder was auch immer – einspielt. Die Tonspuren fügt der Rastatter dann am heimischen PC zusammen. Wer sich das Ergebnis anhört, dem wird schnell klar, dass hier Vollprofis am Werk sind.

Durch Corona brechen auch Einnahmen weg

Allein dass mit solchen Einnahmen keine klingende Münze zu erzielen ist, passt nicht ganz zum Wesen des Berufsmusikers, der von seiner Kunst schließlich Miete und alles andere bezahlen muss. Auch für Frank Dupree brechen durch die coronabedingten Konzertabsagen Einnahmen weg. Dass mit einem Angebot wie #StayHomeMusicSessions kein Geld zu verdienen ist, auch wenn ihn jedes Video zurzeit einen ganzen Arbeitstag beschäftigt, war ihm klar. Für Konzerte zu üben, die irgendwann im Sommer oder Herbst (hoffentlich) stattfinden, sei im Moment aber auch keine Option. Vielleicht bleibt man wenigstens im Gespräch, wenn man täglich ein Video veröffentlicht, hofft er. Es gibt ja auch eine Zeit nach Corona.

Im Moment profitiert Frank Dupree vor allem vom Kick, den ihm die tägliche Zusammenarbeit mit anderen Musikern gibt: „Das macht mich in diesen Zeiten einfach froh.“ Er wünscht sich, dass diese positive Energie auch auf die Musikfreunde im Netz überspringt. Die Reaktionen und Kommentare lassen jedenfalls vermuten, dass das klappt. Und auch seine Kollegen spüren den motivierenden Antrieb, „ihr Instrument wieder aus dem Koffer zu holen“. Nur wenige seien so frustriert, dass sie nicht mitmachen wollen. Auch das müsse man verstehen. Und wie lange kann man ein so aufwendiges tägliches Angebot aufrechterhalten? Bis auf Weiteres will der Rastatter weitermachen. Klar, wenn irgendwann ein Ende der Krise absehbar ist, freut er sich auch wieder auf „echte“ Auftritte im Konzertsaal.

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Erstellt:
26. März 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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