Terminplan von Anfang an „komplett verrissen“

Rastatt (dm) – Die Sanierung der August-Renner-Realschule war nicht nur teuer, sondern auch eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen.

Geduld war gefragt: Bei der Sanierung der Rastatter August-Renner-Realschule lief einiges nicht rund. Foto: av

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Geduld war gefragt: Bei der Sanierung der Rastatter August-Renner-Realschule lief einiges nicht rund. Foto: av

Zwei Jahre später und teurer als ursprünglich geplant geht die Sanierung der August-Renner-Realschule in Rastatt zu Ende. Schon die ersten, unsachgemäßen Abbrucharbeiten im Jahr 2018 hatten den Terminplan „komplett verrissen“, weil daraus ein „Rattenschwanz“ an Terminverschiebungen für andere Gewerke erfolgte, wie Architekt Stefan Emslander am Montag im Gemeinderat ausführte.

Mit zwei Firmen liegt die Stadt noch im juristischen Clinch. Sie hatte den Betrieben, die für Abriss und Bodenbelagsarbeiten zuständig waren, gekündigt. Unter anderem sei Gefahr im Verzug gewesen (Abriss), und es seien Fristen nicht eingehalten worden (Bodenbelag). Mögliche Schadenersatzansprüche werden geklärt.

Bei einem weiteren Gewerk (Wärmedämmung der ehemaligen Garagen) habe die beauftragte Firma hingeschmissen – auch hier habe es Verzögerungen gegeben –, die Arbeiten mussten neu ausgeschrieben werden, so die Verwaltung. Wie Stadtrat Klaus Hüttlin (FW) anmerkte, seien zudem die Toiletten im Erdgeschoss falsch eingebaut worden. Dieser Fehler soll laut Emslander in rund vier Wochen behoben sein.

Schon frühzeitig hatte sich herausgestellt, dass der ursprüngliche Kostenplan vom April 2018 nicht gehalten werden kann, damals war man von knapp 2,4 Millionen Euro ausgegangen. Nachdem sich aber Auftragserweiterungen – und damit Mehrleistungen – sowie erforderliche Ersatzbeauftragungen ergaben, wurde die Prognose bereits im Herbst 2018 auf 3,15 Millionen Euro erhöht (und man ging von einer Fertigstellung bis zu den Sommerferien 2019 aus). Nun schließe man mit mit 3,37 Millionen Euro ab, einer weiteren Erhöhung um sieben Prozent.

Die Pannen an der Realschule sind offenbar kein Einzelfall: Auch bei den Arbeiten am Tulla-Gymnasium sei eine Firma „vom Hof gejagt worden, weil sie wohl der Aufgabe nicht gewachsen war“, wie es Michael Weck (SPD) formulierte. Der vorherigen Prüfung von Betrieben im Vergabeverfahren seien indes Grenzen gesetzt, wie Emslander auf Wecks Frage antwortete. Wenn einer nur zwei statt wie angekündigt acht Leute auf die Baustelle schickt und die dann nichts tun – „wie soll ich das im Vorfeld prüfen“?

Von Volker Kek (AfD) wegen der Kostensteigerungen kritisiert, wies der Architekt darauf hin, dass es bei einem Altbau immer wieder unvorhergesehene Dinge gebe, zum Beispiel, was das Innenleben von Decken oder der Zustand von Rohren/Leitungen betrifft. Herbert Köllner (FW) sah ganz andere Punkte, an denen man künftig anknüpfen müsse, die Verwaltung hatte sie in ihren Ausführungen selbst dargelegt: Demnach habe es eine „nicht ausreichende Abstimmung zwischen einzelnen Planungsbüros“ sowie eine „nicht ausreichende Projektbegleitung“ als Aufgabe des Bauherrn, also der Stadt, gegeben.

Nicht unerwähnt lassen wollte die Verwaltung, dass „Schulleitung und das gesamte Kollegium“ der Realschule „diese lange Bauzeit, die im laufenden Schulbetrieb mit viel Einschränkungen und Kompromissen verbunden war, mit viel Verständnis und Geduld“ mitgetragen habe.

Unter anderem wurden im Zuge der Verbesserung des Brandschutzes der Verwaltungsbereich mit Lehrerzimmer umgebaut, die Fachräume modernisiert, zur Herstellung der Barrierefreiheit ein Aufzug zwischen den Gebäuden A und B installiert und die früheren Garagen zu provisorischen Technikräumen umgebaut.


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