Tanzsportclub Baden-Baden sucht weibliche Teilnehmer

Baden-Baden (vr) – Beim Tanzsportclub Baden-Baden müssen die Jungs derzeit ohne Partnerin leben – dort herrscht nämlich Damenmangel. Deshalb werden nun weibliche Teilnehmer gesucht.

Ob Junge oder Mädchen: Ella, Kai, Matteo, Benedict und Victoria tanzen gerne. Foto: Veruschka Rechel

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Ob Junge oder Mädchen: Ella, Kai, Matteo, Benedict und Victoria tanzen gerne. Foto: Veruschka Rechel

Bei vielen Jungen gilt das Vorurteil: „Tanzschule ist uncool.“ „Nur wenige trauen sich dorthin, weil sie befürchten, Tanzen könnte ihrem coolen Image schaden“, bestätigt Polina Polyakova, Trainerin und erste Vorsitzende beim Tanzsportclub (TSC) Baden-Baden.

Diese Haltung führt zu einem deutlichen Mädchenüberhang – die meisten Tanzkurse starten mit oft doppelt so vielen Mädels wie Jungs. So schlimm ist es beim TSC Baden-Baden nicht, obwohl auch der noch vor einem Jahr händeringend Tänzer gesucht hatte. Der damaliger Aufruf war so erfolgreich, dass jetzt witzigerweise Damenmangel herrscht. Vor allem für Constantin Wetterauer, da er mit seinen elf Jahren kleiner ist als die meisten Mädchen in seinem Alter.

Da wird sich doch wohl eine finden, die maximal 1,50 Meter groß ist und mit dem feschen, blonden Buben das Parkett rocken möchte? Constantin bestätigt, dass Tanzen unter Jungen eigentlich als uncool gilt. Doch uneigentlich hindert es ihn nicht daran, viermal pro Woche beim TSC zu trainieren. Eventuelle Hänseleien durch seine Kumpels vermeidet er geschickt: „Ich rede einfach nicht drüber.“

Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive

Auch sein neunjähriger Bruder Benedict tanzt. Ursprünglich ist er nur seiner Schulfreundin Ella zuliebe mitgegangen. Ihr fehlte schlichtweg ein passender Partner. Doch inzwischen hat Benedict echtes Tanzfieber gepackt. Das Ergebnis: Nach nur einem Jahr gemeinsamem Training gehörten er und Ella zu den Tänzern des TSC Baden-Baden, die am vergangenen Wochenende an den Landesmeisterschaften der Kinder, Junioren und Jugend Latein in Ludwigsburg teilnahmen. Mit rund 20 Konkurrenzpaaren konnten die Tanzschüler von Polina Polyakova beim Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive endlich zeigen, was sie draufhaben.

Mitgetanzt haben auch die 15-jährige Victoria Janzer und der 17-jährige Kai Linßen. Die beiden waren total happy, dass sie nach langer Pause wieder die Chance hatten, die Serie ihrer tänzerischen Erfolge fortzusetzen.

Sie tanzen seit etwa drei Jahren zusammen für den TSC auf deutschem Parkett und standen schon mehrfach auf dem Siegertreppchen. Die Landesmeisterschaften waren aufgrund der Corona-Pandemie das erste Turnier seit November 2021 und wahrscheinlich das einzige bis Mai.

Der Trainerin Polyakova liegt vor allem die Förderung der Kinder- und Jugendabteilung des Vereins am Herzen. Sie sprüht nur so vor Empathie und Engagement. Kein Wunder, dass Ellas Mutter, Claudia Hoppe, schwärmt: „Polina ist die beste Trainerin der Welt.“ Sie weiß, wovon sie spricht, denn Ellas Bruder Matteo tanzt ebenfalls beim TSC. Wenn Corona vorbei ist, wollen auch sie und ihr Mann mit Salsa anfangen.

Tanzen nach dem Takt der Musik

Übrigens: Auch der zwölfjährige Matteo sucht eine neue Tanzpartnerin. Mit seiner bisherigen war er auf Turnieren schon erfolgreich. Und wer immer noch glaubt, dass Jungs, die tanzen, uncool seien, wird eines Besseren belehrt. Matteo ist nämlich nicht nur ein cooler Typ, sondern hat auch coolen Handball gespielt, bis ihm das Tanzen besser gefiel. „Ich liebe das Tanzen nach dem Takt der Musik“, erklärte er.

Apropos Takt: „Wenn ich Pop höre, weiß ich sofort, welcher Tanz dazu passen würde“, wirft Benedict ein. Deshalb wählt Trainerin Polina zwischendurch immer wieder Popmusik aus, was den Kindern und Jugendlichen großen Spaß macht. Benedict spielt außerdem Fußball, womit endgültig bewiesen wäre, dass Tanzen alles andere als uncool ist. Bestes Beispiel dafür ist der Uruguayer Edinson Cavani. Er ist einer der weltbesten Fußballstürmer und hat zwischen seinen professionellen Engagements bei Paris Saint-Germain und Manchester United als Ballett-Tänzer gezeigt, wie cool er sich nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im Rhythmus bewegen kann.

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Erstellt:
7. Februar 2022, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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