Tennisverbände klagen auf Hallenöffnung

Rastatt (moe) – Die Tennisverbände im Südwesten sind mit der Geduld am Ende. Deshalb klagen sie vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim auf Hallenöffnung. Clubs aus der Region sind „total gespannt“.

Bälle warten auf Schläger: Seit Anfang Dezember sind die Tennishallen im Südwesten verwaist. Foto: Sven Hoppe/dpa

© dpa

Bälle warten auf Schläger: Seit Anfang Dezember sind die Tennishallen im Südwesten verwaist. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Württembergische Tennis-Bund (WTB) und der Badische Tennisverband (BTV) haben gemeinsam serviert, nun heißt es: Warten auf den Return der Richter. Der Aufschlag der beiden Verbände erfolgte in Form eines Eilantrags beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim. Das Ziel: Eine Öffnung der Tennishallen für den Amateur- und Breitensport. Ob dieser juristische Service zum erlösenden „Spiel, Satz und Sieg“ führen wird und wann überhaupt mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, ist aktuell offen.

Dabei sind die obersten Funktionäre im Südwesten das Warten eigentlich längst leid: „Unsere Geduld gegenüber den politischen Entscheidungsträgern des Landes Baden-Württemberg ist mehr als aufgebraucht“, haben die beiden Präsidenten Stefan Bitenc (BTV) und Stefan Hofherr (WTB) bereits vor etwas mehr als einer Woche unisono kundgetan. Weil der Tennissport bereits seit Monaten unter den coronabedingten Einschränkungen zu leiden hat und das zuständige Sozialministerium „nicht auf unsere mehrmaligen Forderungen nach einer greifbaren Perspektive eingegangen ist“, so Hofherr, haben die beiden Verbände nun gehandelt – und am vergangenen Freitag den Rechtsweg beschritten.

Verbände kritisieren „Unverhältnismäßigkeit“

„Aufgrund der aktuellen Entwicklungen und den sinkenden Inzidenzwerten hat der Eilantrag jetzt realistische Chancen“, glaubt der WTB-Präsident und liefert obendrein eine Begründung für den aktuellen Schritt: „Wir tun dies vor allem mit Blick auf unsere Vereine, denen bei einer noch länger andauernden Schließung ihrer Hallen noch größere Schäden drohen als ohnehin schon.“ Vor allem die „Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen in Bezug auf den Tennissport“ habe die Verbände zu der Klage bewogen. In vielen Landkreisen Baden-Württembergs liege der Inzidenzwert mittlerweile unter 35. Während aber in anderen Bundesländern, zum Beispiel in Hessen, Tennis zu zweit in der Halle gespielt werden dürfe, gehe hierzulande seit dem 18. Dezember gar nichts mehr. „Und das, obwohl Hygienemaßnahmen im Tennis problemlos eingehalten werden können“, wie BTV-Präsident Bitenc betont: „Tennis ist keine Kontaktsportart.“ Anregungen und Lösungsansätze, um eine stufenweise Öffnung zu erreichen, hätten WTB und BTV dem Sozialministerium bereits vor Wochen vorgelegt – ohne Reaktion. Unter anderem deshalb wurde im badischen Verbandsgebiet jüngst die Winterhallenrunde vollständig abgebrochen und annulliert.

Wann es eine Reaktion aus Mannheim geben wird, ist unterdessen noch unklar: „Konkrete Angaben, wann entschieden werden wird, sind nicht möglich“, ließ Matthias Hettich, Richter am VGH und Pressesprecher desselben, am Montag auf BT-Anfrage wissen. Immerhin teilte er mit, dass Eilfälle im Infektionsschutzrecht meist „zügig entschieden“ werden.

Clubs aus der Region „total gespannt“

Die Tennisclubs in der Region – und nicht nur dort – sind auf das Votum des VGH derweil „total gespannt“, wie beispielsweise Tobias Keller, Vorstandsmitglied beim TC Rot-Weiß Muggensturm und zuständig für Hallenfragen, betont. Die Zuversicht, dass der VGH den imaginären Daumen hebt, ist bei Keller „relativ groß“ – genauso wie der Unmut bei Teilen der Mitglieder, die sportlich seit Monaten auf dem Trockenen sitzen. Anfangs seien die Maßnahmen noch auf breites Verständnis gestoßen, angesichts sinkender Corona-Zahlen habe sich dies mittlerweile gewandelt. Derweil machen sich geschlossene Türen bei laufenden Kosten zunehmend monetär bemerkbar, so Keller. Gerade die Abonnement-Einnahmen seien „ein großes Standbein für die finanzielle Situation“.

Pekuniäre Einbußen beklagt auch Thorsten Greschner, erster Vorsitzender des Rauentaler TC, der als Hallen-Tennis-Gemeinschaft (HTG) zusammen mit dem SV Niederbühl und dem TC Blau-Gold die Halle beim Rastatter Schwimmbad betreibt. Aktuell komme man über die Runden, eine weitere monatelange Schließung – die Halle ist ohnehin nur von Oktober bis April geöffnet – sei allerdings schwer zu verkraften. Auch deshalb hoffen Greschner und seine Mitstreiter auf eine baldige Öffnung. Gleichsam betont der RTC-Vorsitzende: „Der Gesundheitsschutz der Mitglieder steht an erster Stelle.“ Diesbezüglich habe die HTG schon vor Monaten ein Hygienekonzept erarbeitet, das sich bewährt habe. „Das würde jetzt genauso funktionieren“, versichert Greschner. Zumal vermutlich – wie bereits bis Dezember – eh nur zwei Spieler zeitgleich zugelassen werden dürften.

Auch in Muggensturm wäre alles angerichtet. Tobias Keller versichert: Sollte das Gericht eine entsprechende Entscheidung treffen, „könnten wir am nächsten Tag wieder öffnen“.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.