Tennis- und Golfclubs rüsten sich für Freigabe

Baden-Baden (moe) – Unter anderem in Rheinland-Pfalz darf wieder Tennis und Golf gespielt werden. Vereine in Baden-Württemberg schauen daher neidvoll über die Grenze.

In Rheinland-Pfalz fliegen die Bälle wieder, in Baden-Württemberg ist Vereinssport noch untersagt. Foto: F. Vetter

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In Rheinland-Pfalz fliegen die Bälle wieder, in Baden-Württemberg ist Vereinssport noch untersagt. Foto: F. Vetter

„Eigentlich“, sagt Peter Schaufler, „eigentlich könnten wir am Montag loslegen.“ Vereinsmitglieder seien dabei, Anlage und Plätze im Haimbachtal auf Vordermann zu bringen. Selbstverständlich maximal in Zweiergruppen, wie der Präsident des Tennisclubs Grün-Weiss Baden-Baden berichtet: „Die Sehnsucht ist sehr groß!“ Dass allerdings bereits Anfang nächster Woche die kleine gelbe Filzkugel wieder über das Netz fliegt, ist nahezu ausgeschlossen. Vereinssport ist in Baden-Württemberg nach wie vor verboten. Eine Tatsache, die vor allem bei Tennisspielern und Golfern vielerorts für Unverständnis sorgt.

Dieses hat vor allem der Deutsche Golf Verband (DGV) mit dem Präsidenten Claus M. Kobold in drastische Worte gekleidet: Mit „Unverständnis und großer Enttäuschung“ habe man das bis Anfang Mai bestehende Verbot des Betriebs auf Sportstätten zur Kenntnis genommen. Das anfängliche Verständnis des Verbands und das Einfordern von Solidarität seiner Mitglieder ist spätestens seit vergangenen Mittwoch passé: „Bei Schaffung der ersten Verbotsregelungen ging damals sicher noch Schnelligkeit vor Passgenauigkeit. Jedoch, wenn Zeit zum sorgfältigen Prüfen besteht, wie es jetzt der Fall war, und wenn konkrete inhaltliche Empfehlungen des Deutschen Olympischen Sportbundes, von Landessportbünden, Sportfachverbänden, darunter des Deutschen Golf Verbands, vorliegen, wie zumindest der Individualsport im Freien mit strengen Schutzregeln wieder zugelassen werden kann, dann fehlt uns das Verständnis“, ließ vergangene Woche Kobold verlauten.

Kaufmann: „Sehr unglückliche Situation“

Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) setzte sich in einem Schreiben an relevante politische Entscheidungsträger bei Bund und Ländern offensiv für die Freigabe seines Sports ein: Tennis könne, „gerade in der jetzigen Jahreszeit“, als Individualsport im Freien ausgeübt werden. Eine Kontaminierung durch das Spielgerät sei nicht möglich, Körperkontakt nicht Teil der Sportart. Dabei, so das Credo, gehe es dem Verband mit seinen 1,4 Millionen Mitgliedern nicht um „einen Sonderweg für den Tennissport“.

Kurioserweise ist aber tatsächlich ein Sonderfall aufgetreten: In einigen Bundesländern, beispielsweise in Rheinland-Pfalz, aber auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, fanden die Verbände offenbar Gehör. Seit Montag sind Individualsportarten im Freien – bei Einhaltung der weiter bestehenden Abstandsregeln sowie Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen – wieder erlaubt. Die Lockerung gilt etwa für Rudern, Segeln, Reiten, Luftsport, Leichtathletik, Tennis und Golf.

Diese unterschiedliche Handhabung „kann man niemanden vermitteln“, kritisiert Siegfried Ludwigs, Präsident des Golfclub Altrhein in Plittersdorf: „Was in Rheinland-Pfalz geht, kann auch in Baden-Württemberg gelten.“ Auch Gerhard Kaufmann, Geschäftsführer des Golfclubs Baden-Baden, beurteilt den uneinheitlichen Status quo als „sehr unglückliche Situation“. Eine gewisse Form des Golf-Tourismus, etwa ins nicht weit entfernte Landau, halten beide Funktionäre nicht für abwegig. Zumindest vor der Krise war es gang und gäbe, immer mal wieder auch auf den Plätzen jenseits der Landesgrenze abzuschlagen.

Besonders glücklich ist auch Peter Schaufler mit der ungleichen Behandlung nicht: „Das ist eine unschöne Entscheidung.“ Insgesamt begegnet der GW-Präsident der Corona-Thematik aber „mit sehr viel Respekt“. Druck auf die Politik auszuüben sei „nicht der richtige Weg“. Von einer flächendeckenden Lockerung hält auch Daniel Friedmann wenig, die Einschränkungen auf Bundes-, aber auch Länderebene seien „auf jeden Fall sinnvoll“. Allerdings, daran lässt der Pressewart des TC Rot-Weiss Baden-Baden keinen Zweifel, „schauen wir neidvoll auf die Pfälzer“. Mit dem Start der Medenrunde sollte man seiner Meinung nach noch warten, aber Spielbetrieb für Mitglieder auf der schmucken Anlage in der Allee befürwortet das Vorstandsmitglied sehr wohl.

Entscheidung am 30. April?

Stopps, Lobs und krachende Aufschläge wird es aber auf den Tennisplätzen in der Region in den nächsten Tagen nicht geben, zumindest nicht, bevor Bund und Länder sich in Sachen Pandemie erneut beraten haben, wie das für Corona-Fragen zuständige Sozialministerium in Stuttgart auf BT-Anfrage mitteilt. Bezüglich der deutlich strikteren Herangehensweise in Baden-Württemberg im Vergleich etwa zu Rheinland-Pfalz verweist das Ministerium auf die unterschiedliche Inzidenz der beiden Bundesländer, also die Zahl der Krankheitsfälle pro 100 000 Einwohner. Die ist im Südwesten (255; Stand Montag) deutlich höher als im Nachbarland (135). „Das müssen wir sehr ernst nehmen“, sagt Pascal Murmann. Am 30. April, so der Ministeriumssprecher, soll wieder über die aktuelle Situation beraten werden.

Golfer und Tennisspieler schauen mit Spannung auf dieses Datum. Kaufmann rechnet damit, dass die Fairways ab dem 4. Mai wieder freigegeben werden. Auch Tennisfunktionär Schaufler hat bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs den Anfang des Wonnemonats im Blick. Bis dahin gilt es – wie auch für den GC Altrhein oder den TC Rot-Weiss –, behördliche Auflagen praktikabel umzusetzen: Wer darf wann auf den Platz? Wie viele Spieler dürfen die finanziell gebeutelten Trainer maximal gleichzeitig betreuen? Was passiert mit den sanitären Anlagen? Wann werden Bälle bestellt? Was ist mit der Gastronomie?

Beim Golfclub Baden-Baden ist man bezüglich dieser Logistik schon weit fortgeschritten, Desinfektionsmittel stehen bereit, das Personal ist mit Mundschutz ausgestattet, auch Trennwände stehen. Kaufmann: „Wir stehen in den Startlöchern!“

Die Golfer im Südwesten hoffen, dass ab 4. Mai wieder gespielt werden kann. Foto: Anspach/dpa

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Die Golfer im Südwesten hoffen, dass ab 4. Mai wieder gespielt werden kann. Foto: Anspach/dpa


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