Teures „Abenteuer“ in der Brückenmühle

Gernsbach (stj) – Zwei junge Männer aus Offenburg wurden wegen eines Einbruchs in die Brückenmühle zu Geldstrafen verurteilt: Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung konnte man ihnen nachweisen.

In die künftige Nutzung der Brückenmühle (Hofstätte 2) kommt wieder Bewegung. Foto: Stephan Juch

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In die künftige Nutzung der Brückenmühle (Hofstätte 2) kommt wieder Bewegung. Foto: Stephan Juch

6.000 und 2.800 Euro Geldstrafe müssen zwei junge Männer aus Offenburg bezahlen, weil sie am frühen Morgen des 31. Oktober vergangenen Jahres in die Brückenmühle eingestiegen sind. Wertgegenstände haben sie keine entwendet, lediglich geringen Sachschaden hinterlassen. Deshalb verurteilte sie Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch nicht wegen versuchten schweren Diebstahls, sondern „nur“ wegen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit Sachbeschädigung.

Die zwei Angeklagten, 35 und 27 Jahre alt, zeigten sich reumütig und betonten, nicht die Absicht gehabt zu haben, etwas zu stehlen. Sie seien in Gernsbach gewesen, um beim Renovieren zu helfen und hätten nach getaner Arbeit ein paar Bierchen getrunken. Gegen 6 Uhr in der Früh sei ihnen beim Spaziergang das schöne alte, offenbar leer stehende Gebäude aufgefallen. Dabei seien sie auf ein kaputtes Fenster im Silo-Bereich im Mühlgrabenweg gestoßen, hebelten es mit einem Schraubenzieher auf und gelangten ins Innere. Dort hätten sie sich nur umgeschaut, bis sie die Polizei bemerkten. Daraufhin seien sie durch ein Fenster im Untergeschoss zur Murg hin rausgeklettert, um abzuhauen.

Fenster und Tür mit Schraubenzieher aufgehebelt

„Wir wussten nicht, dass es bewohnt ist“, versicherten die beiden auf der Anklagebank. Die Hausmeisterfamilie hatte die Polizei verständigt, nachdem sie „Getrappel“ im Obergeschoss vernommen hatte. „Es tut uns leid“, sagten die jungen Männer in Richtung der zwei Zeugen. Zudem hatten sie bereits am 4. Januar ein Entschuldigungsschreiben an den Hauseigentümer, die KSB Project Invest GmbH Baden-Baden, geschickt. Sie seien in angetrunkenem Zustand (1,04 und 0,94 Promille) aus Abenteuerlust in die Brückenmühle eingestiegen. „Ich habe meine Lektion gelernt, schon als die Polizei uns mitgenommen hat“, versicherte der jüngere der beiden Angeklagten. Und sein Kumpel erklärte, dass „es sicher nicht noch einmal vorkommen wird“.

Dass es nicht ganz so harmlos war, wie es nach den Schilderungen der Angeklagten aussah, zeigten die Aussagen der beiden geladenen Hausbewohner. Zwar sei die Fensterscheibe, durch die die Einbrecher ins Gebäude gelangten, schon vorher kaputt, allerdings verschraubt und verbarrikadiert gewesen – also nicht so ohne Weiteres zu öffnen. Zudem wurde eine Innentür mit einem Werkzeug gewaltsam geöffnet, das ganze Gebäude durchforstet, Schränke und Schubladen aufgemacht.

Knapp dran am Einbruchsdiebstahl

Auch wenn darin nichts zu finden war, lege dies den Verdacht nahe, dass man etwas klauen wollte, mutmaßte Richter Koch und schrieb den Offenburgern ins Gewissen, dass sie mit ihrer Aktion knapp dran waren an einem Einbruchsdiebstahl. Ein solcher hätte vor allem für den älteren der beiden schlimmere Folgen gehabt, weist er doch im Gegensatz zu seinem bislang unbescholtenen Kompagnon bereits sieben Einträge im Bundeszentralregister aus – unter anderem Hausfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

Was den 27-Jährigen anbelangt, der sich anwaltlich vertreten ließ, passt der Vorfall „überhaupt nicht zu ihm“. Sein Verteidiger betonte, es habe sich um eine „komplett hirnverbrannte Aktion“ gehandelt. Er gehe fest davon aus, sein Mandant sei aus Neugier da rein gegangen. Aber ein lockendes Abenteuer sei natürlich keine Entschuldigung. Das vollumfängliche Geständnis und die Tatsache, dass sein Mandant bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war, müsse man aber genauso positiv berücksichtigen wie das Entschuldigungsschreiben.

Das tat die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Baden-Baden auch, dennoch sah sie einen gewissen Vorsatz erfüllt. Sie plädierte für Geldstrafen in Höhe von 6.300 Euro für den jüngeren und 10.000 Euro für den vorbestraften älteren Angeklagten.

Amtsgerichtsdirektor Koch blieb in seinem Urteil etwas unter diesen Forderungen und erklärte das auch mit dem „alten Kasten“ Brückenmühle. Wenn man dort einsteige, könne man nicht erwarten, große Reichtümer vorzufinden. Gleichwohl gehe es natürlich weit über bloße Neugier hinaus, wenn man Fenster und Türen mit einem Werkzeug aufbricht. Dem 35-Jährigen verdeutlichte Koch, dass man angesichts seiner „Karriere“ bei einem Einbruchsdiebstahl über eine Haftstrafe hätte nachdenken müssen.

Brückenmühle: Wohnnutzung im Gespräch

„Wir sind guter Dinge, dass sich das zum Wohngebäude entwickelt.“ Diese Aussage machte der Hausmeister der Brückenmühle am Dienstag im Zeugenstand des Amtsgerichts Gernsbach, als ihn Richter Ekkhart Koch nach der Zukunft der seit Jahren weitgehend leer stehenden, stadtbildprägenden Immobilie gefragt hatte. Die Stadt Gernsbach ließ daraufhin auf Anfrage des BT ausrichten, dass Bürgermeister Julian Christ und das Bauamt seit einiger Zeit im Austausch mit einem möglichen Käufer der Brückenmühle stehen: „Mit Blick auf die Vielzahl von Interessensbekundungen in der Vergangenheit ist es aber zu früh, um vor Abschluss eines Kaufs über Planungen öffentlich zu sprechen. Zudem ist für die Entwicklung des Gebäudes ein anspruchsvolles Bebauungsplanverfahren erforderlich, bei dem unter anderem die Frage nach Stellplätzen zu beantworten wäre.“ Heißester Kaufinteressent ist nach BT-Informationen die auf denkmalschutzgerechte Sanierungen spezialisierte Firma Stenner & Frank (Baden-Baden). Geschäftsführer Bernd Frank bestätigt auf Anfrage das Interesse an der Brückenmühle sowie laufende Gespräche mit der Eigentümerin (KSB Project Invest GmbH, Baden-Baden) und der Stadt Gernsbach. Die Stenner & Frank KG Immobilien hat in unmittelbarer Nähe zur Brückenmühle bereits zwei prestigeträchtige Projekte erfolgreich zum Abschuss gebracht: das Ensemble Bleichstraße 31 bis 35 und das Gebäude Bleichstraße 5. Alte, sanierungsbedürftige Bausubstanz, wie sie in Gernsbach nicht selten ist, passt optimal ins Geschäftsfeld von Stenner & Frank.


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