Teiluntersagung für Pflegeheim rechtskräftig

Rastatt (dm) – Die Betreiber des Pflegeheims Haus Benedikt in Rastatt haben keine Rechtsmittel gegen die Teiluntersagung des Betriebs eingelegt. Man bemühe sich nun um die Mängelbeseitigung.

Bereit für einen Neustart? Mit der Frage auf dem Plakat am Haus Benedikt ist nicht der Betreiber gemeint. Es geht dabei um Mitarbeiterwerbung. Foto: Daniel Melcher

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Bereit für einen Neustart? Mit der Frage auf dem Plakat am Haus Benedikt ist nicht der Betreiber gemeint. Es geht dabei um Mitarbeiterwerbung. Foto: Daniel Melcher

Mehrere Rollläden am Pflegeheim Haus Benedikt in Rastatt sind halb bis ganz geschlossen: Nur 15 des auf 90 Plätze ausgelegten Hauses dürfen aktuell belegt sein. Die Teiluntersagung des Betriebs, den die Heimaufsicht des Landkreises Rastatt im Juni verhängt hat, ist inzwischen rechtskräftig. Dies teilte Landkreis-Pressesprecher Benjamin Wedewart auf Nachfrage des BT mit.
Eine Komplettschließung des Heims, wie sie laut Behörde aufgrund „eines Sammelsuriums an Verfehlungen“ sogar im Raum stand, sei indes erst einmal vom Tisch. Die Betreiber, die Römergarten Residenzen, bemühten sich, die beanstandeten Mängel zu beseitigen, lässt das Landratsamt wissen. Gleichwohl: Widerspruch gegen die Teiluntersagung sei nicht eingelegt worden. Rund einen Monat lang hätte der Betreiber dafür Gelegenheit gehabt. Auf das 34-seitige Konvolut, in dem dargelegt wurde, warum sich die Heimaufsicht zur Teiluntersagung entschloss, habe dieser zunächst nicht reagiert, so Wedewart. Gleichwohl habe sich nach Bekanntwerden der Teiluntersagung „einiges getan“. Gespräche und weitere Kontrollen hätten inzwischen ergeben, dass versucht werde, Plätze sukzessive wieder aufzubauen, sobald „Mängel beseitigt werden und Besserung in Sicht ist“.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Behörde war nach Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und des Personals aktiv geworden, hatte die Kontrolle des Hauses intensiviert und die Reißleine gezogen, weil man „unmittelbare Gefahr für Leib und Leben“ festgestellt habe (wir berichteten). Auf der Liste der Defizite standen nach Schilderung des Landkreis-Pressesprechers: Mängel bei Grund- und Behandlungspflege, Wundversorgung, Medikamentengabe, Dokumentation und Hygiene, nicht angemessen besetzte Schichten. Daher seien demente Bewohner teilweise sich selbst überlassen gewesen; Angehörige hätten keinen Ansprechpartner gefunden. Unter den Mitarbeitern habe es eine starke Fluktuation gegeben, neue Kräfte hätten nicht entsprechend eingearbeitet werden können.

Beim Betreiber sah man die Teiluntersagung wiederum als „Chance, unsere Mitarbeiter weiterhin intensiv zu schulen und mit ihnen eine belastungsfähige Struktur für die Zukunft zu schaffen“. Dazu wollte man einen unabhängigen Pflegegutachter einschalten. Für eine aktuelle Stellungnahme war der zuständige Ansprechpartner von der operativen Leitung des Unternehmens am Dienstag nicht erreichbar.

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines Todesfalls Anfang Juni im Haus. Eine Obduktion wurde angeordnet, doch mit Blick auf das laufende Verfahren will man im Landratsamt keine Mutmaßungen anstellen. Die Ermittlungen dauern noch an, man könne derzeit keine Auskünfte erteilen, so die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.

Keine Hinweise auf Mängel an anderen Standorten

Hinweise auf Mängel in anderen Einrichtungen der Römergarten Residenzen, die in Rastatt auch das Haus Barbara betreiben, gibt es im Übrigen nicht, bestätigt das Landratsamt. Die angeführten Missstände beziehen sich nur auf das Haus Benedikt. Insgesamt hat die Römergarten-Gruppe laut Homepage 23 Standorte in drei Bundesländern im Portfolio. Das Unternehmen mit Zentrale in Schifferstadt ist im November vergangenen Jahres laut Pressemeldungen von Domidep übernommen worden, einem der größten privaten Betreiber von Altenpflegeheimen in Frankreich und Europa. Domidep wiederum gehört der US-Infrastrukturgesellschaft „I Squared Capital“ aus Miami.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
3. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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