Theater-Zwangspause in Hilpertsau beendet

Gernsbach (vgk) – Ein glücklicher Theaterchef konnte am Ende der Vorstellung vor sein Publikum treten. Glücklich, dass die coronabedingte Zwangspause beendet ist und wieder gespielt werden darf.

Thomas Höhne und Adelheid Theil als mörderisches Ehepaar in dem Liebesthriller „Das letzte Mal“. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Thomas Höhne und Adelheid Theil als mörderisches Ehepaar in dem Liebesthriller „Das letzte Mal“. Foto: Veronika Gareus-Kugel

„Das letzte Mal“ ist ein irrwitziger Liebesthriller von Emmanuel Robert-Espalieu, der schon bei der Erstauflage in der Alten Turnhalle mit Theaterchef Thomas Höhne und Schauspielerkollegin Adelheid Theil für lang anhaltenden Applaus und Stehende Ovationen sorgte. Auch dieses Mal wusste das brillierende Schauspielerduo damit das Publikum zu begeistern. Das seinerseits wieder applaudierte, bis die Handflächen glühten.

Wie alle Theater war auch die Theaterbühne Alte Turnhalle Hilpertsau in den vergangenen eineinhalb Jahren coronabedingt zur Schließung verdammt. Die Wiederauflagen-Premiere zur Wiedereröffnung war deshalb genau das Richtige. Wenngleich einige der Besucher das Stück schon einmal gesehen haben, waren auch diese wieder voll des Lobes für die Akteure des von Höhne rasant inszenierten Schauspiels in der Übersetzung von Frank Weigand, ausgestattet von Ilona Lenk.

Es beginnt alles ganz harmlos. Ein Ehepaar sitzt in trauter Zweisamkeit am Tisch beim Essen. Die Dialoge bestimmen Alltägliches bis zu dem eher beiläufig und freundlich gesagten Satz: „Liebling, du wirst heute Nacht sterben. Ich habe dich vergiftet.“ Damit beginnt ein ehelicher Schlagabtausch, der die Liebhaber schwarzen Humors voll auf ihre Kosten kommen lässt.

Wortgefechte immer absurder

Die Wortgefechte, die sich infolge des Spiels das Ehepaar liefert, werden mit zunehmender Spieldauer immer absurder, die Dialoge skurriler. Wobei die Skurrilität sich aus der Harmlosigkeit des Gesagten heraus entwickelt. Das gemeinsame Leben wird bis ins Detail wie unter einem Vergrößerungsglas seziert. Von welchen Träumen wurde man all die Jahre begleitet? Was blieb unerfüllt? War man sich gegenseitig immer treu? Wie sollen die letzten eineinhalb Stunden des Lebens aussehen? Wann waren wir das letzte Mal glücklich? Hoffnung keimt auf. War die Todesankündigung bloß ein übler Scherz?

Die Wohnung liegt im 17. Stock. Das Handy ist nicht aufgeladen, das Festnetztelefon ist abgemeldet und die Wohnungsschlüssel sind verschwunden. Ein Entkommen ist unmöglich.

Zweideutiges Ende

Die Schauspieler als mörderisches Ehepaar lassen während des 90-minütigen abgefahrenen Spiels keine Langeweile bei den Zuschauern aufkommen. Die Wortgefechte werden heftiger und das Agieren immer intensiver. „Ich liebe dich, deshalb habe ich dich vergiftet“, schmettert Theil Höhne entgegen. Doch auch in diesem Fall: Ordnung muss sein. Kein Krümel darf das Bild vom plötzlichen Ableben des Gatten trüben. Der Mann krümmt sich im Schmerz des Giftes, die Ehefrau übermannt gleichzeitig der Schmerz um den verstorbenen Hund. Die Schauspieler lancieren Pointe um Pointe, deren Wirkung der jeweiligen Situation entspringt bis zum zweideutigen Ende – oder kann man Tote noch vergiften?

Noch elfmal besteht die Gelegenheit, das Stück in der Alten Turnhalle Hilpertsau zu sehen. Am 9. Oktober lädt mit „Bestellt und nicht abgeholt (komödiantische Miniaturen)“ von und mit Andrea Trude (Regie Thomas Höhne) das Theater zur nächsten Premiere ein. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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Erstellt:
3. Oktober 2021, 16:21 Uhr
Lesedauer:
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