Tag eins in der neuen Hans-Thoma-Schule

Rastatt (ema) – Mehr als drei Jahre war der Betrieb der Hans-Thoma-Schule nach Wintersdorf ausgelagert. Jetzt wurde das 15,5 Millionen Euro teure Gebäude bezogen.

Rektorin Elisabeth Ströhler und ihre Stellvertreterin Yvonne Plocher in den oberen Reihen der Aula. Foto. Egbert Mauderer

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Rektorin Elisabeth Ströhler und ihre Stellvertreterin Yvonne Plocher in den oberen Reihen der Aula. Foto. Egbert Mauderer

Auf die Frage, was ihm denn am besten gefalle, weiß Giuliano vor lauter neuen Eindrücken erst mal gar nicht, was er sagen soll. Dann sprudelt es aus dem Viertklässler doch heraus: „Der Riesensitzsack und die Couch, und natürlich die Kletterwand.“ Es ist Tag eins einer neuen Zeitrechnung für die Hans-Thoma-Schule. Seit Montag ist die Grundschule wieder am alten Standort im Ötigheimer Weg angesiedelt – allerdings in einem komplett neuen Gebäude.

Damit geht eine mehr als drei Jahre dauernde Interimszeit der Grundschule zu Ende. Mit Beginn des Schuljahrs 2018/2019 wanderte die Hans-Thoma-Schule ins leer stehende Wintersdorfer Schulgebäude aus, um die Zeit des Abbruchs und Neubaus zu überbrücken. Das Gastspiel im Ried dauerte länger als geplant. „Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt“, blickt Rektorin Elisabeth Ströhler dankbar zurück – entsprechend habe man sich von den Nachbarn und Kooperationspartnern verabschiedet.

Über der Mensa ist ein Stadtgarten entstanden. Foto: Egbert Mauderer

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Über der Mensa ist ein Stadtgarten entstanden. Foto: Egbert Mauderer

Jetzt also die neue Heimstatt in Rastatt. Den Umzug hat die Schulgemeinschaft peu à peu angepackt. Start war bereits eine Woche vor den Herbstferien, berichtet die Rektorin. Alle 210 Schüler durften schon mal einen „Schnupperbesuch“ im neuen Gebäude absolvieren, um sich zu orientieren. Wo sind Klassenzimmer und Schulhof, wo die Toiletten? Die Lehrer nutzten darüber hinaus die Ferienwoche, um das neue Domizil zu beziehen. „Es ist wie ein privater Umzug“, hat Elisabeth Ströhler festgestellt. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die sich einspielen müssten. Wo wird was untergebracht? „Das will alles pädagogisch durchdacht sein“, erklärt die Rektorin.

Komplett neues Mobiliar

In einem Punkt unterscheidet sich der Ortswechsel dann aber doch merklich. Denn das ganze Mobiliar aus Wintersdorf musste nicht in den Ötigheimer Weg gekarrt werden. Lehrer und Schüler dürfen nämlich nicht nur in ein frisch hergestelltes Gebäude einkehren. Auch die Ausstattung ist neu. An Stühlen und Tischen schätzt die Schulleiterin, dass sie flexibler und individueller nutzbar sind. So können die Schüler zum Beispiel Trittleisten anpassen; die Tische lassen sich so anordnen, dass Gruppenarbeit leichter umsetzbar ist.

Die Kehrseite der Medaille hat Giuliano bereits am ersten Tag festgestellt. „Die alten Stühle waren gemütlicher“, sagt der Viertklässler. Und warum? Mit den neuen ist es fast unmöglich, zu kippeln.

Rund 15,5 Millionen Euro hat sich die Stadt Rastatt die Grundschule kosten lassen. Elisabeth Ströhler schätzt die Transparenz und Helligkeit des Gebäudes. Es geht jedoch nicht nur um den Wohlfühlfaktor. Schülern und Lehrern stehen nun Lernzonen und Differenzierungszimmer zur Verfügung. Damit sei individuelle Lernförderung besser umsetzbar, betont die Schulleiterin.

Kippeln ist vorbei: Elisabeth Ströhler zeigt den neuen Stuhl. Foto: Egbert Mauderer

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Kippeln ist vorbei: Elisabeth Ströhler zeigt den neuen Stuhl. Foto: Egbert Mauderer

Der Tag eins der neuen Hans-Thoma-Schule verlief ziemlich unspektakulär. Eine zentrale Begrüßung in der Aula vereitelte Corona; jetzt strebt die Schulleitung zum Ende der Woche eine Videokonferenz an, damit alle Schüler aus den Klassenzimmern sich wenigstens virtuell begegnen können. Anders als bei den Schülern, die ja bereits ihren Schnuppertag hinter sich hatten, betraten die Eltern am Montag Neuland. Entsprechend groß sei das Interesse von Müttern und Vätern gewesen, berichtet Ströhler.

Offiziell ihrer Bestimmung übergeben wird die Schule bei einem Festakt am 25. November, dem ein Tag der offenen Tür am 9. Dezember folgen soll. Und während die Handwerker noch an den Außenanlagen zu tun haben und die Sporthalle um einen ordentlichen Sanitärbereich sowie barrierefrei ertüchtigen, gewöhnt sich die Schulgemeinschaft nicht nur in ihrer neuen Heimstatt ein, sondern hat bereits das neue Schuljahr im Visier. Dann startet die Grundschule ihren Ganztagsbetrieb mit Mensa. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Die Grundschule ist nun dreizügig angelegt; bis zu 360 Schüler haben Platz. Und falls das nicht reichen sollte, liegt schon Plan B in der Schublade. Über der Mensa könnte man aufstocken.


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