Theater Baden-Baden punktet mit Musicalrevue

Baden-Baden (BT) – Menschen hinter den Kulissen machen Show: Theater Baden-Baden begeistert mit der unterhaltsamen Revue „Die Suche nach dem verlorenen Musical“ von Ingmar Otto und Michael Laricchia.

Bewegender Moment: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, singt Rosalinde Renn beim Musicalabend des Theaters Baden-Baden als Hildegard Knef.  Foto: Jochen Klenk/TBB

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Bewegender Moment: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, singt Rosalinde Renn beim Musicalabend des Theaters Baden-Baden als Hildegard Knef. Foto: Jochen Klenk/TBB

Begeisterte Zwischenrufe, Szenenapplaus – nicht nur nach den Musikeinlagen – und lange anhaltender Beifall zum Schluss: Die Revue „Die Suche nach dem verlorenen Musical“, die am Samstagabend im Theater Baden-Baden Premiere feierte, stieß beim Publikum offensichtlich auf großes Gefallen. Mit einer gehörigen Portion Humor inszeniert Ingmar Otto eine unterhaltsame, bunte, durchdachte und kurzweilige musikalische Hommage an das Theater – und an die oft ungesehenen Personen hinter den Kulissen.

Der Text zur Revue stammt von Otto und Schauspieler Michael Laricchia, welcher im Stück einen Musical-Enthusiasten verkörpert, der wegen der coronabedingten Schließung der Theaterhäuser derzeit nicht auf seine Kosten kommt. Angekommen auf der verwaisten Bühne überredet er sodann Bühnenmitarbeiter, Reinigungskräfte und andere dazu, Lieder aus bekannten Musicals wie „My fair Lady“ oder „Hochzeit mit Hindernissen“ zu singen. Oliver Jacobs, Sonja Dengler, Nadine Kettler, Jonathan Bruckmeier und Constanze Weinig zeigen dabei durchweg solide und ausdrucksstarke Darbietungen – die Übertreibung im Spiel, die darin angelegte Ironie wirkt erfrischend ulkig-komisch. Die Grenze zum Klamauk ist dabei fließend, etwa wenn Bruckmeier als schlaffer Spiderman „fliegend“ über die Bühne gezogen wird oder Kettler mit großer Mimik einen Ton bis ins scheinbar Unermessliche in die Länge zieht.

Laricchia gibt den Moderator

Laricchia gibt den Moderator des Abends, animiert nicht nur die Theater-Mitarbeiter zum Auftritt, sondern kommentiert auch die Stücke, gibt sachkundigen Einblick in die Welt der des musikalischen Bühnenstücks und interagiert gewinnbringend mit dem Publikum. „Schön, dass wir wieder im Theater sind“, sagt der Musical-Freund gleich zu Beginn des Stücks – und aus dem Baden-Badener Publikum raunt es unter Applaus zurück: „Ja“.

In Cordhose und Strickjacke verkörpert der brave und begeisterungsfähige Mann jedoch noch viel mehr: Unscheinbar ist er, in gewisser Weise ein Sonderling, der jedoch schnell übersehen wird unter all den schillernden, nach außen drängenden Charakteren. Auch die Arbeit hinter den Kulissen wird oftmals übersehen in Anbetracht der schillernden Bühnenwelt. Dank der Ausführungen des namenlosen Theater-Freunds lernt der Zuschauer aber auch Wissenswertes zur Technik hinter der Bühnenwelt. Es ist ein Fingerzeig in Richtung der oftmals Ungesehenen. Die Revue lebt deshalb gleichermaßen von Bodenständigkeit und Traumwelt, von klar konturierten Arbeitsaufträgen der technischen Berufe und der dem Theater innewohnenden Illusion.

Als schließlich Hildegard Knef, gespielt von Rosalinde Renn, die Bühne aus dem Unterboden erreicht, ist dies ein bewegender Moment: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, singt Renn, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feierte. Die schroffe Anmut der Knef verkörpert sie aufs Beste, dabei wird auch sie von den Musikern aus dem Orchestergraben gekonnt begleitet.

Am Ende der Revue wird nicht klar, ob sich der von Laricchia so einfühlsam und lustig gespielte Musical-Fan das Ganze vielleicht nur eingebildet hat. Doch wer will ernsthaft unterscheiden, was im Theater real und was Illusion ist?

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
27. September 2021, 05:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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