Testen, Schnelltesten, Freitesten

Stuttgart (bjhw) – Die Landespolitik diskutiert aktuell über Wege, wie Corona-Lockerungen möglich werden könnten.

Schnelltests werden in Deutschland derzeit nur von Fachpersonal durchgeführt. Foto: Sven Hoppe/dpa

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Schnelltests werden in Deutschland derzeit nur von Fachpersonal durchgeführt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Druck, neue Corona-Lockerungen in den Blick zu nehmen, wächst, weil die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Justizminister Guido Wolf (CDU) sieht, um Niederlagen vor Gericht zu vermeiden, einen „erhöhten Begründungsbedarf“ dafür, ob die derzeit geltenden Maßnahmen „in voller Stärke und in ihrer Breite weitergeführt werden können“.
Innenminister Thomas Strobl (CDU) wiederum verlangt nach „Tests, Tests, Tests, so umfassend und regelmäßig wie möglich“. Tatsächlich haben andere EU-Länder damit bereits gute Erfahrungen auf dem vorsichtigen Weg aus dem Lockdown gemacht. Die Sonderzulassung des zuständigen Bundesamts für Arzneimittel und Medizinprodukte steht für die Bundesrepublik jedoch noch aus.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am Mittwoch zum Test-Gipfel geladen, auch wenn er den Begriff eigentlich nicht mag, „weil von einem Gipfel immer großartige Ergebnisse erwartet werden“. Aktuell drängen aber nicht nur die – wie immer wieder und von allen Beteiligten betont wird – sinkenden Corona-Zahlen, sondern auch der Koalitionspartner. Die Strategen in der CDU sehen vielleicht doch noch eine Möglichkeit, mit dem Thema Pandemie zu punkten. Wie schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 werden immer mehr neue Forderungen laut.

So spricht sich Justizminister Guido Wolf dafür aus, näher zu betrachten und vor allem im Kabinett zu entscheiden, wie eine Fortführung bisher geltender Maßnahmen verhältnismäßig wäre. In seiner Eigenschaft als Tourismusminister widerspricht er zugleich seinem Parteifreund, dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, und will den Osterurlaub noch nicht abschreiben.

Nicht nur die Touristiker schauen ohnehin neidvoll nach Österreich, wo bei deutlich höheren Inzidenzen Kitas, Schulen, Friseure und der Handel wieder geöffnet haben – vor allem dank jener Tests, die in Deutschland erst noch zugelassen werden müssen. Etwa 1,5 Millionen kostenlose Tests werden pro Woche vorgenommen in einem Land von rund acht Millionen Einwohnern, mit steigender Tendenz. In vielen Bereichen sind negativ ausgefallene Tests inzwischen Eintrittskarten. Bis 1. März sind die Apotheken mit Vorräten für Selbsttests ausgestattet, um jedem Interessierten pro Monat fünf Stück abgeben zu können.

Die Handhabung der Wohnzimmer- oder Nasenbohrer-Tests, deren Einsatz seit Mitte Januar auch in Deutschland diskutiert wird, ist einfach. Nach 15 Minuten liegt ein Ergebnis vor, das „bei hoher Virenlast“, wie es heißt, als ebenso sicher gilt wie jenes der bisherigen Antigen-Schnelltests.

Die EU hat die Fabrikate des chinesischen Herstellers Boson bereits zugelassen, das Bundesgesundheitsministerium für Deutschland 16 Millionen Testkits pro Monat gesichert. Auch das Paul-Ehrlich-Institut hat das Verfahren bereits als sicher eingestuft. Strobl lobt die Test-Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), „weil an zwei Fronten mit aller Kraft gearbeitet werden muss: so schnell so viel Impfstoff wie möglich beschaffen und so viele Tests wie möglich anbieten“. Dieser Weg sei auch der richtige Korridor für schnellere Öffnungen von Handel, Kultur und Gastronomie.

Zum Spitzengespräch sind neben dem Koalitionspartner auch Vertreter der Städte, Kreise und Kommunen, der Gesundheitsämter oder der Apotheken geladen. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hat – in enger Abstimmung mit Spahn – auch eigene Pläne zum Aufbau einer Landesreserve an Schnelltests dabei. Auch er spricht sich für kostenlose Möglichkeiten aus.

Die Apothekerkammer wiederum hat darauf hingewiesen, dass das eigene Selbstzahler-Angebot häufig vor Ort an den Gegebenheiten scheitert. Noch ein Aspekt, der für die neuen Selbsttests spricht, gerade in Grenzregionen, in denen, wie in Österreich bei Ausbreitung von Virus-Mutationen, regelmäßiges Freitesten die einzige Chance werden könnte, sich weiterhin auch frei zu bewegen.


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