Tennisverband: „Sehr enttäuscht“ von Vorgehensweise

Rastatt (naf) – Individualsportler dürfen zwar spielen doch der Badische Tennisverband ärgert sich über Änderungen in der Corona-Verordnung, die kurzfristig vorgenommen und nicht kommuniziert wurden.

Die Trainingseinheiten des Tennisclubs Blau-Gold Rastatt fallen trotz Sonderregelung ins Wasser. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

© picture-alliance/ dpa

Die Trainingseinheiten des Tennisclubs Blau-Gold Rastatt fallen trotz Sonderregelung ins Wasser. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Auf den Sportplätzen ist es leise, die Hallen sind leer und die Fitnessstudios dunkel. Aufgrund der neuen Corona-Verordnung ist der Amateursport in der Region zum Erliegen gekommen – voraussichtlich mindestens bis zum 30. November. Individualsportarten dürfen unter verschärften Bedingungen allerdings weiterhin praktiziert werden – heißt: Neben Ausdauersportlern können auch Golfer, Reiter und Tennisspieler weiter schwitzen.

Generell besagt die neue Corona-Verordnung, dass Sportstätten allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts genutzt werden dürfen. Ein Match können also entweder zwei Spieler oder eine sportbegeisterte Familie austragen. Klingt verständlich – die Details sind es jedoch nicht immer.

Beim Badischen Tennisverband (BTV) sorgt die Verordnung jedenfalls für Unmut, nachdem sie „mehrfach korrigiert und mit einem Zusatz versehen (wurde), der das Tennisspiel ab sofort nur noch mit zwei Personen pro gesamter Tennishalle ermöglicht“, wie der Tennisverband in einer Mitteilung erklärt. Man hat „sehr wenig Verständnis“ für diese Entscheidung, heißt es weiter.

Wie wird eine Sportstätte definiert?

Zuvor habe die Landesregierung einzelne Tennisplätze als Sportstätte deklariert, womit sich auf jedem Feld zwei Spieler hätten duellieren können. „Wir selbst sind vor allem von der Vorgehensweise unserer Landesregierung, die diese Änderungen still und heimlich vorgenommen hat, ohne sie explizit zu kommunizieren, sehr enttäuscht“, kommentiert der Verbandspräsident, Stefan Bitenc, mit deutlichen Worten. Mit der vorgenommenen Änderung können in einer Halle mit mehreren Spielfeldern nun nur noch zwei Personen trainieren. „Das ist nicht organisierbar“, sagt Christian Reynert. Der Sportwart und Vereinstrainer des TC Blau-Gold Rastatt wäre normalerweise gerade beim Training, stattdessen geht er mit seiner Tochter spazieren. Seit Dienstagmorgen ist die Tennishalle zu. Der Betreiber hat freiwillig geschlossen, denn die neue Regelung ist „unmöglich für den Trainingsbetrieb“, so Reynert. „Es sind immer drei Plätze gleichzeitig vergeben. Wenn jetzt plötzlich nur noch zwei Personen in die Halle können, wer soll dann spielen dürfen?“

Seine Schüler hätte Reynert ohnehin jeweils nur noch einmal im Monat trainieren können. Umgehend nach Bekanntgabe der neuen Verordnung stellte er innerhalb eines Tages seine gesamte Planung um und teilte das Gruppentraining auf Einzelstunden auf. Er sowie auch der Verein haben so schnell reagiert wie nur möglich und alles auf die neue Verordnung angepasst, sagt Reynert – nur damit der Trainingsbetrieb weiterlaufen kann.

Trotzdem fällt nun alles flach – ein Unding für den hauptberuflichen Trainer: „Auf rund 600 Quadratmetern Fläche dürfen keine sechs Personen trainieren – dafür habe ich kein Verständnis.“

Der Badische Tennisverband hat sich bereits an die Landesregierung gewandt und strebt die Abänderung der Definition „Sportstätte“ an, sodass, wie ursprünglich kommuniziert, zwei Personen pro Tennisplatz aktiv sein dürfen. Nun gilt es, eine Antwort abzuwarten.

Golf- oder Pferdesport möglich


Die Ausnahmen für andere Individualsportarten sind eindeutiger. Weitläufige Anlagen im Freien, so heißt es in der Verordnung, dürfen von mehreren individualsportlich aktiven Personen unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden. Auf Golf- und Reitplätzen können sich also sogar Kleingruppen aufhalten. So lange sie die Hygienevorschriften einhalten.

Der Geschäftsführer vom Baden-Württembergischen Golfverband, Rainer Gehring, gab dieser Tage bekannt, dass 3er- und 4er Flights aus maximal zwei Haushalten auf den Plätzen spielen dürfen, während der Golfclub Baden-Baden sich auf eine Minimierung auf ausschließlich 2er-Flights festlegte. Der Golfclub Altrhein entschied sich indes dazu, seinen Platz zu sperren.

Zum Artikel

Erstellt:
4. November 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.