Theater startet Ende Mai auf der Hofbühne

Baden-Baden (cl) – Das Theater Baden-Baden startet wieder am 28. Mai auf der Hofbühne. Die neue Spielzeit wird mit einer Dostojewskij-Adaption Anfang September im Haus am Goetheplatz eröffnet.

Bei den Schauspiel-Proben zu Ibsens „Gespenster“ am Theater Baden-Baden (von links): Michaela Lenhart, Cyril Hilfiker, Crescentia Dünßer, Sebastian Mirow und Max Ruhbaum. Die bereits fertige Inszenierung soll im April 2022 Premiere haben.  Foto: Sebastian Brummer/TBB

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Bei den Schauspiel-Proben zu Ibsens „Gespenster“ am Theater Baden-Baden (von links): Michaela Lenhart, Cyril Hilfiker, Crescentia Dünßer, Sebastian Mirow und Max Ruhbaum. Die bereits fertige Inszenierung soll im April 2022 Premiere haben. Foto: Sebastian Brummer/TBB

Seit über einem Jahr haben die Theater, bis auf wenige Wochen im Herbst 2020, wegen der Pandemie geschlossen. Der Ausnahmecharakter der laufenden Spielzeit wird wohl auch am Theater Baden-Baden bis zum Ende noch vorherrschen. Immerhin soll ab 28. Mai draußen wieder gespielt werden, sofern es die sinkenden Inzidenzen in Baden-Baden zulassen. Die Hofbühne wird momentan aufgebaut, ein heiter-musikalisches Angebot wie im vergangenen Sommer ist zu erwarten. Am Open-Air-Sommertheater auf dem Marktplatz wird ebenfalls festgehalten – auch der Aufbau für die Premiere der Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ am 25. Juni beginnt gerade.

Im Theater selbst soll frühestens im September wieder gespielt werden. Und dann wird sich alles darum drehen, was uns in der Corona-Zeit am meisten gefehlt hat: „Berühren“, so heißt das Spielzeitmotto für die Saison 2021/22. „Ein Sehnsuchts-Wort“, das physisch gemeint sei, aber auch im übertragenen Sinne eine Brücke zur Wahrnehmung anderer und zur Empathie für andere schlage, sagte Interimsintendantin Kekke Schmidt gestern bei der neuen Spielplanvorstellung auf der gut gelüfteten Theaterbühne. Sie hat die neue Spielzeit mit einer Mischung aus modernen Klassikern, Literaturadaptionen und neuen, spannenden Liebesgeschichten zusammen mit Intendantin Nicola May bestückt; diese wird ab Herbst wieder ihr Amt übernehmen, Kekke Schmidt rückt zurück auf die Position der Chefdramaturgin.

Mit Dostojewskijs berühmtem Roman „Schuld und Sühne“ geht es in den Theaterherbst (Premiere: am 10. September) – angepackt werden große philosophische Fragen nach dem Wert des Lebens und der Rolle des Gewissens, das den mittellosen Jura-Studenten Raskolnikow nach seinem Mord an der Wucherin Iwanowna plagt. Gefeiert wird mit dem dunklen Stoff in der Fassung von Gernot Plass nicht nur der Neustart des Theaters, sondern auch der 200. Geburtstag sowie der 140. Todestag des russischen Dichters. Geplant sind im frühen Herbst noch die Revue „Die Suche nach dem verlorenen Musical“ (25.9.) und die zarte, skurrile Liebesgeschichte von „Harold und Maude“ (15.10.), über einen lebensmüden jungen Mann und eine sehr agile ältere Dame, frei nach dem gleichnamigen Hollywoodfilm.

Vor dem Theatererlebnis steht ab Herbst wohl der Test- oder Impfnachweis

Der Tod des Familienkaters „Arthur“ ist Anlass für die ebenso skurrile wie feinsinnige, gleichnamige Uraufführung des neuen Familienstücks der niederländischen Dramatikerin Judith Herzberg; es geht um drei ältere Damen, die bei der Beisetzung alte Konflikte neu austragen. Neben Ibsens Gesellschaftsdrama „Gespenster“ von 1881, einer bereits fertiggestellten Inszenierung, die nächsten April herauskommen soll, über Lebenslügen und assistiertem Suizid öffnet das Theater mit „Stolz und Vorurteil“ frei nach Jane Austen im kommenden Jahr auch englische Romanwelten aus dem 19. Jahrhundert – und zeigt einen großen deutschen Romanstoff mit Ödön von Horvaths „Jugend ohne Gott“. Autor Alexander Charim gibt dem Roman über eine orientierungslose Jugend am Vorabend des Zweiten Weltkriegs die Theaterfassung. George Taboris gewitztes Stück „Mutters Courage“ über die Rettung seiner Mutter vor der Deportation nach Auschwitz fügt sich in die Premierenreihe, die im Sommer 2022 von einer Freiluftaufführung auf dem Goetheplatz gekrönt sein soll. In der Reihe große Stoffe folgen auch Wiederaufnahmen von „Faust I“, das seit 2012 auf dem Spielplan steht, und „Mephisto“. Auch „Der Vorname“ gehört zu den fertigen Inszenierungen, die coronabedingt längst nicht abgespielt sind.

Wie sich das Spielzeitmotto „Berühren“ im Herbst konkret für die Zuschauer auswirken wird, ist offen. Schmidt rechnet mit einem eingeschränkten Sitzplan im Theater am Goetheplatz – und mit irgendeiner Art von Zugangskontrolle, mit Impf- oder Testnachweisen. „Wir werden uns herantasten an das Theatererlebnis.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
18. Mai 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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