Tiny Houses aus Steinmauern

Steinmauern (mak) – Jungunternehmer Kay Stülpnagel (26) aus Steinmauern ist mit dem Bau von Tiny Houses erfolgreich. Trotz großer Nachfrage will er aber nicht expandieren.

Kay Stülpnagel vor einem Tiny House made in Steinmauern. Fotos: Markus Koch

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Kay Stülpnagel vor einem Tiny House made in Steinmauern. Fotos: Markus Koch

Kay Stülpnagel baut seit 2016 Tiny Houses in Steinmauern, die Nachfrage nach den Mini-Häusern ist dermaßen groß, dass der Jungunternehmer erst wieder ab 2024 neue Aufträge annehmen kann. Der 26-Jährige ist dennoch entspannt: „Es ist schön, dass es top läuft, aber ich muss hier keine Riesenfirma aufbauen“, meint er im BT-Gespräch.
Die Idee, später einmal Tiny Houses zu bauen, hatte Kay Stülpnagel schon zu Schulzeiten. Erste Erfahrungen sammelte der Selfmade-Handwerker mit einem Bauwagen und einem Zirkuswagen, die er ausbaute, in Letzterem wohnte er nach dem Abitur zweieinhalb Jahre lang. Geholfen haben ihm damals ein Nachbar und ein befreundeter Zimmermann, von denen er viel gelernt habe, berichtet Stülpnagel.

Im Jahr 2013 erwarben seine Eltern Fridolin Stülpnagel und Katja Harzheim den Sonnenhof in Steinmauern, auf dem sie Coaching-Kurse mit Pferden anbieten. Der Sohn zog ein Jahr später mit seinem Zirkuswagen nach. „Man lebt viel mehr mit der Natur, so ein Wagen ist nicht zu vergleichen mit einer Wohnung“, schwärmt der 26-Jährige. Man bekomme Regen viel mehr mit oder merke auch eher, wenn es kühl wird.

Handwerkliche Kenntnisse selbst angeeignet

Zunächst fing Kay Stülpnagel in einer Zelthalle damit an, Tiny Houses zu bauen, 2017 konnte er von einer benachbarten Firma die Hälfte einer Halle anmieten. Das war auch notwendig, denn nach einem Messe-Auftritt waren die Anfragen deutlich in die Höhe gegangen.

Um ein Tiny House zu bauen, sind Kenntnisse und Fertigkeiten eines Schreiners, Elektrikers, Blechners und Installateurs erforderlich. Kay Stülpnagel hat sich vieles davon im Lauf der Jahre selbst angeeignet, arbeitet aber dennoch punktuell mit Handwerkern zusammen. Die Planungen für die Mini-Häuser übernimmt ein Fachmann in Stuttgart. Daneben beschäftigt der Jungunternehmer eine Bürokraft.

Der Häuslebauer legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und bezieht die Materialien für seine Objekte in erster Linie aus der Region. Das Holz kommt aus einem Sägewerk in Straubenhardt. Gedämmt werden die Tiny Houses ausschließlich mit Schafwolle aus Österreich.

Ziel: Grundvarianten unterschiedlich ausbauen

Die Kunden, meist Singles oder Pärchen, kommen vorwiegend aus dem süddeutschen Raum, aber auch aus Frankfurt oder Berlin. Bislang ist jedes Tiny House ein Unikat, das individuell nach Kundenwünschen angefertigt wurde. Doch davon möchte Stülpnagel wegkommen, er will in Zukunft Grundvarianten mit verschiedenen Ausbaustandards anbieten. So könne er auch mehr seine Vorstellungen realisieren, verdeutlicht er im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Etwa vier bis fünf Tiny Houses schafft Kay Stülpnagel pro Jahr, aktuell hat er drei parallel in der Mache. Ein Mini-Haus für eine Kundin am Bodensee ist innen ganz in Weiß gehalten, als Extra ist ein kleiner Holzofen eingeplant. Rund 85.000 Euro wird das Häuschen mit rund 20 Quadratmetern Wohnraum kosten, ab einem Grundpreis von 35.000 Euro geht es los.

In Planung ist aktuell aber auch ein Tiny House für mehr als 100.000 Euro, wobei dies Übermaße hat. Es sind Erker geplant, außerdem sind Haustechnik und Materialien hochwertig.

Teils Probleme mit Baugenehmigung

Die Tiny Houses aus Steinmauern sind meist zehn Meter lang, 2,50 Meter breit und 3,5 Tonnen schwer. Dennoch beziehungsweise gerade deswegen gibt es in manchen Kommunen Probleme mit der Baugenehmigung, wenn in den Bebauungsplänen Festsetzungen sind, denen die Mini-Häuser nicht entsprechen. Ein Ehepaar, mit dem die Planungen schon fortgeschritten waren, habe den Auftrag storniert, weil es keine Genehmigung erhalten habe, berichtet der 26-Jährige.

Kay Stülpnagel lebt momentan in einer kleinen Wohnung auf dem Sonnenhof, doch auf lange Sicht möchte er wieder in ein Tiny House ziehen. Ihm habe nichts gefehlt während seiner Zeit im Zirkuswagen, versichert er im BT-Gespräch. Der entspannt wirkende Jungunternehmer ist mit wenig zufrieden: „Die Frage ist doch, was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?“ Er teilt nach eigenem Bekunden nicht die Werte einer Leistungsgesellschaft, die immer mehr und immer weiter möchte.

Deswegen wolle er auch seinen Betrieb nicht vergrößern und Mitarbeiter einstellen, um noch mehr Tiny Houses in noch kürzerer Zeit zu bauen. „Es ist mir wichtig, auch Zeit für mich zu haben. Ich male gern und mache Skulpturen, ich liebe Pferde und bin gern in der Natur“, betont Kay Stülpnagel.

Dieses exklusive Mini-Haus wird individuell nach Kundenwünschen angefertigt. Die meisten Gewerke führt der Jungunternehmer selbst aus. Foto: Markus Koch

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Dieses exklusive Mini-Haus wird individuell nach Kundenwünschen angefertigt. Die meisten Gewerke führt der Jungunternehmer selbst aus. Foto: Markus Koch

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BT-Redakteur Markus Koch

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Erstellt:
24. Oktober 2021, 19:00 Uhr
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