Taekwondo in Gernsbach: Der Kampf ist vorbei

Von BT-Redakteur Hartmut Metz

Gernsbach (ham) – Der Taekwondo-Sportclub Gernsbach löst sich mangels Trainern auf.

Taekwondo in Gernsbach: Der Kampf ist vorbei

Die Führungsriege des Taekwondo-Clubs kümmert sich um die Liquidation des Vereins: Rocco Mammone (links), Ute Kostolani-Urban und Axel Fiedler. Foto: Anett Schaible

Die letzte Jahreshauptversammlung am 6. November 2021 war für die verbliebenen 35 Mitglieder des Taekwondo-Sportclubs Gernsbach ein trauriger Moment. Zahlreiche Tränen flossen. Vor allem Vereinsboss Rocco Mammone trauerte um sein „Baby“. In der außerordentlichen Sitzung wurde es begraben – sprich die Auflösung beschlossen.

Inzwischen kümmert sich neben Mammone und dem zweiten Vorsitzenden Axel Fiedler vor allem Geschäftsführerin Ute Kostolani-Urban um die Liquidation des Taekwondo-Sportclubs. Wer noch glaubt, Ansprüche an den Verein zu haben, der soll sich bei dem Trio melden, damit diese erfüllt werden können. Die Liquidation fällt den drei Gernsbachern, die das kleine Häuflein lange am Leben hielten, nicht nur schwer, weil just am 12. November das 40-jährige Bestehen des Vereins in Gernsbach zu feiern gewesen wäre. „Das kostet uns jetzt noch mal viele Tränen“, betont die Geschäftsführerin, die auch als Schatzmeisterin fungiert.

Trotz der Wehmut blieb den Kampfsportlern „keine andere Wahl“, befindet Kostolani-Urban. Den Todesstoß versetzte dem Club die Trainersituation: Die versierten Uwe Kussmann, der den 1. Dan trägt, und Mammone, Inhaber des 2. Dan, erkrankten schwer. Zunächst hatte Mammone versucht, den Ausfall von Kussmann als alleiniger Trainer zu kompensieren. Doch dann erwischte es auch den zweiten Schwarz-Gurt gesundheitlich, so dass die beiden, die über 50 sind, ihren Sport künftig nicht mehr nachgehen dürfen.

„Können uns keinen Ersatztrainer leisten“

„Einen Ersatztrainer können wir uns schlicht nicht leisten. Dafür reichen nicht einmal die Mitgliedsbeiträge“, unterstreicht Kostolani-Urban mit Blick auf die 15 Euro Monatsbeitrag für die Aktiven und 7,50 Euro für die zehn Kinder. „Ein Schwarz-Gurt als hauptamtlicher Coach würde den kleinen Verein etwa 3.500 Euro kosten – im Monat!“, schätzt die Schatzmeisterin. Angesichts eines Vereinsvermögens von lediglich rund 1.900 Euro wäre die Verpflichtung Harakiri. Diesen Betrag möchte sie, nachdem der Notar für die Löschung aus dem Vereinsregister bezahlt ist, der Deutschen Krebshilfe zukommen lassen.

Die beiden Trainer hatten angesichts der finanziellen Situation schon ihren Obolus von zehn auf acht Euro pro Trainerstunde selbst gekürzt, um die Vereinskasse nicht zu strapazieren. Gleiches galt für die Geschäftsführerin, die kein Salär beanspruchte und so das Aus hinauszögerte.

Entsprechend ehrten die Mitglieder die beiden Trainer und den Vorstand mit Fiedler sowie Kostolani-Urban bei der letzten Jahreshauptversammlung im November. Letztere erhielt eine „besondere Anerkennung, weil sie mit Geduld und viel Arbeit den Verein zusammengehalten“ habe, schrieb der Verein. So seien „hier im Club viele wertvolle Freundschaften entstanden. Ohne Ute wäre das nicht möglich gewesen“, erklärte ein trauriges Vereinsmitglied an diesem emotionalen Sitzungsabend.

Mit der Liquidation endet eine 44-jährige Vereinsgeschichte. Der Taekwondo-Sportclub wurde nämlich schon 1978 in Sulzbach gegründet. Mammone stieß rasch zu den Kampfsportlern um Ehrenmitglied Gerhard Stößer. Der erste Umzug stand bereits ein Jahr später an: Kurzzeitig trainierte man in der Judoschule in Gaggenau. Weil diese zu klein war, ging es rasch nach Ebersteinburg weiter.

Oberhalb von Baden-Baden erlebte der Verein ab 1979 seine Hochphase. Der Kampfsport war in und dank des erweiterten Einzugsgebiets bis in die Kurstadt schlossen sich 130 Mitglieder dem Club an. Nach dem Umzug gen Gernsbach und der dortigen Neugründung am 12. November 1982 scheuten die meisten aber den zusätzlichen Fahrweg ins Murgtal. Die Mitgliederzahl halbierte sich rasch trotz des regen Vereinslebens mit Festen und Wanderungen. Ob deshalb vor allem der Nachwuchs weiter dem Taekwondo frönt, wagt Ute Kostolani-Urban zu bezweifeln. Der nächste Taekwondo-Club sitzt in Gaggenau – vor allem „für die Kinder zu weit weg“ sieht die gute Seele des aufgelösten Taekwondo-Sportclubs Gernsbach dasselbe Problem wie nach dem Umzug aus Ebersteinburg.

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