Tierbegeisterte Besucher freuen sich „riesig“

Karlsruhe (naf) – Seit Dienstag ist der Karlsruher Zoo wieder geöffnet, ganz zur Freude der Besucher und einiger Tiere. Schimpanse Benny hatte die Interaktion vermisst.

Endlich zur Ruhe gekommen: Die Victoria-Krontauben haben in der besuchsfreien Zeit ein Jungtier bekommen. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

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Endlich zur Ruhe gekommen: Die Victoria-Krontauben haben in der besuchsfreien Zeit ein Jungtier bekommen. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

„Sehr gut, sehr schön und sehr gesittet“ verlief der erste Tag, an dem die Tiere im Karlsruher Zoo wieder andere Gesichter als die ihrer Pfleger sehen konnten. Die ersten Besucher seit dem 3. November standen gestern bereits um 9 Uhr an den Kassen Süd und Nord, berichtet Pressesprecher Timo Deible, ganz zur Freude einiger Zoobewohner.

Vor allem Benny dürfte sich über die neuen Gesichter gefreut haben. Bei dem Schimpansen-Männchen ist sich Deible manchmal nicht ganz sicher „ob die Besucher Benny beobachten oder nicht doch andersherum“. Stammgäste erkenne der Schimpanse schon von Weitem. Als Ausgleich musste in der besuchsfreien Zeit jeder Mitarbeiter, der an Bennys Glasscheibe vorbeilief, anhalten und wenigstens kurz mit ihm spielen, erzählt Deible. Generell habe man die Tiere in den vergangenen Monaten vermehrt beschäftigen müssen, besonders die, „die normalerweise mit Besuchern in Interaktion treten, wie die Ziegen im Streichelgehege“.

Auch auf Besucherseite sei die Freude „riesig“ gewesen, wieder durch den Zoo spazieren zu können, weiß Deible vor allem von den vielen Müttern mit Kindern, die den gestrigen Vormittag direkt dafür nutzten.

2.000 Besucher pro Tag

Insgesamt 2.000 Menschen können sich nun täglich online vorab anmelden oder per App ein e-Ticket kaufen. Sie werden auf drei Zeitabschnitte verteilt, die die reine Eingangszeit bestimmen. Bleiben darf jeder so lange er will, spätestens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Registrierung diene auch der Kontaktnachverfolgung, falls bei einem der Besucher eine Corona-Infektion nachgewiesen wird, außerdem herrscht Maskenpflicht im gesamten Park. Grundsätzlich wäre das im Freien zwar nicht nötig, so lange der Abstand eingehalten wird, doch „sobald man an ein Tiergehege rankommt, ist das vergessen“, weiß Deible. „Das sind Erfahrungen, die wir gemacht haben, und darauf haben wir reagiert.“ In engeren Passagen habe der Zoo Einbahnverkehr eingeführt, außerdem bleiben einige Häuser, die zu eng wären, geschlossen.

„Zum Glück an uns vorbeigegangen“ sind laut Deible weitreichende Konsequenzen der fehlenden Einnahmen. Niemand habe seinen Job verloren oder musste in Kurzarbeit gehen, wie das bei privatwirtschaftlich geführten Zoos durchaus teilweise der Fall war. Der Stadt Karlsruhe als Träger seien zwar enorme Einnahmen weggebrochen, der feste Etat für den Zoo sei aber in gleicher Höhe ausgezahlt worden.

Negativ auswirken könnten sich die „finanzielle Großlücken“ jedoch trotzdem, weiß Deible. Jedes neue Projekt müsse nun erstmal gründlich geprüft werden, „da geht nicht mehr alles. Dafür haben wir aber auch volles Verständnis“.

An einer besonderen Großinvestition wird trotzdem festgehalten: der Umbau der Afrikasavannen-Anlage, bei dem vier Einzel- zu einem Großgehege zusammengefasst werden – das neue Zuhause für Giraffen, Zebras und Antilopen. Da dem Innenstadtzoo keine Vergrößerung nach außen möglich ist, „müssen wir intelligente Lösungen finden.“ Und die Interaktionen miteinander sei die beste Tierbeschäftigung überhaupt. Das Sieben-Millionen-Euro-Projekt wird trotz Pandemie weiterhin von der Stadt genehmigt.

Artenschutzprojekte kommen zu kurz


Die fehlenden Einnahmen wirken sich jedoch auch auf Artenschutzprojekte aus, die der Zoo mit seinen Eintrittskarten finanziert. Während in den Vorjahren meist mehr als eine Million Besucher den Zoo aufsuchten, waren es 2020 etwas mehr als 500.000 – auch zum Leidwesen des Artenschutzes. „Gerade in solchen Zeiten ist dieser aber umso wichtiger, darum haben wir verstärkt um Spenden geworben“, so Deible. Auch für ihn und die anderen Mitarbeiter waren die vergangenen Monate „eine komische Zeit“, doch „95 Prozent der Tiere ist es egal, ob Besucher da sind.“ Ohne sie haben Zwergflamingos vermehrt Eier legen können und die Victoria-Krontaube ihr erstes Jungtier seit 2015 schlüpfen lassen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl

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Erstellt:
10. März 2021, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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