Testpflicht fegt den Weihnachtsmarkt leer

Rastatt (BNN) – Miese Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt: Die 2Gplus-Regel verprellt die Kundschaft. Die Stadt will trotzdem am Budenzauber festhalten.

Tote Hose: Am Mittwochnachmittag ist auf dem Weihnachtsmarkt nichts los. Die Security-Kräfte weisen immer wieder Besucher ab, die keinen Test vorweisen können. Foto: H.J. Collet

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Tote Hose: Am Mittwochnachmittag ist auf dem Weihnachtsmarkt nichts los. Die Security-Kräfte weisen immer wieder Besucher ab, die keinen Test vorweisen können. Foto: H.J. Collet

Krisensitzung in der Glühweinpyramide: Zur Mittagszeit haben sich ein halbes Dutzend Schausteller am Stand von Hugo Levy auf dem Weihnachtsmarkt versammelt. Die Stimmung schwankt zwischen Wut und Resignation. „Das ist der Todesstoß für den Markt“, sagt Levy. Seit diesem Mittwoch gilt die 2Gplus-Regel. Auch abseits des Weihnachtsmarkts zieht das Land die Zügel wieder deutlich an. Für Ungeimpfte tritt im Landkreis Rastatt eine Ausgangssperre in Kraft.
Menschen ohne Corona-Schutzimpfung oder ohne Genesenen-Status müssen ab Donnerstag zwischen 21 und 5 Uhr daheim bleiben. Aufgrund der kritischen Lage hat die Landesregierung wieder Ausgangsbeschränkungen in Stadt- und Landkreisen eingeführt, in denen die 7-Tage-Inzidenz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 500 liegt.

Im Landkreis Rastatt lag der Wert am Dienstag bei 529. Am Mittwoch betrug er 553. Das verpflichtet das Gesundheitsamt nach Vorgaben des Landes zu diesen Maßnahmen.

Schärfere Regelungen gelten auch im Einzelhandel, der nicht der Grundversorgung dient. Dort haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Erst am vergangenen Mittwoch war in diesem Bereich die 3G-Regel in Kraft getreten, die schon wieder überholt ist.

Security schickt Besucher weg

Noch restriktiver sind die Vorgaben für den Weihnachtsmarkt in Rastatt. Zugang hatten schon bislang nur Geimpfte und Genesene. Jetzt müssen sie auch noch einen aktuellen Test vorweisen. Zu den ganz wenigen, die dieses Kriterium erfüllen, gehören am frühen Mittwochnachmittag Hans-Peter Bartelt und seine drei Freunde aus Karlsbad. Die vier Männer hatten den Ausflug nach Rastatt schon länger geplant und sich aufgrund der aktuellen Entwicklung noch morgens vor der Abfahrt mit der Stadtbahn Tests organisiert. Jetzt stehen sie allein auf weiter Flur am Glühweinstand. „Das ist völlig ungefährlich. Wir sind doch unter freiem Himmel“, sagt Bartelt.

Diese Einschätzung würde Schausteller Levy am liebsten dick und fett unterstreichen. Er berät zur selben Zeit mit seinen Kollegen, wie es weitergehen soll. „Ich schau mir das noch bis zum Wochenende an. Wenn sich dann nichts ändert, baue ich ab“, sagt er. Vor den Ständen herrscht tote Hose. Die Security-Kräfte an den beiden Eingängen schicken immer wieder Besucher weg, die keinen Test dabei haben. „Wer nimmt das schon auf sich?“, fragt Levy. Hätte er vorher gewusst, dass 2Gplus komme, hätte er gar nicht erst aufgebaut. „Niemand von uns hätte seinen Vertrag unterschrieben“, sagt er und erntet Nicken von seinen Kollegen.

Unter diesen Umständen sei der Markt ein Draufleg-Geschäft: „So produzieren wir nur Kosten.“ Aus Sicht der Schausteller wäre es die bessere Option, wenn das Land doch noch von zentraler Stelle die Reißleine zöge und sie wenigstens auf Entschädigungszahlungen hoffen könnten.

Das sieht auch Waltraud Puhl so. Seit vier Jahrzehnten verkauft die Saarländerin Pizza auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt. Normalerweise nutzen viele Stammkunden die Mittagspause, um bei ihr zu essen. Ihre Bilanz nach dem ersten 2Gplus-Mittag: „Es war niemand hier.“

Die Stadtverwaltung plant derweil, den Besuchern den Zugang so gut es geht zu erleichtern. Laut Pressesprecherin Heike Dießelberg soll ein privater Anbieter zeitnah ein Testzelt bei der Sparkasse aufschlagen, dessen Öffnungszeiten an den Weihnachtsmarkt gekoppelt seien. Noch stehe aber die Genehmigung durch das Gesundheitsamt aus.

Dem Beispiel aus Pforzheim zu folgen und den Markt abzubrechen, sei kein Thema: „Von unserer Seite aus ist ganz klar: Wir sagen ,Ja‘ zum Weihnachtsmarkt.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
24. November 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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