Thekla Walker: An der Schaltstelle

Stuttgart (bjhw) – Die neue Umweltministerin Thekla Walker hat erst relativ spät zur Politik gefunden. Wohin sie ihr Weg führt, darüber wird in der Landtagsfraktion schon gemunkelt.

„Politik mitgestalten in einer entscheidenden Phase für den Planeten“: Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Bernd Weissbrod/dpa/Archiv

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„Politik mitgestalten in einer entscheidenden Phase für den Planeten“: Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Bernd Weissbrod/dpa/Archiv

Ein paar kleine Brocken hat Thekla Walker schon aus dem Weg geräumt, viele große müssen folgen. Nach Tanja Gönner (CDU) von 2005 bis 2011 ist die Grüne die zweite Frau an der Spitze des baden-württembergischen Umweltministeriums.

Ein Vetorecht, wie es die Grünen-Spitze für die nächste Bundesregierung fordert, verbindet sich damit nicht. Dennoch besitzt dieses Ressort einen so großen Aktionsradius, dass in der CDU schon gegrübelt wird, ob mit Walker nicht womöglich eine potenzielle Nachfolgerin von Winfried Kretschmann heranwächst.

Gesprächspartner freut ihre „unkomplizierte Art“

Mit anderen Augen wollte die Neue auf Baden-Württemberg blicken. Ihre Sommerreise führte an Orte, in denen die Zukunft bereits Gegenwart ist. Bei Ritter-Sport in Waldenbuch, wo aus Gründen der Nachhaltigkeit Schokoladeverpackungen aus Altpapier stammen oder im Wasserstoff-Reallabor in Grenzach-Wyhlen, unter Tage bei Heilbronn, auf dem Bodensee oder am früheren AKW-Standort Philippsburg mit den vor einem Jahr gesprengten Kühltürmen, wo die Ministerin einen Konverter besichtigt, der demnächst Strom aus erneuerbaren Energien verlustarm von Nord nach Süd bringen wird.

Gesprächspartner freut Walkers „unkomplizierte Art“. Sie selber nennt als Pluspunkt die Neugierde und schlägt den Bogen zum späten Einstieg in die Politik. Erst 2008 fand die Mutter zweier erwachsener Söhne zu den Grünen, zog bald in den Stuttgarter Gemeinderat ein und wurde 2011, nach Kretschmanns erstem Wahlerfolg, sprungbefördert zur Landesvorsitzenden. Damals wurde sie oft noch wenig schmeichelhaft als „Greenhorn“ beschrieben.

Dabei brachte sie, neben der Familienphase, auch diverse andere Erfahrungen mit: das Studium der Geschichte und Amerikanistik in Tübingen ohne Abschluss, das Engagement für Greenpeace in Stuttgart. Sie produzierte Radiosendungen zu Umweltthemen, erklärte komplexe Zusammenhänge. Als Motiv für ihre Weiterbildung zur „Naturpädagogin“ nennt sie die Einsicht, dass sich die Zukunft nur ändert, „wenn wir Kindern Wissen über unsere Lebensgrundlagen nicht nur über den Kopf vermitteln“.

Die Berufsbezeichnung hängt ihr nach, auch noch als sie 2016 im Wahlkreis Böblingen ihr Direktmandat für den Landtag mit dem hauchdünnen Vorsprung von 37 Stimmen gewinnt. Auch weil Frauenförderung eine grüne Selbstverständlichkeit ist, wird sie sogleich finanzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Die erste Ministerpräsidentin im Land?

In den Folgejahren lobt auch ihr CDU-Pendant, der Baden-Badener Abgeordnete Tobias Wald, die Zuverlässigkeit der „geschätzten Kollegin“. Viele sehen sie nach dem Wahlerfolg 2021 zumindest als Staatssekretärin im Finanzministerium. Sie selber, berichten Parteifreunde, hätte sich auch die Übernahme dieses klassischen Schlüsselressorts zugetraut.

Jetzt sitzt sie an einer anderen Schaltstelle von herausragender Bedeutung, muss das von Kretschmann und seinem Stellvertreter Thomas Strobl (CDU) zum zentralen Eckpfeiler der Koalition erklärte Klimaschutzprogramm in die Tat umsetzen. Ihren Einstieg bei den Grünen erklärt die gebürtige Münsterländerin mit dem Wunsch, „Politik mitzugestalten in einer entscheidenden Phase für den Planeten“.

Und wenn sie erfolgreich ist? „Dann könnte gut sein“, so einer ihrer Bewunderer in der Landtagsfraktion, „dass wir 2026 noch einmal Geschichte schreiben und die erste Ministerpräsidentin in Baden-Württemberg stellen.“ In nächster Zukunft richtet sich der Blick erst einmal nach Berlin. Denn Walker weiß, dass der eigene Erfolg engverknüpft mit einem Erfolg der Grünen in Berlin ist, weil viele Kompetenzen beim Bund liegen.

Die Latte jedenfalls könnte höher kaum liegen: Denn Baden-Württemberg soll, wie es selbstbewusst im Koalitionsvertrag heißt, „als Klimaschutzland internationaler Maßstab“ werden. Nicht mehr und nicht weniger.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
8. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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