The 7 Fingers zum Start des Atoll-Festivals

Karlsruhe (cl) – Im Karlsruher Tollhaus wird der neue Zirkus wieder in vollen Zügen gefeiert. Tollhaus-Chef Belschner gibt beim Atoll-Festival ab Mittwoch auch großen Compagnien wieder eine Bühne.

Die Compagnie The 7 Fingers aus Kanada probt bereits für die Eröffnungsproduktion des Festivals im Tollhaus. Am morgigen Mittwoch startet Atoll.  Foto: Tollhaus Karlsruhe

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Die Compagnie The 7 Fingers aus Kanada probt bereits für die Eröffnungsproduktion des Festivals im Tollhaus. Am morgigen Mittwoch startet Atoll. Foto: Tollhaus Karlsruhe

Der zeitgenössische Zirkus trotzt Corona und wird auch in diesem Frühherbst seine Leistungsfähigkeit beim Atoll-Festival im Karlsruher Tollhaus unter Beweis stellen. Mit rund 80 Künstlern aus Kanada, Spanien, Frankreich, Schweden, Finnland, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und aus Deutschland feiert das Festival für den neuen Zirkus von diesem Mittwoch an bis 26. September seine sechste Auflage. „Die ersten Künstler sind schon da“, sagt Tollhaus-Leiter Bernd Belschner. „Bisher hatten wir noch keine Absagen – und hoffen, dass alle heil und gesund zu uns kommen können.“

Die Compagnie The 7 Fingers aus Kanada probt bereits für die der Eröffnungsproduktion im Tollhaus-Saal. „Sie haben ihr Stück ,Passagers‘ mit zirzensischen Geschichten zum Thema Migration rund um eine Zugreise seit über einem Jahr nicht mehr gespielt, die vielen Darsteller müssen sich wieder aufeinander einspielen“, sagt der Tollhaus-Chef. Die weltweiten Einschränkungen und Lockdowns wegen der Pandemie sind für keinen Künstler leicht gewesen – doch die Artisten, von jeher resistent und flexibel, sowohl körperlich als auch geistig, hätten immer Möglichkeiten gefunden, die Zeit mit kleineren Auftritten zu überbrücken. Trotzdem haben nicht alle Compagnien überlebt: Eine Schau im Tollhaus erinnert an eine Truppe, die aufgeben musste. Auch Großproduktionen mit vielen Artisten hatten es schwer, überhaupt Auftrittsmöglichkeiten zu finden. „Es war uns deswegen wichtig, nicht nur kleinere Produktionen mit ein, zwei Artisten zu zeigen, sondern auch größere Compagnien herzuholen“, so Belschner.

Jetzt geht es bei Atoll wieder richtig zur Sache – und zwar ausgedehnt: auf die Tollhaus-Säle, das Zirkuszelt, die Fleischmarkthalle bis ins ZKM, wo die Installation des Schweizer Künstlers Julian Vogel ausgestellt wird. 16 Produktionen, darunter zwei Uraufführungen sowie zahlreiche deutsche Erstaufführungen, werden zu sehen sein.

„Wir könnten Stand heute volle Auslastung fahren“, sagt Belschner, „wollen die Säle aber nur bis zu 60 Prozent füllen, denn wir haben das Gefühl, das Publikum muss sich erst wieder an den Besuch von Kulturveranstaltungen gewöhnen.“ Ganz eng soll es nicht zugehen: Der große Tollhaus-Saal wird mit maximal 400 Zuschauern besetzt, der kleine mit 200. Die skandinavische Zeltproduktion „Circus I Love You“ wird ein buntes Spektakel vor 300 Zuschauern feiern.

Beim Open-Air-Theater von PIT wird die Reling des drei mal drei Meter großen Würfels aber mit bis zu 35 Personen ausgelastet. Das Zirkusstück „hyrrä paratiisi“ entstand als Atoll-Koproduktion – und spielt mit dem Gedanken an das Paradies und reizt in akrobatischen Wendungen, mit manipulierten Körpern und einem live gespielten Soundtrack die performative Freiheit und Vielseitigkeit des Genres aus. Außerdem gastiert wieder die finnische Race Horse Company mit ihrem neuen Stück „O’DD“, das die Gesetze der Physik auf den Kopf stellt.

Mit Ausnahme der Eröffnung von 7 Fingers am Mittwochabend gibt es für alle Veranstaltungen noch Karten. Insgesamt laufe der Kartenvorverkauf nach Auskunft Belschners „sehr gut“. „Bis die Menschen wieder in Strömen zur Kultur kommen, braucht es vielleicht noch ein bisschen Zeit“, meint er. Belschner ist froh, dass überhaupt wieder so viel möglich ist. Finanziell unterstützt wird das Festival auch durch die Corona-Mittel des Bundes zum „Neustart Kultur“.

Am Eingang zu den Karlsruher Veranstaltungsorten werden die 3-G-Regeln kontrolliert, bei den Aufführungen gilt Maskenpflicht. Für Festivalatmosphäre sorgen die Atoll-Bar und die Lounge im Tollhaus-Innenhof.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
14. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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