Reifenspuren auf geschützter Wiese bei Hügelsheim

Hügelsheim (kie) – Auf einer Wiese schlängeln sich Reifenspuren kurvenreich über ein geschütztes Flora-Fauna-Habitat. Ein Hügelsheimer Landwirt mahnt zu mehr Rücksicht auf die Natur.

Diese Orchideenart, das Helm-Knabenkraut, wächst auf der Wiese. Foto: Franziska Kiedaisch

© pr

Diese Orchideenart, das Helm-Knabenkraut, wächst auf der Wiese. Foto: Franziska Kiedaisch

Die Reifenspuren schlängeln sich kurvenreich über die geschützte FFH-Wiese (Flora-Fauna-Habitat). Hier, in den Hügelsheimer Rheinauen, wachsen unter anderem seltene Orchideen wie das Helm-Knabenkraut. Doch am Montag haben offenbar mehrere Autofahrer die Wiese als Teststrecke für wilde Fahrmanöver gewählt. Hartmut Rösinger, Fachagrarwirt für Naturschutz und Landschaftspflege und Pächter der Wiese, ist sauer und genervt. Die Orchidee sei ein „Aushängeschild“; man müsse „sehr sensibel“ mit der Fläche umgehen und diese auch auf bestimmte Weise bewirtschaften. Landschaftspflegeverträge mit der Naturschutzbehörde bestehen zum Schutz der artenreichen Wiese. Und nun das.

Doch der jüngste Vorfall markiert nur die Spitze des Eisbergs. Immer häufiger würde die Bevölkerung einfache Verhaltensregeln rücksichtlos ignorieren, sagt Rösinger: Der Landwirt, der ausschließlich Grünland bewirtschaftet, das zumeist in FFH-Gebieten liegt, berichtet etwa von Fahrzeugen, die mitten in der Natur abgestellt werden – selbst in Naturschutzgebieten und auf Wegen, die ausschließlich von Landwirten genutzt werden dürfen. „Man muss nicht bis an den Wiesenrand fahren, um spazieren zu gehen“, sagt er. Auch ärgert er sich darüber, dass Warn-, Verbots- und Hinweisschilder teilweise gänzlich missachtet werden. Freilaufende Hunde, die Nutz- und Wildtiere aufschrecken und deren Kot auf Wiesen das Winterfutter für Pferde oder Rinder verunreinigt, seien ein Problem – genauso wie zurückgelassener Müll oder menschliche Hinterlassenschaften. Besonders am Sonntag sehe er Dutzende Fahrzeuge im Umfeld von Gartenhütten parken – „und Leute, die mit einer Klopapierrolle aus den Büschen kommen“. Mit großer Sorge beobachtet Rösinger, der auch 70 Pferde in verschiedenen Haltungsformen versorgt, dass Schilder mit der Bitte, Tiere nicht zu füttern, häufig nicht beachtet werden. Es drohe Gefahr, auch weil niemand genau sagen kann, was und wie viel ein Tier tatsächlich gefressen hat, wenn fremde Personen füttern. Oft spreche er die Menschen direkt an. Dann höre er immer wieder das Gleiche: „Die Anderen machen es doch auch“.

Die Ursache? Ignoranz

Gefragt nach der Ursache für all das menschliche Fehlverhalten in der Natur, braucht Hartmut Rösinger genau ein Wort: „Ignoranz“. Seit der Corona-Pandemie habe sich die Rücksichtslosigkeit in der Umwelt verstärkt, ist er sich sicher. Auch andere Landwirte bestätigten diesen Eindruck: Beispielsweise habe er schon gehört, dass manche von ihnen eigens Umwege fahren mussten, weil ihre Wirtschaftswege für die Traktoren schlichtweg zugeparkt waren. Die Behörden und Kommunen seien überfordert, was das Thema angeht. Absolut nichts dagegen habe er, dass Menschen gerne in der Natur unterwegs sind – doch müsse vermehrt ins Bewusstsein gerufen werden, wie man sich dort zu verhalten habe, sagt er.

Aus diesem Grund wendet sich Rösinger mit einem Appell an die Bevölkerung: „Befahren Sie nicht die Wege der Land- und Forstwirtschaft, die sind für Sie gesperrt. Parken Sie nicht auf diesen Wegen, sondern auf ausgewiesenen Parkplätzen und gehen Sie zu Fuß auf den Wegen in die Natur. Verlassen Sie die Wege nicht, rechts und links des Weges sind Gelege der Wildtiere. Füttern sie auf keinen Fall Nutztiere und Wildtiere“, heißt es darin etwa.

Und weiter: „Erfreuen Sie sich an dem Anblick, aber ohne die Natur oder die Tiere zu schädigen. Beachten Sie alle Schilder!“

Zum Artikel

Erstellt:
8. Mai 2021, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
8. Mai 2021, 08:37 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.