Tanzschule Müller: „Das ist eine gesunde Droge“

Rastatt (ema) – Die Tanzschule Müller startet wieder mit Kursen durch. Hinter ihr liegt ein Auf und Ab.

„Der Mensch tanzt schon, seit es Musik gibt.“ Ralf Müller und seine Ehefrau Olga Müller-Omeltchenko. Foto: Egbert Mauderer

© ema

„Der Mensch tanzt schon, seit es Musik gibt.“ Ralf Müller und seine Ehefrau Olga Müller-Omeltchenko. Foto: Egbert Mauderer

Als vor einigen Tagen die ersten tanzwilligen Jugendlichen nach langer Zeit mal wieder ins „Müllers“ durften, blickten Tanzschulchef Ralf Müller und seine Ehefrau Olga Müller-Omeltchenko in einige „ungläubige“ Gesichter. „Es riecht noch so wie früher“, war eine der Reaktionen, die dem Tanzlehrer-Ehepaar das Gefühl vermitteln, es könnte bald wieder wie einst sein.

Einst, das war vor dem 16. März 2020. Ralf Müller kann sich noch genau an das Datum erinnern. Man stand vor dem nächsten Abschlussball in der Badner Halle, doch das Gesundheitsamt habe signalisiert: „Lieber nicht.“ Okay, dann halt nicht, dachte sich Müller, dass eine kurze Phase der Erholung bevorstehe. „Es konnte sich ja keiner vorstellen, dass das so lange geht.“

Auf und Ab

Ein Auf und Ab erlebten die Müllers während der Pandemie. Erst ging gar nichts, dann ab Juni 2020 Tanzen mit Einschränkungen. Die Lehrer fixierten Klebestreifen auf dem Boden, um Boxen abzugrenzen. Sechs erwachsene Paare aus einem Haushalt durften auf das Parkett, für jedes Duo standen 20 Quadratmeter zur Verfügung. Ende September dann ein paar Jugendkurse, ehe am 1. November der harte Lockdown das Leben in der Tanzschule zum Erliegen brachte.

Nach zarten Online-Versuchen im Mai und ersten Präsenzstunden ab Juni starten die Müllers in diesen Tagen wieder mit den Jugendkursen durch. Während bei den Erwachsenen zumindest unter den Nichtgeimpften noch Zurückhaltung zu spüren ist, freuen sich die Tanzlehrer über die Erleichterung der Jüngeren. „Die wollen die Gemeinschaft und haben es vermisst, sich zur Musik zu bewegen“, sagt Olga Müller-Omeltchenko.

Überrascht ist das Ehepaar, dass unter den 14- bis 18-Jährigen fast drei Viertel geimpft sind. Über die coronabedingten Auflagen wundern sich die Müllers zum Teil. Beim Tanzen und Sitzen müssen die Aktiven keine Maske tragen; auf dem Gang aber wohl. „Die Regelungen sind nicht alle logisch“, meint Ralf Müller.

Die Zwangspause in den vergangenen anderthalb Jahren nutzte das Ehepaar, um die Tanzschule für den Sport unter Coronabedingungen umzurüsten und durch Digitalisierung den Alltag mit künftigen Tanzschülern zu erleichtern. Die staatlichen Überbrückungshilfen halfen ein wenig; doch es waren schon „Einschnitte, die man spürt“, sagt Ralf Müller. Den Urlaub zum Beispiel hatte die Familie gestrichen.

Mit den jetzigen Anmeldungen sind sie zufrieden. Der erste Mittelball seit Februar 2020 ist nun für den November in der Badner Halle geplant.

Dass die Menschen aufgrund der Coronaerfahrungen soziale Nähe wie beim Tanzen eher scheuen, können sich die Müllers überhaupt nicht vorstellen: „Der Mensch tanzt schon, seit es Musik gibt. Das ist wie eine gesunde Droge.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.