Tag eins nach „Gefahrenlage“ im Bahnhof Offenburg

Offenburg (BNN) – Nach dem Polizeieinsatz am Offenburger Bahnhof arbeiten die Ermittler mit Hochdruck. Fragen über Fragen, zur Identität der Festgenommenen und zur vermeintlichen Bombendrohung.

Abgeriegelt: Der Offenburger Bahnhof wurde während des groß angelegten Polizeieinsatzes abgeriegelt. Für mehrere Stunden ging vor allem im Fernverkehr nichts mehr. Foto: Christina Häußler/Einsatz-Report24

Abgeriegelt: Der Offenburger Bahnhof wurde während des groß angelegten Polizeieinsatzes abgeriegelt. Für mehrere Stunden ging vor allem im Fernverkehr nichts mehr. Foto: Christina Häußler/Einsatz-Report24

War es nun eine Bombendrohung, die in der Nacht zum Mittwoch zu einer stundenlangen Sperrung des Offenburger Bahnhofs führte oder nicht? Wer sind die verdächtigen Männer, die die Polizei vorläufig festnahm? Und in welchem Zusammenhang steht mit diesem Vorfall der Bahnhof Lahr? Fragen über Fragen, die am Morgen danach auftauchen. Beim Polizeipräsidium Offenburg gibt man sich bedeckt, und bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Karlsruhe, die immer dann auf den Plan tritt, wenn bei Straftaten der Verdacht auf eine herausragende politische Motivation besteht, verweist Pressesprecher Manuel Graulich auf die laufenden Ermittlungen.

In den sozialen Netzwerken, die wohl nie schlafen, kommentiert ein Augenzeuge den Großeinsatz der Polizei. Der Bahnhof wurde evakuiert. „Ist alles vor Ort wie im Film, ist ein sehr komisches Gefühl.“ Die Wortwahl der Polizei sorgte auf der Facebook-Seite der Offenburger Polizei für Diskussionen: „Danke für Eure Arbeit. Aber sprecht doch bitte Klartext. Dann muss ich nicht in der Zeitung nachlesen, dass die ,mögliche Gefahrenlage‘ eine Bombendrohung war“, lautet ein Kommentar unter der ersten, offiziellen Meldung der Polizei zu dem Großeinsatz.

Hundestreife: An der Suche nach Sprengstoff im Bahnhof Offenburg waren auch Polizeihunde beteiligt. Die wichtige Station war für mehrere Stunden gesperrt. Foto: Christina Häußler/Einsatz-Report24

Hundestreife: An der Suche nach Sprengstoff im Bahnhof Offenburg waren auch Polizeihunde beteiligt. Die wichtige Station war für mehrere Stunden gesperrt. Foto: Christina Häußler/Einsatz-Report24

Der Bericht vom Mittwoch liest sich dann wie folgt: Gegen 19.30 Uhr hätten sich am Dienstag, 19. April, erste Hinweise auf eine möglicherweise bevorstehende schwere Straftat im Bereich des Offenburger Bahnhofs ergeben. Im Zuge der Einsatzmaßnahmen konnte gegen 20.50 Uhr ein 18-Jähriger in einem Zug im Bahnhof Offenburg vorläufig festgenommen werden. Der Verdächtige soll zuvor telefonisch seine Verbindung zu einem geplanten Bombenanschlag eingeräumt haben, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Umfangreiche Durchsuchungen und Ermittlungen führten bislang nicht dazu, dass „Sprengmittel“ gefunden wurden.

Staatsschutz ermittelt

Dass in dem Vorfall die mögliche Brisanz sofort erkannt wurde, bestätigt Ansgar Gernsbeck. Derartige Hinweise werden „absolut Ernst genommen“, so der Pressesprecher der Polizeidirektion Offenburg. Welchen sozialen Hintergrund der Haupttäter hat, ob ein Zeuge die Polizei informiert, darüber gab es aus dem Offenburger Polizeipräsidiums keine Auskunft. Fakt ist, so schreibt es das Polizeipräsidium Offenburg, die Staatsschutzabteilungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe sowie des Polizeipräsidiums Offenburg hatten noch in der Nacht die Ermittlungen mit Hochdruck übernommen.

Der 18-Jährige sollte am Nachmittag wegen des Tatvorwurfs der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten dem zuständigen Haftrichter am Amtsgericht Karlsruhe vorgeführt werden. Der entscheidet dann, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, ob er in Haft muss. Ein zweiter vorläufig festgenommener junger Mann wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Er konnte mit der Tat nicht in Zusammenhang gebracht werden. Dass der Bahnhof Lahr für zwei Stunden gesperrt war, bestätigt Dieter Hutt. Laut Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Offenburg gab es ein Anfangsszenario, in dem auch der südlich von Offenburg liegende Bahnhof Lahr einbezogen wurde. Dann habe sich die Geschichte aber relativ schnell in Richtung Offenburg konkretisiert.

Der Stau von Personen- wie Güterzügen auf einer der wichtigsten Schienenmagistralen Europas war immens. Nichts ging mehr, zwischen Appenweier und Orschweier gab es einen Ersatzverkehr mit Bussen. Der ICE 377 zum Beispiel hatte fast eine Stunde und 40 Minuten Verspätung. Laut Auskunft einer Sprecherin der Deutschen Bahn gelten auch in diesem Fall die üblichen Kulanzbedingungen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Jörg Seiler

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Erstellt:
20. April 2022, 17:36 Uhr
Lesedauer:
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