Tanzende Kamele und Eitelkeiten eines Königs

Gernsbach (ueb) – Beim Weihnachtsmusical in der Staufenberghalle verknüpfen die jungen Darsteller die Geschichte von Jesu Geburt mit purem Leben.

Seit September proben die jungen Darsteller für ihren großen Auftritt an Heiligabend. Foto: Dagmar Uebel

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Seit September proben die jungen Darsteller für ihren großen Auftritt an Heiligabend. Foto: Dagmar Uebel

Dass in vielen Kirchen bei Gottesdiensten an Heiligabend Krippenspiele aufgeführt werden, hat eine lange Tradition. Wenn sich aber Kinder und Jugendliche die alte biblische Geschichte „einverleiben“ und sie als Weihnachtsmusical aufführen, ist das schon seltener der Fall. Seit nunmehr sieben Jahren ist in der Paulusgemeinde Staufenberg üblich.

Mit allem, was zu einer solchen Kunstform dazugehört: mit zeitgemäßer Musik, kind- und jugendgemäßer Sprache und statt beklemmender Ehrfurcht vor der Historie mit viel Spaß am Spiel. Nachdem 2014 das traditionelle Krippenspiel organisatorisch schwierig geworden war, erklärten sich Janina Bender und Tim Abel bereit, das „Projekt Krippenspiel“ zu übernehmen und umzugestalten. Die damals 19-jährige jüngste „Kirchenälteste“ und der erst 16-jährige Tim Abel machten sich daran, das Krippenspiel förmlich zu entstauben und es zu „rocken“.

Texte selbst verfasst und in musikalische Form gegossen

Dabei transportierten sie die weihnachtliche Botschaft als Kombination zwischen Schauspiel und Musik. In diesem Jahr brachten sie mit „Das Licht in dieser Nacht“ ein Musical auf die Bühne der Staufenberghalle, dessen Texte beide selbst schrieben und Abel in die entsprechende musikalische Form goss. Da die beiden jungen Staufenberger jeweils Lehramt studierten, ist es nicht verwunderlich, dass sie genau wissen, was bei Kindern und Jugendlichen gut ankommt, um eine Botschaft lebensnah zu vermitteln. Bender kann darüber hinaus durchaus bühnenerfahren genannt werden, ist sie doch seit Jahren Mitglied des Ensembles „theater im kurpark“. Für das Musical verteilt sie die Rollen, führt Regie und souffliert, wenn’s mal brenzlig wird. Dem für den musikalischen Part zuständigen Abel, selbst mit einer Band musikalisch unterwegs, fällt es zusätzlich leicht, die passenden Stücke auszuwählen, mit den Kindern einzustudieren, und auch zu dirigieren.

Am Heiligen Abend wusste Abel zusammen mit Soraya Loch sängerisch zu begeistern. Außerdem war er als Professor Licht beim Einchecken ins Fünfsternehotel „Zum Tempel“ mimisch zu erleben. Die musikalische Begleitung übernahm eine kleine Live-Band (Schlagzeug, E-Bass, Gitarre, Piano und zwei Sängerinnen).

Doch als programmbestimmend erlebten die Zuschauer in der überaus gut besuchten Staufenberghalle die Kinder und Jugendlichen. Manche von ihnen im Alter von vier bis 14 Jahren standen am Freitag zum ersten Mal auf der Bühne, manche aber sind fast schon „alte Hasen“. Sie waren es, die schon nach den Sommerferien anfragten, ob sie eine Rolle als Darsteller, Tänzer oder Statist im neuen Krippenspiel bekommen, und wann denn endlich die Proben beginnen können.

Aber sie brauchten nicht lange darauf zu warten, bis an jedem Samstag Probenzeit im Familienkalender vermerkt war. Und wie in jedem Jahr waren es Stunden voller Turbulenzen, aber auch mit viel Spaß bei den szenischen Proben. Im September begonnen, fand die Generalprobe einen Tag vor Heiligabend statt. Natürlich erzählt das Musical von Jesu Geburt, von Maria und Josef, von Hirten und den drei Königen. Aber auch von Streitereien zwischen den Wirtsleuten, Klatsch und Tratsch der Stadtbewohner, tanzenden Kamelen, Neid zwischen Marktschreiern, sogar beobachtenden Engeln und Eitelkeiten eines Königs: pures Leben eben.

Putzfrau bringt Botschaft auf den Punkt

Genau das war es wohl, was die Handlung dieses Musicals so nacherlebbar machte. Dazu trugen neben der zeitgemäßen Sprache die Unverkrampftheit der Darsteller auch die Auswahl bekannter Musiktitel bei. Diese reichte von Filmmelodien und Titeln von Rolf Zuckowski, Tim Bendzko, Sido, Johannes Oerding bis zu Kompositionen der Musikgruppen „Glasperlenspiel“ und der Band „Revolverheld“. Was zum Schluss der Aufführung siegte, war die Erkenntnis aller, wie schädlich sich Neid, Streit und Missgunst auf das Zusammenleben aller auswirken. Auch ausgedrückt durch die einfache Feststellung der Putzfrau: „Es ist doch besser, mit den Leuten zu reden, anstatt über sie.“


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