Taxigewerbe steht mit dem Rücken zur Wand

Rastatt (ans) – Rastatter Taxi-Fahrer und -Unternehmer berichten über Umsatzeinbrüche und große Unsicherheit angesichts der Corona-Pandemie. Von der Politik wünschen sie sich mehr Unterstützung.

„Es lohnt sich nicht wirklich am Bahnhof zu stehen“, sagt Taxifahrer und Alleinunternehmer Adem Osmanay von „Regio Taxi“. Foto: Anna Strobel

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„Es lohnt sich nicht wirklich am Bahnhof zu stehen“, sagt Taxifahrer und Alleinunternehmer Adem Osmanay von „Regio Taxi“. Foto: Anna Strobel

Vormittags gegen 11.30 Uhr: Die Sonne strahlt. Es herrscht gähnende Leere vor dem Rastatter Bahnhof. Lediglich zwei Taxen warten dort. Ihre Fahrer hoffen auf spontan entschlossene Kundschaft. Doch es sind kaum Menschen unterwegs, die chauffiert werden könnten.
Seine längste Wartezeit habe vier Stunden betragen, sagt Abdul Aziz Raya. Er ist einer der wartenden Taxifahrer vor dem Bahnhof. Aktuell erhalte er fünf bis sieben Aufträge am Tag. Früher seien es dagegen zehn bis 15 gewesen. „Ich verdiene ungefähr 30 Prozent weniger“, schätzt der junge Mann. Beschweren mag er sich aber nicht, denn „immerhin haben wir Arbeit“, merkt er schulterzuckend an.

Auch der Alleinunternehmer Adem Osmanay hofft auf Kundschaft. „Es läuft sehr schlecht“, findet er. Am schlimmsten sei die Unsicherheit und nicht zu wissen, wie es weitergehen soll. Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. „Man muss kämpfen, egal was kommt“, ist seine Devise. Mit über 60 wolle er seinen Job nun nicht mehr an den Nagel hängen.

„Wir haben ganz ehrlich nichts zu tun“, sagt Parwa Ahmed. Sie ist die Tochter des Inhabers von „Taxi Ahmed“ in Rastatt, Muh Ahmed. Gemeinsam leiten die beiden das Familienunternehmen. Sie spreche auch im Namen ihres Vaters, betont Ahmed im BT-Gespräch. Größtenteils seien ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Krankenfahrten als Haupteinnahmequelle

Aktuell seien Krankenfahrten die einzige stabile Einnahmequelle. Aber auch hier beschränke sich die Kundschaft auf Patienten, die für eine Chemotherapie oder Dialyse ins Krankenhaus müssen. Durch die Schließung von Cafés, Bars und Diskotheken breche ein maßgeblicher Anteil der Fahrten und somit der Einnahmen weg. Gerade viele der Stammkunden, die oft hochbetagt seien, „gehen nur vor die Tür, wenn es unbedingt sein muss“. Im ersten Lockdown habe sie noch Soforthilfe erhalten und diesen „überbrücken können“, doch im zweiten seien weitere staatliche Zahlungen ausgeblieben, und die Lage habe sich zusehends verschlechterte, sodass Ahmeds nichts anderes übrig geblieben sei, als einen Kredit aufzunehmen. Gleichbleibende Fixkosten und weniger Einnahmen hätten sie zu diesem Schritt gezwungen. Als mittelständisches Unternehmen, das Arbeitsplätze biete, „sollten wir mehr unterstützt werden“, findet Ahmed.

Taxifahrerin Alma Bevrnja arbeitet für „Taxi Barock“ und berichtet, das Unternehmen habe sich Trennwände, Masken und Desinfektionsmittel auf eigene Kosten anschaffen müssen. Richtig finde sie das allerdings nicht, wie sie im BT-Gespräch sagt. Bevrnja wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Politik. „Wir befördern kranke Leute und sollten als systemrelevant gelten“, meint die Taxifahrerin. Psychisch sei der Lockdown eine enorme Belastung für sie und die Patienten, die sie regelmäßig zur Dialyse fahre.

Massiver Einbruch der Umsätze

Dirk Holl, Vorstand des Unternehmens „Taxi Holl“, berichtet von einem massiven Einbruch der Umsätze. So habe es 2020 und 2021 von November bis Januar im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr rund 51 Prozent weniger Fahrten gegeben. Gerade mit dem schmutzigen Donnerstag sei „einer der wichtigsten Tage für die Taxiunternehmen im Landkreis Rastatt“ weggefallen, sagt Holl. Ob die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre für eine finanzielle Erleichterung sorge, bleibe abzuwarten, so der Vorstand. „Die kurzfristigen politischen Entscheidungen, machen uns zu schaffen“.

Von der Politik wünsche er sich daher „einen Fahrplan“, der ein besseres und vorausschauenderes Planen ermöglicht. Da er vor Beginn der Pandemie viele neue Fahrer eingestellt habe, sei das Unternehmen zu groß, um eine Corona-Hilfe zu bekommen. Gekündigt habe Holl während der Krise jedoch niemanden. Von Kurzarbeit seien in seinem Betrieb aber alle Arbeitnehmer betroffen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
17. Februar 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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